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© C. Meier / ERF

06.05.2022 / Zum Schwerpunktthema / Lesezeit: ~ 3 min

Autor/-in: Franziska Decker

Raus aus dem Zwiebellook

Franziska Decker hat erlebt: Eine ganz besondere Beziehung macht frei und füllt das Leben mit Farbe.

Ich koche gerne und weine dabei häufig. Denn ich verwende gerne Zwiebeln. Neben dem pikanten Geschmack, den sie meinem Essen geben, sagen sie auch etwas über meine Identität aus. Denn mein Geworden-Sein ist, ähnlich einer Zwiebel, von unterschiedlichen Schichten umhüllt. Die sind in den ersten Jahren meines Lebens gewachsen. Durch das soziale Umfeld, in dem ich aufgewachsen bin und die Schlüsse, die ich daraus für mein Leben abgeleitet habe. In den letzten Jahren habe ich mich neu auf die Suche nach dem gemacht, was mich wirklich ausmacht.

Jenseits von Eden

Doch wo fange ich an? Am besten bei einer festen Überzeugung, die ich aus meinem christlichen Glauben gewinne: Ich glaube, dass ich als Mensch von Gott geschaffen und gewollt bin. Das allein gibt mir meinen unverrückbaren Wert. Ich bin sein Ebenbild und die Begegnung mit ihm prägt mich auf gute Weise. Theoretisch. Denn seit dem sogenannten Sündenfall, der die Beziehung zu Gott zerstört hat, bin ich, wie jeder Mensch, anderen „Gegenübern“ ausgesetzt.

Bei mir waren das vor allem meine Eltern. In meiner Herkunftsfamilie habe ich meine Denk- und Verhaltensmuster trainiert. Hier habe ich mein Selbstbild entwickelt sowie meine Art zu denken, zu fühlen, zu lieben und zu glauben. 

Gott verwackelt

Damit hat sich der Orientierungspunkt meiner Identität empfindlich negativ verschoben. Nicht, weil meine Eltern unfähige Menschen gewesen wären. Im Gegenteil: Ich bin dankbar für all das Gute, durch das sie mich im Rahmen ihrer Möglichkeiten geprägt haben. Ihnen war es aber nicht möglich, ein so gutes Gegenüber für mich zu sein, wie Gott es ist. Ebenso wenig, wie es ihren Eltern möglich war. Diese Verschiebung lässt sich zurückverfolgen bis Adam und Eva.

So habe ich gelernt, dass ich dann meinen Platz habe, wenn ich funktioniere. Wenn ich die Erwartungen anderer erfülle. Also habe ich mich angestrengt. Gefühlt war es aber nie genug. Diese und andere meiner Grundüberzeugungen haben mein Selbstbild negativ beeinflusst und mich zu weiteren Anstrengungen angetrieben. Bis meine Kompensationsmechanismen nicht mehr gegriffen haben. 

Bei mir war das eine schwere Krise als Jugendliche mit der bohrenden Frage, wer oder was mir meinen Wert gibt. Meine Leistung stand bei den Antworten weit oben. Sie ist grundsätzlich eine hilfreiche Ressource, aber eine fragile, die jederzeit wegbrechen kann. Das habe ich während einer späteren Krankheitszeit buchstäblich schmerzlich erlebt: Ich war nicht mehr so leistungsfähig wie früher. In dieser Zeit hat mich Gott neu auf die Spur gebracht, was meinen Wert ausmacht. Im Bild der Zwiebel gesprochen, hat er begonnen, erste Schichten abzutragen, die sich auf meine Identität gelegt hatten. Das tat weh und hat mich manche Träne gekostet.

Aufgeblüht

Eine Schicht war mein Gottesbild. Durch meine Brille betrachtet, war Gott ein strenger Herrscher. Einer, dem alles, was ich gerne habe, missfällt. Meine Liebe zu kräftigen Farben beispielsweise. Mein Gott liebte wohl Einheitsbrei und Grautöne.

Bis er mich eines Tages mit seiner Wahrheit konfrontierte. Es war während einer Wanderung im Mai. Mit einem Mal wurden mir die unzähligen Grüntöne der Natur bewusst! Dazu Büsche und Blumen in unterschiedlichen Formen und Farben. Da habe ich etwas Wesentliches begriffen: Gott liebt Farben und liebt die Vielfalt.

Das bedeutete für mich die Freiheit, mein Leben farbenfroh zu gestalten. Kein Reinzwängen mehr in eine fromme Schablone, um einen strengen Gott günstig zu stimmen. Seither sind mein Herz und mein Denken durchlässiger geworden für seine Wahrheiten. Über ihn und über mich. Das löste weitere Schichten rund um meine Identität.

Schicht(-en)wechsel

Bis heute nehme ich Züge in meinem Charakter wahr, die nicht meiner Grundüberzeugung entsprechen, dass ich im tiefsten Kern genüge. Oder ich begegne den Ansprüchen anderer und wie sie mich gerne hätten. Dann setze ich mich bewusst Gottes Gegenwart aus und lasse seine Sicht auf mich meine Identität bestimmen. Ich lasse ihn an die nächste Schicht ran.

Auf diesem Weg habe ich gelernt: Je mehr ich verstehe, wer Gott ist, desto mehr begreife ich auch, wer ich bin – und wer ich nicht bin. Auch nicht sein muss. Meine Identität und meine Beziehung zu Gott sind untrennbar miteinander verbunden. Ich kann nur in dem Maße ich sein, wie ich mich von ihm als Gegenüber prägen lasse. Diesen Weg will ich weitergehen.

 Franziska Decker

Franziska Decker

  |  Coach Evangelisation & Follow-Up

Sie begleitet Kursteilnehmer/-innen und ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen in den ERF Workshops und koordiniert das Online-Kursangebot.

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