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© Mel Elias / unsplash.com

07.07.2021 / Service-Artikel / Lesezeit: ~ 6 min

Autor: Micaela Kassen

Mobbing in der Schule

5 Fakten zum Thema Mobbing unter Kindern und Jugendlichen.


Ein Kind kommt weinend von der Schule, spricht negativ über sich selbst und möchte nicht mehr in die Schule gehen, weil es regelmäßig schikaniert und eingeschüchtert wird – Mobbing zählt als die häufigste Form der Gewalt an Schulen. Jedes Jahr werden an weiterführenden Schulen etwa 500.000 Schüler und Schülerinnen Opfer von Mobbing. Man findet sie fast in jeder Klasse.

Hier kommen 5 Fakten zum Thema Mobbing, die man als Eltern, Familie, Freunde und Gemeinde wissen sollte.
 

1. Was ist Mobbing?

Der Begriff Mobbing (im Englischen: Bullying) bezieht Aggressions- und Gewalthandlungen mit ein. Der schwedische Psychologe Dan Olweus sagt über Mobbing Folgendes:

„Schüler und Schülerinnen werden zu Mobbing-Opfern, wenn sie wiederholt und über einen längeren Zeitraum negativen Handlungen seitens eines oder mehrerer Schüler ausgesetzt sind.“ [1] 

Beim Mobbing existiert darüber hinaus ein Kräfteungleichgewicht zwischen Täter und Opfer – das bedeutet, dass der Täter dem Opfer entweder psychisch oder körperlich überlegen ist.

Mit negativen Handlungen sind absichtliche Schädigungen von Mitschülern und Mitschülerinnen gemeint. Diese können in 3 unterschiedlichen Formen auftreten: in körperlicher Form (z.B. durch Schlagen oder Treten), in verbaler Form (z.B. durch Beleidigungen und Beschimpfungen) oder in indirekter Form, indem jemand beispielsweise aus einer Gruppe ausgeschlossen wird oder Gerüchte über jemanden verbreitet werden.
 

2. Was ist Cyber-Bullying?

Heutzutage gibt es eine Form von Mobbing, die zunehmend bedeutender wird: das Cyber-Bullying. Darunter wird Mobbing mithilfe sozialer Medien wie Facebook oder Instagram gemeint. Das Fatale: Schüler können auch außerhalb der Schule schikaniert und tyrannisiert werden.

Das Geschehen spielt sich zudem auch noch vor einem großen Publikum ab. Früher konnten Betroffene oftmals in schulfremden sozialen Kontexten, z.B. einer christlichen Jugendgruppe oder einem Sportverein, positive Erfahrungen machen und ihr Selbstwertgefühl stärken. Sind allerdings die unterschiedlichen sozialen Kreise durch Instagram und co. verbunden, dringt das Mobbing möglichweise auch in andere Lebenskontexte: Freunde, Verwandte, Bekannte – alle bekommen „es mit“.

Da der Druck in den sozialen Medien grundsätzlich hoch ist, bestimmten Idealen und Vorbildern zu entsprechen, kann das digitale Umfeld für Mobbingbetroffene besonders toxisch werden.
 

3. Wie entsteht Mobbing?

Die Motivation der Täter rührt daher, dass sie ihren Status durch Mobbing in der Klasse verbessern und/oder aufrechterhalten wollen. Es gibt jedoch mehrere Risikofaktoren, die zur Mobbing-Problematik beitragen.

Risikofaktoren, Täter zu werden, sind Persönlichkeitseigenschaften wie Aggressivität und/oder ein hohes Kontroll- und Machtbedürfnis. Familiäre Faktoren können ebenso eine Rolle spielen, wie z.B. ein niedriger Familienzusammenhalt und/ oder ein autoritärer Erziehungsstil.

Risikofaktoren, Mobbing-Opfer zu werden, sind ein geringes Selbstwertgefühl, ein geringer sozialer Status und/oder ein überbehütender Erziehungsstil der Eltern.

Bestimmte schulische Bedingungen wie z.B. ein negatives Schulklima, ein geringes Vertrauen der Schüler zu den Lehrern oder dysfunktionale Einstellungen der Lehrkräfte gegenüber Mobbing können ebenso zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Mobbing beitragen.
 

