„Steh bitte mal auf!“ Wie oft habe ich als Kind diese Aufforderung gehört! Bei Veranstaltungen, wenn die Sitzplätze knapp wurden und ich meinen Platz an eine Person abtreten sollte, die erwachsen und/oder körperlich eingeschränkt war.
In der Bibel erfahre ich, dass Gott auch immer wieder Menschen auffordert, aufzustehen. Einer von ihnen ist Josef, der irdische Vater von Jesus. Er erlebt gerade eine sehr herausfordernde Zeit. Der römische Kaiser will prüfen, ob die Steuereinnahmen pro Kopf passen und die Kasse seines Imperiums stimmt.
Durchkreuzte Pläne bejahen
Was bedeutet das konkret für Josef? Er muss sich mit Maria, seiner hochschwangeren Verlobten, auf den Weg nach Bethlehem, seinem Geburtsort machen. Dort wartet kein gemütlich eingerichtetes Eigenheim auf das junge Pärchen. Sie kommen in einem Stall unter.
Mit der Geburt von Jesus werden die Herausforderungen nicht weniger. Gott fordert Josef zur Flucht auf: „Steh auf! Nimm das Kind und seine Mutter zu dir und fliehe nach Ägypten“ (Matthäus 2,13).
Ob Josef sich sein junges Leben so vorgestellt hat? Auf der Flucht zu sein mit seiner Frau und einem Kind, das nicht sein eigenes ist. Wenn Josef andere Vorstellungen hatte, muss er sie jetzt loslassen und in eine ungewisse Zukunft aufbrechen. Zu diesem Zeitpunkt hat er noch keine Ahnung, wie lange er und seine Familie in Ägypten bleiben werden. Einen Monat, ein Jahr, zehn Jahre? Offensichtlich hat er aber einen inneren Frieden über die Umstände.
Irgendwann scheint der Rückkehr in seine Heimat nach Judäa nichts mehr im Weg zu stehen. Doch wieder kommt es anders und Josef muss einen Umweg machen. Denn wieder gefährdet ein Machthaber das Leben von Josef und seiner Familie.
Jetzt ist „meine“ Zeit
Es ist nicht einfach, immer wieder die negativen Konsequenzen auszubaden, die andere durch ihre Entscheidungen verursachen: Politiker, Führungskräfte, Ehepartner. Bin ich betroffen, helfen mir Fragen wie:
- Wozu sehe ich mich in dieser schwierigen Situation herausgefordert?
- Was ist mein Auftrag?
- Wo sollte ich in Bewegung kommen, was eventuell loslassen?
Das kann meine innere Haltung sein – mir selbst oder einem anderen Menschen gegenüber. Oder auch das Bild, das ich von Gott habe und wie er mich oder andere zu führen hat. Oder mein Anspruch an ein Leben, in dem ich mich sicher fühlen kann, zumindest einigermaßen.
Mutig aufstehen
Es braucht Mut, vertraute Grundüberzeugungen und Verhaltensmuster zu durchbrechen, die vermeintlich Sicherheit geben. Diese Muster können sehr unterschiedlich sein und sind abhängig von unserer Persönlichkeitsstruktur und unserer Prägung.
Wenn ich etwa aus Angst abwarte, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung dafür zu übernehmen, könnte mein „Steh-auf“ bedeuten, dieser Angst zu begegnen.
Treffe ich gerne und schnell Entscheidungen, damit bloß kein anderer mir zuvorkommt, könnte meine Beweglichkeit sich im Abwarten zeigen.
Die kleinen Ausschnitte aus dem Leben von Josef zeigen mir: Bei dem, wozu Gott mich konkret auffordert oder was er in meinem Leben zulässt, geht es um mehr als um meine kleine Welt und ihre Fugen. Gleichzeitig ist es Gott nicht egal, wie es mir damit geht, Teil seines Planes zu sein.
Unterwegs im Schutzraum Gottes
Jedes Mal, wenn Gott zu Josef spricht, tut er das im Traum und damit persönlich und in einem geschützten Umfeld. Auf der Basis dieser persönlichen Gottesbeziehung positioniert Josef sich gegenüber den äußeren Umständen. Mit allen schwierigen, aber auch heilsamen Konsequenzen. Auch für Maria, für Jesus und – weitergedacht – für mich, für dich und für jeden Menschen auf dieser Welt.
So gesehen verliert das, was Augustus, Herodes oder sonstige Regenten entscheiden, an Bedeutung. Wesentlich scheint mir die innere Haltung Josefs, mit der er sich zu diesen Veränderungen positioniert. Er nimmt sie an und ist bereit, das umzusetzen, wozu er von Gott aufgefordert wird.
Als Josef erfährt, dass Maria schwanger ist, muss er das erst einmal verarbeiten. Sein Plan, Maria heimlich zu verlassen, wird durchkreuzt. Gleichzeitig hat Gott die Gedanken und die damit verbundenen Ängste und Gefühle von Josef im Blick. Er sieht seine schwierige Situation und lässt ihn damit nicht allein. Er spricht ihm zu „Fürchte dich nicht!“ (Matthäus1,20) und hilft Josef, den jeweils nächsten Schritt zu gehen.
Dieser Zuspruch Gottes gilt auch mir in meiner Situation – und dir in deiner. Das gibt mir Mut, beweglich zu bleiben und immer wieder im Sinne Gottes aufzubrechen!
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