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© Nguyen Dang Hoang Nhu / unsplash.com

28.03.2024 / Theologie / Lesezeit: ~ 6 min

Autor/-in: Maria Dietz

Die Bedeutung des Gründonnerstags

Was ist am Tag vor Jesu Kreuzigung passiert und was feiern wir am Gründonnerstag?

Wenn ich an die Osterfeiertage denke, dann kommen mir zuallererst der Karfreitag und der Ostersonntag in den Sinn. An Gründonnerstag denke ich dabei meistens nicht, oder er fällt mir erst dann auf, wenn er schon vorbei ist. Dabei ist der Gründonnerstag ein essenzieller Bestandteil dessen, was wir an Ostern feiern.

Geht es dir auch so? Weißt du, woran wir an diesem Tag gedenken, was wir feiern und woher die Bezeichnung ‚Gründonnerstag‘ überhaupt kommt? Vielleicht ist die österliche Liturgie fester Bestandteil deines Lebens. In diesem Fall bin ich gespannt, ob du in diesem Artikel doch noch etwas Neues dazulernst.

Was hat sich zugetragen?

Am Tag vor Jesu Kreuzigung haben sich gleich mehrere wichtige Ereignisse zugetragen: Die Fußwaschung, das letzte Passahmahl und die Festnahme Jesu im Garten Gethsemane.

1. Die Fußwaschung

In der damaligen Kultur war es üblich, dass ein Gastgeber seinem Gast anbot, ihm die Füße zu waschen. Das tat er als Zeichen seiner Gastfreundschaft. Die Fußwaschung war und ist gängige Praxis unter den Juden.

Im Johannesevangelium lesen wir davon, dass Jesus am Abend vor seiner Kreuzigung jedem seiner zwölf Jünger die Füße gewaschen hat (vgl. Johannes 13,8-17). Diese demütige Geste stieß bei den Jüngern aber auf Unverständnis.

Besonders Simon Petrus verstand nicht, warum sein Rabbi, sein Lehrer, ihm diese Ehre erwies. Denn Jesus, der Sohn Gottes erniedrigte sich damit selbst zum Diener. Mit den Worten: „Wenn ich dich nicht wasche, gehörst du nicht zu mir“ stimmte Jesus seinen Jünger um.

Als Jesus seinen zwölf Nachfolgern die Füße wusch, ging es also nicht darum, den äußerlichen Staub und Schmutz abzuwaschen, sondern es ging um die geistliche Zugehörigkeit und die Reinheit vor Gott.

Die äußerliche Fußwaschung ist ein Zeichen Jesu Nächstenliebe und drückt aus, dass die Jünger zu ihm gehören.

2. Das Abendmahl

Im Matthäus-, Markus- und Lukasevangelium lesen wir davon, dass Jesus mit seinen Jüngern das Fest der ungesäuerten Brote, auch Passahfest genannt, feierte. Dabei erinnern sich die Juden jedes Jahr an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten.

Bei diesem Passahmahl eröffnete Jesus seinen Jüngern, dass er sehr bald sterben wird. Er brach das Brot und sagte: „Nehmt und esst, denn das ist mein Leib“ (Matthäus 26,26). Das musste für die Jünger schon sehr seltsam gewesen sein.

Jesus setzte aber noch einen drauf: Zum Passahmahl gehört traditionell ein leerer Becher, der erst vom Messias gefüllt werden sollte. Am Abend dieses Passahmahls mit seinen Jüngern nahm Jesus den Becher, füllte ihn und reichte ihn seinen Jüngern, damit sie daraus trinken. Jesus forderte seine Jünger auf: „Jeder von euch soll davon trinken, denn das ist mein Blut, das den Bund zwischen Gott und den Menschen besiegelt. Es wird vergossen, um die Sünden vieler Menschen zu vergeben“ (Matthäus 26,27-28).

Das Passahmahl erinnert an die Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten. Durch das Abendmahl führt Jesus uns vor Augen, dass er uns aus der Sklaverei durch die Sünde und vom Tod befreit hat.

3. Im Garten Gethsemane

Das dritte große Ereignis dessen wir am Gründonnerstag gedenken, ist, was sich im Garten Gethsemane zugetragen hat. Hierhin zog sich Jesus mit drei seiner Jünger nach dem Essen zurück. Jesus wusste, was in den nächsten Stunden auf ihn zukommen würde, und ihn packte die Todesangst. Er bat Simon Petrus, Jakobus und Johannes, seine drei engsten Jünger, ihm in dieser schweren Nacht beizustehen: „Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir“ (Matthäus 26,38). Die Jünger aber schliefen immer wieder ein, während Jesus im Gebet mit Gott ringt.

Wenig später wurde Jesus von einem seiner Zwölf verraten, von Judas Iskariot. Dieser kam „inmitten einer mit Schwertern und Knüppeln bewaffneten Menge auf ihn zu“ (Matthäus 26,47) und übergab Jesus an seine Gegner. Jesus wurde abgeführt, um vom Hohen Rat am darauffolgenden Tag verhört zu werden.

Was feiern wir?