4. Wie erkenne ich, dass ein Kind gemobbt wird?

Auf folgende Warnsignale kann ich als Elternteil, Familienmitglied oder Vertrauensperson achten:

Das Kind...

  • möchte nicht mehr in die Schule gehen
  • erbringt schlechtere Leistung in der Schule
  • klagt häufiger über körperliche Beschwerden, wie z.B. Bauchweh
  • hat keine oder kaum Freunde in der Schule
  • wirkt wesentlich ängstlicher
  • ist stiller geworden
  • wirkt geistig abwesend und unkonzentriert
  • spricht negative Gedanken über sich selbst aus
  • hat wenig Appetit
  • schläft schlecht
  • hat körperliche Verletzungen, wie z.B. blaue Flecken
  • verliert Gegenstände oder bringt sie beschädigt nach Hause

 

5. Was ich als Elternteil gegen Mobbing tun kann…

  • Kontakt mit der Schule aufnehmen

Als Elternteil sollte ich Kontakt mit dem Klassenlehrer, der Klassenlehrerin aufnehmen. Um Mobbing erfolgreich zu bekämpfen, ist es nämlich wichtig, dass Eltern und Schule zusammenarbeiten. Lehrkräfte müssen für die Thematik sensibilisiert werden.

Die schulischen Bedingungen könnten angepasst werden, indem sie Vertrauen zu ihren Schülern und Schülerinnen aufbauen, sodass diese sich im Ernstfall an sie wenden. Die meisten Mobbing-Opfer tun sich nämlich schwer damit, Hilfe bei einem Erwachsenen zu suchen. Eine Verbesserung der Pausenaufsicht könnte man als Elternteil ebenso ansprechen.
 

  • Den Täter oder die Täterin nicht unter Druck setzen

Eine extreme Reaktion, indem ich den Täter oder die Täterin unter Druck setze, sollte ich als Elternteil vermeiden. Die Problematik kann dadurch verschlimmert werden, da mein Kind in eine Position gebracht wird, in der es den Tätern gegenüber noch hilfloser erscheint.

In Zusammenarbeit mit den Pädagogen können Möglichkeiten gegen Mobbing angewandt werden, die ohne Schuldzuweisungen und Bestrafungen auskommen. Da es Tätern um Macht geht, ist es neueren Ansätzen zufolge eher hilfreich, das Machtgefälle innerhalb der Klasse zu kippen. Dabei wird die gesamte Klasse miteinbezogen.
 

  • Stärken meines Kindes entdecken und fördern

Es hilft, das Selbstvertrauen meines Kindes zu stärken, indem ich dessen Begabungen und Stärken erkenne und diese ausbaue. Dadurch kann sein oder ihr Selbstbewusstsein aufgebaut werden, welches meist durch das Mobbing Schaden genommen hat. Ein starkes Selbstbewusstsein führt dazu, dass das Kind sich gegen seine Mitschüler/ seine Mitschülerinnen durchsetzen kann.
 

  • Mein Kind im Sportverein anmelden

Selbstbewusstsein kann durch Sport erlangt werden. In einem Verein können einerseits neue und gesunde Kontakte geknüpft werden und andererseits führt die erlangte Stärke, der Muskelaufbau und die Körperbeherrschung zu einem höheren Selbstvertrauen.
 

  • Mein Kind nicht überbehüten

Wichtig ist, dass ich als Elternteil keinesfalls versuche, mein Kind übermäßig zu beschützen, damit dieses sich nicht selbst von Gleichaltrigen isoliert. Ich darf mein Kind ermutigen, freundliche und nette Schüler und Schülerinnen zu finden, zu denen es Kontakt aufbauen kann. Hierbei darf ich als Elternteil meinem Kind Hilfestellung geben, da es sein kann, dass es ihm oder ihr nicht leichtfällt, erneut Vertrauen zu Gleichaltrigen aufzubauen und neue Freunde zu finden.
 

  • Kinderpsychologische Fachhilfe einschalten

Wenn sich das Bullying über mehrere Monate zieht, ist es dringend empfohlen, eine fachliche Unterstützung für den oder die Betroffene zu suchen, da anhaltende Mobbingerfahrungen zu einer Traumatisierung führen können. Viele Schulen bieten inzwischen eine psychologische Anlaufstelle für Betroffene an.

