Navigation überspringen
© Priscilla du Preez / unsplash.com

21.12.2021 / Theologie / Lesezeit: ~ 2 min

Autor/-in: Hans Wagner

Mein Bibelbuch (29)

Ein persönlicher Blick in die Heilige Schrift: Hans Wagner über den Galaterbrief.

 

 

Es ist für mich faszinierend, wieviel Persönlichkeit die einzelnen Briefe des Apostels Paulus im Neuen Testament widerspiegeln, auch wenn sie inhaltlich oft in die gleiche Richtung gehen. