Navigation überspringen
© Sylvain Maroux / unsplash.com

22.02.2024 / Serviceartikel / Lesezeit: ~ 10 min

Autor/-in: Theresa Folger

10 Strategien gegen das Hochstaplersyndrom

Oder: Wie du lernst, endlich zu deinen Leistungen zu stehen.

„Bestimmt merken bald alle, dass ich nichts kann.“ „Noch mal bekomme ich das nicht so gut hin.“ „Es war Glück, dass ich das geschafft habe.“ Solche Gedanken sind typisch für das sogenannte Hochstaplersyndrom (auch Impostor-Syndrom genannt).

Über die Definition, Ursachen und Folgen des Hochstaplersyndroms haben wir bereits gesprochen (siehe: Bin ich (k)ein Hochstapler?). In diesem Artikel stelle ich dir 10 konkrete Strategien vor, wie du endlich lernst, zu deinen eigenen Leistungen zu stehen und stolz darauf zu sein.

Doch zu Beginn möchte ich ein mutmachendes Beispiel mit dir teilen: Anders als man denken könnte, ist das Hochstaplersyndrom kein neues Phänomen. Schon zu biblischen Zeiten hatten Menschen mit ihrer vermeintlichen Inkompetenz zu kämpfen. Einer davon ist Mose. Er wurde später zu einem der größten Anführer in der jüdischen Geschichte, doch beinahe wäre es gar nicht dazu gekommen.

Auch Mose hielt sich für unfähig

Mose wurde als Baby in einem Weidenkörbchen von der Tochter des Pharaos gefunden (vgl. 2. Mose 2,1-10) und verbrachte einen großen Teil seiner Kindheit in den höchsten Kreisen. Am Hof des Pharaos erhielt er vermutlich eine Top-Ausbildung, wurde in Kampftechniken unterrichtet und entwickelte Führungsqualitäten.

Damit hatte er anderen Männern aus dem israelitischen Volk einiges voraus. Als Gott ihn aus dem brennenden Dornbusch heraus zum Anführer Israels berufen wollte, war er zudem bereits 80 Jahre alt (vgl. 2. Mose 7,7) und verfügte somit über große Lebenserfahrung.

Trotzdem weigerte Mose sich zunächst, die ihm von Gott zugedachte Aufgabe zu übernehmen, weil er sich für unfähig hielt. Er sagte zu Gott: „Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten?“ (2. Mose 3,11.).

Mose führte seine mangelnde Eloquenz als Argument ins Feld. Auch befürchtete er, seine eigenen Landsleute würden ihm die göttliche Berufung nicht abnehmen – selbst, als Gott ihm drei Wunder an die Hand gab, die er zum Beweis vorführen sollte (2. Mose 4).

Es ist wohl eher die Ausnahme, dass einer uns anvertrauten Aufgabe eine göttliche Berufung vorausgeht. Dennoch kann uns Moses Geschichte zeigen, dass Selbstzweifel und Unsicherheit bezüglich der eigenen Leistungen jeden treffen können. Die gute Nachricht ist: Mose nahm die Herausforderung nach einem „göttlichen Tritt in den Hintern“ an.

Du kannst beruhigt sein: Mit großer Wahrscheinlichkeit musst du kein Volk aus der Sklaverei führen. Und doch bist du gewissermaßen Sklave deiner gefühlten Unfähigkeit. Es ist Zeit, dass du da herauskommst. Wer weiß, was Gott noch mit dir vorhat, wenn du deine Talente endlich anerkennst.

Wer weiß, was Gott noch mit dir vorhat, wenn du deine Talente endlich anerkennst.

Die folgenden Strategien können dir eine Hilfe sein, um das Hochstaplersyndrom zu überwinden.

1. Nimm dein Gefühl der Unzulänglichkeit als Gefühl wahr

„Ich fühle mich wie ein Hochstapler“ ist nicht dasselbe wie „Ich bin ein Hochstapler“. Mach dir bewusst, dass deine innere Überzeugung, inkompetent zu sein, auf Ängsten basiert und nicht zwangsläufig auf Tatsachen.

Wovor genau hast du Angst, wenn das Hochstaplersyndrom dich überfällt? Fürchtest du dich davor, dich entsetzlich zu blamieren und in Schimpf und Schande davongejagt zu werden? Erkenne, dass diese Angst zwar real, aber nicht rational ist. Das ist anfangs nicht unbedingt eine Hilfe, aber manchmal müssen wir mit dem Verstand unsere Gefühle überlisten.

Deine Angst zu scheitern ist zwar real, aber nicht rational.

Wenn du deine Ängste benennen kannst, hast du bereits den ersten Schritt zur Überwindung getan. Im zweiten Schritt beschließt du, dass diese Ängste nicht die Überhand gewinnen sollen. Nimm in Kauf, dass du dich zunächst weiter inkompetent fühlst. Warte nicht auf den Moment, an dem du alle Selbstzweifel überwunden hast. Denn der wird nicht kommen.

Jesus hat es übrigens als Tatsache dargestellt, dass wir in dieser Welt Angst haben – auch Angst zu scheitern. Aber er hat hinzugefügt: „Seid getrost. Ich habe diese Welt überwunden.“ (Johannes 16,33)

Vielleicht hilft es dir auch, wenn du dir Gottes Zusage aus Jesaja 41,10 vorliest: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; sei nicht ängstlich, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“

2. Identifiziere deine inneren Glaubenssätze

Eng mit Ängsten verknüpft sind Glaubenssätze, die wir so tief verinnerlicht haben, dass wir ihre Wahrheit nicht in Frage stellen. Welcher der folgenden Sätze kommt dir bekannt vor?

  • Ich bin nicht gut genug für diese Aufgabe.
  • Ich darf keine Fehler machen.
  • Ich muss mehr leisten als die anderen.
  • Ich muss aufpassen, dass keiner meine Inkompetenz bemerkt.

Solche Sätze heißen Glaubenssätze, doch eigentlich müssten sie „Irrglaubenssätze“ heißen, weil sie auf irrigen Annahmen beruhen. Diese Glaubenssätze zu identifizieren und aufzulösen ist eine Baustelle für sich.

An dieser Stelle sei nur ein erster Ansatz genannt: Stelle diesen Sätzen positive Affirmationen entgegen, zum Beispiel: „Ich habe zehn Jahre Berufserfahrung und habe ähnliche Aufgaben schon erfolgreich bewältigt.“ Oder: „Ich habe meine Erfolge verdient und arbeite hart für sie.“

3. Notiere deine Leistungen

Du hast einen Abischnitt von 1,6? Hast eine Weiterbildung in der Hälfte der Zeit absolviert oder bist trotz deiner vermeintlichen Unfähigkeit lobend vom Chef erwähnt worden? Das sind alles Erfolge! Es fühlt sich vermutlich erst einmal falsch an, aber schreibe deine bisherigen Leistungen auf. Wenn dich dann wieder das Hochstapler-Gefühl beschleicht, schau dir diese Liste an.

Falls dich das „Ich darf als Christ nicht stolz auf meine Leistungen sein“-Gefühl beschleicht, denke daran, dass Gott dir deine Begabungen gegeben hat, um sie einzusetzen (vgl. 1. Petrus 10).

Auch Gott stellte bei der Erschaffung der Welt fest, dass seine Leistung gut war.

Übrigens stellte auch Gott bei der Erschaffung der Welt mehrmals fest, dass seine erbrachte Leistung gut war (vgl. 1. Mo 1,10). Es steht nicht dabei, wie er sich dabei fühlte, aber ich vermute, dass er sich freute.

4. Verzweifle nicht an Misserfolgen

Vielleicht fallen dir zu jedem erfolgreichen Projekt drei weitere ein, die nicht optimal gelaufen sind. Vielleicht bist du sogar wirklich einmal krachend gescheitert. Das ist doof – und peinlich. Aber es bedeutet nicht, dass du ein unfähiger und inkompetenter Hochstapler bist. Deine Kollegen machen auch Fehler, aber ich glaube nicht, dass du sie deshalb generell für unfähig hältst und fertig machst.

Entscheidend ist der Umgang mit deinen Misserfolgen. Lass inneren Glaubenssätzen keinen Raum (siehe Punkt 2), die dir weismachen wollen: „Ich habe ja gleich gewusst, dass ich es nicht kann“. Oder „Ich war eben schon immer eine Niete“. 

Lerne vielmehr, deine Fehler realistisch einzuschätzen. In der Regel ist nie alles schlecht. In der Unternehmensorganisation nennt sich das „positive Fehlerkultur“. Damit ist gemeint, mit Fehlern konstruktiv umzugehen und so daraus zu lernen, dass sie nicht noch einmal passieren.

