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© Priscilla du Preez / unsplash.com

30.12.2021 / Theologie / Lesezeit: ~ 2 min

Autor: Oliver Jeske

Mein Bibelbuch (36)

Ein persönlicher Blick in die Heilige Schrift: Oliver Jeske über das Buch Hiob.

 

 

Ich bin ein Denker-Typ. Meine Frau nennt mich liebevoll ihr „Grübelmonster“, wenn ich mal wieder meinen eigenen Gedanken nachhänge und dabei die Umwelt um mich herum vergesse. Ich habe Theologie studiert vielleicht gerade deswegen: Weil ich „die Sache mit Gott“ ganz besonders genau durchdenken möchte. Deshalb ist das Buch Hiob in der Bibel eine Herausforderung für mich – und eine Befreiung! Doch eins nach dem anderen.

Im Buch Hiob spürt der Verfasser der Frage nach: Wie passt unverdientes Leid zusammen mit der Liebe Gottes? Wir hören von Hiob, einem gottesfürchtigen Menschen. Über ihn kommen schlimmste Krankheit, der Tod seiner Angehörigen und schwerer materieller Verlust. Wir hören von drei Freunden. Zunächst tun sie etwas sehr Nachahmenswertes. Sie stehen Hiob bei. Sie weinen und schweigen mit ihm, weil in dieser Situation jedes Wort zu viel wäre. Schließlich – nach einer Woche – fangen sie doch an zu reden. Sie äußern in dieser Situation einiges Bedenkenswerte, aber leider verzapfen sie viel mehr verbalen Mist, der nicht wirklich weiterhilft. Schließlich kommt ein vierter Mann zu Wort, erstaunlicherweise der jüngste. Er kommt in dem ganzen Bericht noch am besten weg.

Trotzdem bleibt die Frage offen: Warum lässt Gott das Leid von Hiob zu? Der zwischenzeitliche Blick in die himmlische Sphäre hilft da nicht wirklich weiter: Hier wird Gott beschrieben als einer, der sich scheinbar von seinem Widersacher zu einer Wette breitschlagen lässt. Der Leidtragende vom Ganzen ist Hiob.

Wie gesagt: Intellektuelle Betrachtungen der vier Freunde von Hiob – so gut sie auch gemeint gewesen sein mögen – helfen da nicht weiter. Erst die Kapitulation Hiobs vor Gott bringt den Durchbruch. Als er bekennt, dass Gottes Gedanken und Pläne für ihn als Menschen einfach nicht zu durchdringen sind, kommt die Wende. Und es kommt zu einer tieferen Erkenntnis Gottes. Hiob kann sogar sagen: „Bisher kannte ich dich nur vom Hörensagen. Doch jetzt hat mein Auge dich wirklich gesehen.“

Und hier kommt auch für mich der Punkt der Befreiung: Ich muss nicht im „Grübelmonster“-Modus bleiben. Ich muss nicht alles verstehen. Ich kann es nicht. Und ich brauche es auch nicht. Weil an die Stelle des Verstehens das Vertrauen treten darf: „Gott, auch wenn ich manche leidvolle Wendung in meinem Leben nicht verstehe. Ich vertraue dir. Du meinst es gut mit mir und mit dieser Welt.“

Diese Erkenntnis verdenke ich dem Buch Hiob.

 

Weitere Informationen zum Thema Bibel finden Sie auch auf unserem Dossier:

 

 Oliver Jeske

Oliver Jeske

  |  Redakteur Aktuelles

Sprachlich Hannoveraner, seit einem Vierteljahrhundert in Berlin zu Hause, liebt er Jesus, Tanzen mit seiner Frau, Nordsee-Spaziergänge mit seinen Söhnen und leckeren Fisch. Von Gott ist er fasziniert, weil der ihn immer wieder überrascht und im wahrsten Sinne des Wortes beGEISTert.

Ihr Kommentar

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Kommentare (1)

Gabi K. /

Danke für die guten Worte.

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