Die Ereignisse vor Karfreitag endeten mit dem Verrat und der Verhaftung Jesu. Kein Grund zum Feiern, oder? Daher stellt sich die Frage: Was feiern wir denn am Gründonnerstag? Was macht die Ereignisse, an die wir an Gründonnerstag feierlich gedenken, so bedeutsam?

Die Fußwaschung, das letzte Passahmahl und die letzten Stunden im Garten Gethsemane nehmen bereits all das symbolisch vorweg, was Jesus am Karfreitag und Ostersonntag tatsächlich erfüllt. Wir feiern am Gründonnerstag Jesu Nächstenliebe und dass er möchte, dass wir zu ihm gehören. Jesus ist sich nicht zu fein seinen Freunden und Nachfolgern auf Knien zu dienen. Das hat er seinen Jünger durch die Fußwaschung bewiesen.

Mit dem letzten Passahmahl weist Jesus symbolisch auf seinen Tod hin. Mit seinem tatsächlichen Sterben schließt er einen neuen Bund zwischen Gott und den Menschen.

Was im Garten Gethsemane passiert ist, fehlt jegliche Heiterkeit oder festliche Stimmung. Aber hier hat sich gezeigt, dass Jesus tatsächlich Mensch war, wie sehr er gelitten hat und dass er trotzdem im Stande war zu beten: „...ich will deinen Willen tun, nicht meinen“ (Matthäus 26,39).

Wir feiern am Gründonnerstag also Jesus dafür, dass er sich zu uns herabbeugt, sich in Nächstenliebe um uns kümmert und möchte, dass wir Teil von ihm sind.

Wir feiern den neuen Bund, den Jesus durch das Abendmahl angekündigt hat. Und wir feiern, dass Jesus sich auch trotz überwältigender Angst und unter größtem Leid nicht von seinem Ziel abbringen ließ. Deshalb haben wir die Möglichkeit auf ein Leben mit Gott und die Ewigkeit mit ihm.

Warum heißt es ‚Gründonnerstag‘?

Über die Namensgebung des Gründonnerstags gibt es keine eindeutigen Informationen. Es gibt allerdings vier Theorien, die mögliche Erklärungen dafür sind.

Der Ursprung des Begriffs ‚Gründonnerstag‘ könnte auf die mittelhochdeutschen Wörter ‚gronan‘ oder ‚grînan‘ zurückgehen. Sie bedeuten ‚weinen, wehklagen‘ und beziehen sich wahrscheinlich auf das Leid, das Jesus im Garten Gethsemane erlebt hat.

Eine alternative Herleitung ist die wörtliche Übersetzung des lateinischen Ausdrucks ‚dies viridium‘ als ‚Tag der Grünen‘. An diesem Tag, dem sogenannten Antlasstag, wurden den Büßern damals ihre Sünden vergeben und sie wurden wieder zu lebendigem, ‚grünem‘ Holz (vgl. Lukas 23,31).

Eine weitere Möglichkeit ist, dass der Tag tatsächlich etwas mit der Farbe Grün zu tun hat. Am Gründonnerstag wurden vor dem 16. Jahrhundert grüne liturgische Gewänder getragen. Die grünen Gewänder waren Symbole der Hoffnung und des wiedererwachenden Lebens.

Manche Menschen essen am Gründonnerstag grünes Gemüse und Kräuter, die Gesundheit und Kraft für das ganze Jahr verleihen sollen. Dieser Brauch reicht mindestens bis ins 14. Jahrhundert zurück. Auch das könnte Grund für den Namen ‚Gründonnerstag‘ sein.

Der Gründonnerstag – ein bedeutungsschwerer Feiertag

Ich weiß nicht, wie intensiv du dich bisher mit dem Gründonnerstag auseinandergesetzt hast. Mir jedenfalls ist in der Recherche nicht nur ein Licht aufgegangen. Der Gründonnerstag wir mir ab jetzt nicht mehr zuletzt einfallen, wenn ich an Ostern denke.

Hat sich auch deine Sicht auf den Gründonnerstag geändert? Hast du etwas Neues gelernt und gibt es vielleicht noch weitere Aspekte, die den Gründonnerstag für dich besonders machen? Schreib uns gern in den Kommentaren!

 Maria Dietz

Maria Dietz

  |  Redakions-Volontärin

Ihr Kommentar

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Kommentare (3)

Hanfried V. /

Herzlichen Dank Euch für die bereichernde Erklärung. Bei uns in der Kirche wird immer nur auf die Tage ab Karfreitag eingegangen. Ich werde es mal ansprechen in der Gemeinde.

E Weber /

Danke für die ausführlichen Gedanken. Ich habe mich tatsächlich schon manchmal gefragt, wo der Name herkommt. Die Ausführung vom Wortsinn "weinen, klagen " ist mir verständlich . Auch die mehr

Michael M. /

Danke für das Erinnern an Dinge, die ich zwar wusste, die aber etwas in den Hintergrund gerieten. Ich möchte den Tag nutzen auch andere auf die Bedeutung des Gründonnerstags hinzuweisen. Es war und ist nötig.

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