Nehmen wir an, du hast dich bei einem Projekt verzettelt. Dann nimm für dich als Erkenntnis mit: „Beim nächsten Projekt lege ich alle Informationen zentral und geordnet ab, damit ich später den Überblick behalte.“

Von zentraler Bedeutung ist, nach einer Fehleranalyse einen Schlussstrich zu ziehen und nach vorne zu schauen. Getreu dem paulinischen Motto: „Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist“ (Philipper 3,13).

5. Fang an, auch wenn du noch nicht alles kannst

Den Spruch „an seinen Aufgaben wachsen“ hast du vermutlich schon tausendmal gehört und vielleicht auch schon zu anderen gesagt. Doch warum hast du dann an dich selbst den Anspruch, bereits alles können zu müssen, um eine Aufgabe überhaupt zu beginnen? Würdest du das von einem Kollegen ebenso erwarten? Wahrscheinlich nicht.

Denk an Mose, der sich unfähig fühlte, die Israeliten aus Ägypten zu führen. Oder an Gideon, der sich für zu jung hielt, um sein Volk von den Midianitern zu befreien (vgl. Richter 6-8). Beide sind ihre Aufgaben angegangen. Beide sind währenddessen daran gewachsen.

Gibt es stichhaltige Gründe, warum du für diese Aufgabe ungeeignet bist? Oder ist es vor allem deine gefühlte Inkompetenz, die dir im Weg steht?“

Wenn du Zweifel hast, eine neue Aufgabe anzunehmen, dann frage dich: Gibt es stichhaltige Gründe, warum du für diese Aufgabe ungeeignet bist? Oder ist es vor allem deine gefühlte Inkompetenz, die dir im Weg steht? Falls letzteres zutrifft, sage dir: „Ich kann genug, um die Aufgabe anzufangen. Den Rest lerne ich unterwegs.“

6. Nimm Lob an

Wenn dich das nächste Mal jemand lobt, sag einfach mal „Danke“. Und sonst nichts. Fang nicht an, deine Leistung zu relativieren oder zu erklären, warum du das Lob nicht verdient hast. Gib auch nicht sofort ein Lob zurück, um die gefühlte Schuld wieder auszugleichen. Lass es bei einem „Danke“ bewenden.

Das fühlt sich vermutlich anfangs falsch an. Aber mit der Zeit wird es leichter. Und irgendwann überwiegt die Freude über das Lob.

Widerstehe auch der Versuchung, die möglichen Hintergedanken des anderen zu analysieren, und frage dich nicht, warum er dich lobt. Normalerweise meinen Menschen es einfach ehrlich, und meistens steckt keine verborgene Absicht dahinter. Und wenn doch: Dann ist das nicht dein Problem.

7. Arbeite im Team

Du musst kein Einzelkämpfer sein. Viele Aufgaben lassen sich im Team besser bewältigen. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“, sagte Gott (1. Mose 2,18). Und im Buch der Prediger steht: „Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt nicht leicht entzwei“ (Prediger 4,12).

Übrigens traute sich Mose auch nicht allein zum Pharao. Daher schickte Gott seinen großen Bruder mit, um das Reden zu übernehmen.

Vielleicht hast du auch Schwierigkeiten mit Teamwork, weil du deine Kollegen für intelligenter oder begabter als dich selbst hältst. Das mag stimmen, aber wohlgemerkt nur für gewisse Bereiche. Denn jeder von uns hat unterschiedliche Begabungen.

Wenn jemand anderes hervorragende Arbeit geleistet hat, dann nutz die Gelegenheit, davon zu lernen, anstatt das Ergebnis als Maßstab für dich selbst zu nehmen. Gleichzeitig besitzt auch du eigene Talente und Fähigkeiten, in denen du deinen Kollegen etwas voraushast und wo sie von dir lernen können.

8. Teile deine Gedanken

Es kann sehr befreiend sein, wenn du deine Hochstapler-Gefühle mit Freunden oder Vertrauenspersonen teilst. Sie können dir ein Feedback zu deiner Leistung geben und dich an deine Erfolge erinnern.

Vielleicht ist es für dein Gegenüber sogar befreiend zu erfahren, dass du dich so fühlst. Denn eine Mehrheit der Menschen kennt Hochstapler-Gedanken, traut sich aber nicht, sie zu äußern.

Wohlbemerkt: Du musst dich nicht vor dein gesamtes Team stellen und „beichten“, wie inkompetent du dich fühlst. Damit untergräbst du deine eigene Kompetenz. Es reicht, wenn du dich mit Einzelnen austauschst. Gegebenenfalls kannst du dir auch professionelle Begleitung von einem Seelsorger oder Psychologen holen.