Manchmal ist auch ein Gang zur Kinderpsychologin bzw. -psychologen ratsam, um dem Betroffenen zu ermöglichen, sich in einem neutralen Raum über die oftmals schambesetzten Erfahrungen zu sprechen. Außerdem kann eine Psychologin oder ein Psychologe ein wertvolles Gegenüber für die Eltern sein, um abzuschätzen, welche Maßnahmen für ein Kind hilfreich sind.
 

  • Wenn nichts hilft: Über einen Schulwechsel nachdenken

Ändert sich die Lage an der Schule nicht, muss ein Schulwechsel für einen Neuanfang in Betracht gezogen werden. Dabei ist zu beachten: ein Kind bzw. ein Teenager wird vor dem Gedanken an einen Wechsel möglicherweise erst zurückschrecken, schließlich ist durch das Mobbing viel Selbstvertrauen und Abenteuerlust verloren gegangen.

Hier gilt es als Familie, die anstehende Veränderung bewusst mitzugestalten: durch Übergangsrituale wie das Kaufen von besonders schönem Schulmaterial, gemeinsame Gebete und Reflexionsgespräche über die Wünsche und Sorgen des Kindes. Die Botschaft muss lauten: „Du bist nicht machtlos dem Mobbing ausgeliefert – es gibt Lösungen, wie du aus dieser Krisensituation herauskommen kannst!“

 

Literatur

  • Burger, M. (2020). Lernwelt Mobbing: Auswirkungen von Mobbing auf das System Familie (Lernweltforschung 35), 1. Auflage 2020. Springer VS.
  • Mobbing in Zahlen. (2020, 9. November). zeichen-gegen-mobbing. https://zeichen-gegen-mobbing.de/zahlen
  • Olweus, D. (2006). Gewalt in der Schule. Was Lehrer und Eltern wissen sollten – und tun können. Huber, Bern.
  • Scheithauer, H./ Hayer, T./ Petermann, F. (2003): Bullying unter Schülern: Erscheinungsformen, Risikobedingungen und Interventionskonzepte. Hogrefe, Göttingen.
  • Schäfer, M./ Korn, S. (2004): Bullying als Gruppenphänomen: Eine Adaption des „Participant Role“- Ansatzes. In: Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 36. Jg. Heft 1, S.19-29).

 

 [1] Olweus 2006, S.22.

 Micaela Kassen

Micaela Kassen

  |  Freie Mitarbeiterin

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Kommentare

Rebecca S. /

Danke für diesen wertvollen Artikel! Mir sind noch ein paar Ergänzungen eingefallen. Zum einen: Im Teenie- und Jugendalter kann sich Mobbing auch in Form von Sexting oder sexuell konnotiertem Verhalten äußern. Gerade darüber zu sprechen, ist vielen jungen Menschen peinlich und findet im christlichen Kontext auch noch zu selten statt. Wer also aus einem behüteten christlichen Elternhaus in eine Klasse oder ein Umfeld gerät, wo man ganz anders mit Sexualität umgeht, hat es oft schwer. Oft beginnt mehr

Micaela Kassen /

Liebe Daniela D.,
vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich melde mich in Kürze bei Ihnen per E-Mail.
Freundliche Grüße
Micaela Kassen

Magdalena M. /

Ein sehr wichtiges Thema!! Danke, Frau Kassen, dass Sie dies ansprechen. Danke für sachliche Aufklärung und Hilfestellungen.

Daniela D. /

Hallo Frau Kassen,
Danke für den interessanten Beitrag über Mobbing an Schulen. Ich selbst bin in einer Weiterbildung in der erwachsenenbildung Schülerin und habe persönlich mit Mobbing zu tun. Ich bin leider in Klasse hineingekommen ,wo ich permanent ausgegrenzt werde. Am Anfang wurde über mich gelacht weil ich beruflich schon viel Erfahrung habe. Dazu muss ich sagen ich bin 46 Jahre und seit zehn Jahre als heilerziehundpflegehelferin tätig. Zudem kommt noch wenn ich an jemanden egal am wen mehr

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