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© Lady Girl / unsplash.com

21.03.2022 / Andacht / Lesezeit: ~ 2 min

Autor/-in: Joachim Bär

Heilige Chuzpe

Warum wir gerade jetzt Gott auf besondere Weise begegnen sollten.


Die Chuzpe hat keinen guten Ruf. Das ist verständlich, denn oft beschreibt sie ein schlechtes Verhalten. Chuzpe hat, wer unverfroren und mit einer gewissen Dreistigkeit sein Anliegen vorbringt und es vorantreibt. Besonders sympathisch ist das nicht.

Doch zur Chuzpe gehört auch die Frechheit für das Gute. Manchmal braucht es gar eine besondere Chuzpe, worauf interessanterweise ein ukrainischer Rabbi vor rund 200 Jahren hingewiesen hat. Rabbi Nachmann von Breslow (1772 – 1810) hat unterstrichen: Ich kann in einer guten Beziehung mit Gott auch mit einer gewissen Chuzpe für das Gute vor ihn treten und dafür einstehen. Heilige Chuzpe nannte das Rabbi Nachmann.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Abraham. Als Gott ihn in seine Pläne einweiht, die Städte Sodom und Gomorra zu vernichten, beginnt Abraham mit Gott zu handeln. Ein Mensch erinnert den Allmächtigen an seine eigenen Prinzipien:

Das sei ferne von dir, dass du das tust und tötest den Gerechten mit dem Gottlosen, sodass der Gerechte wäre gleich wie der Gottlose! Das sei ferne von dir! Sollte der Richter aller Welt nicht gerecht richten? (1. Mose 18, 25)

 

Wenn das keine Chuzpe ist! Heilige Chuzpe. Für das Gute. Die Beziehung zwischen Gott und Abraham hält das aus. Abraham begegnet Gott gleichzeitig mit dem notwendigen Respekt. Und Gott lässt mit sich reden, gar handeln.

Den Bewohnern von Sodom und Gomorra hat das nicht geholfen. Es waren keine 10 Menschen in den Städten zu finden, die „gerecht“ waren, so die weitere Geschichte. Mich lehrt diese kleine Begebenheit aber eines: In besonderen Zeiten darf ich Gott mit einer heiligen Entschlossenheit begegnen. Ihn erinnern an das, was er zugesagt hat – ja, ihm in gewisser Weise auf den Geist gehen. Nicht ohne zu wissen, wer mir gegenübersteht. Dass ich Mensch bin und er Gott. Und doch und gerade mit dem unverfrorenen Vertrauen auf seine guten Eigenschaften und seine Macht.

Wir leben in einer krisengeschüttelten Welt. Corona-Krise, Ukraine-Konflikt – was folgt? Vielleicht ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt, mit heiliger Chuzpe vor Gott zu treten und im Gebet vor ihm für das Gute einzustehen. Ich bin mir sicher: Gott lässt mit sich reden.

 Joachim Bär

Joachim Bär

  |  Gesamtredaktionsleiter

Koordiniert die übergreifenden Themen der redaktionellen Angebote des ERF. Er ist Theologe und Redakteur, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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Kommentare (1)

Michael G. /

"Wir leben in einer krisengeschüttelten Welt. Corona-Krise, Ukraine-Konflikt – was folgt?"
Also die Steigerung von Krise ist schon Konflikt - danach kommt Krieg. Ukraine ist Krieg - Herr Putin mehr

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