Du musst dich nicht vor dein gesamtes Team stellen und „beichten“, wie inkompetent du dich fühlst. Es reicht, wenn du dich mit einzelnen Vertrauenspersonen austauschst.

9. Bereite dich auf auslösende Situationen vor

Bereite dich auf Situationen vor, die das Hochstapler-Gefühl in dir auslösen, aber weiche ihnen nicht aus. So ähnlich funktioniert auch die Konfrontationstherapie in der Psychologie. Die Idee dahinter ist, dass Trigger mit der Zeit schwächer werden, je öfter man sich einer beängstigenden Situation aussetzt.

Wenn du zum Beispiel einen Vortrag halten sollst, kann es helfen, ihn vorher probeweise vor der Familie oder Freunden zu referieren. So kannst du auch direkt Feedback einholen. Wenn du dich während des Vortrags dann plötzlich inkompetent fühlst, denke dir: „Danke, ist notiert“, und fahre fort.

Falls du Probleme mit Blackout-Momenten hast, überlege dir vorher geeignete Strategien. Zum Beispiel, dass du den Vortrag in deinen Notizen komplett ausformulierst. So kannst du im Notfall einige Sätze ablesen, bis du wieder ins Thema findest.

Darüber hinaus bist du in dieser Situation nicht allein. Gott begleitet dich. Und hilft dir. In Psalm 18,30 steht: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“  Oder Vorträge halten.

10. Lerne von Jesus

In der Bibel steht ja immer wieder drin, dass wir Jesus ähnlicher werden sollen (z.B. in Römer 8,29). Nun, Jesus hatte kein Hochstaplersyndrom. Zwar trug er seine göttliche Herkunft nicht vor sich her und posaunte heraus: „Schon gehört? Ich bin Gottes Sohn!“ Aber er war sich seines göttlichen Auftrags bewusst und machte dies gegenüber den Pharisäern mehrmals deutlich.

Jesus hatte kein Hochstaplersyndrom. Er trug seine göttliche Herkunft nicht vor sich her. Aber er war sich seines Auftrags bewusst.

In Lukas 4,16-21 wird zum Beispiel berichtet, dass Jesus einen Abschnitt aus dem Buch Jesaja vorliest und ihn auf sich selbst bezieht. An anderer Stelle lehnt er es ab, sich vor den Pharisäern zu beweisen, die von ihm einige „Extra-Wunder“ verlangen (Matthäus 12,38-40).

Was könnte das für dich bedeuten? Zum Beispiel, dass auch du selbstbewusst zu deinen Stärken und den dir anvertrauten (Auf-)Gaben stehen kannst. Zudem solltest du dein Selbstbewusstsein nicht nur daraus ziehen, wie deine Leistungen auf andere wirken und ob sie dich dafür loben.

Du bist gut, lange bevor du perfekt bist

„Kann ich wirklich nichts oder denke ich das nur?“ Ich kann dich beruhigen: Mit großer Wahrscheinlichkeit denkst du es nur. Und damit bist du in guter Gesellschaft. Denn das Hochstaplersyndrom ist ein verbreitetes Phänomen, auch wenn wir uns selten trauen, darüber zu sprechen.

Zu erkennen, dass man darunter leidet, kann befreiend sein. Es zu überwinden, ist ein langer Prozess. Doch lass dich von deiner gefühlten Inkompetenz nicht weiter blockieren. Damit verschenkst du viel von deinem gottgegebenen Potenzial.

Die gute Nachricht ist: Du bist gut, lange bevor du perfekt bist. Und gut ist in diesem Fall gut genug. Du brauchst übrigens auch keine Angst zu haben, als „schlechter Christ“ enttarnt zu werden. Niemand kann Gottes Ansprüchen eines guten Lebens gerecht werden. Deshalb hat Gott ja seinen Sohn als Opfer geschickt, um uns von diesem Anspruch zu befreien. Von Jesus gerettet zu sein reicht völlig. Auch für dich.

 Theresa Folger

Theresa Folger

  |  Redakteurin

Diplomkulturwirtin und Redakteurin, beschäftigt sich vor allem mit den Themenfeldern „mentale Gesundheit“ und „Persönlichkeitsentwicklung“. Mit ihren zwei aufgeweckten Mädels entdeckt sie dabei regelmäßig neue spannende Aspekte.

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Das könnte Sie auch interessieren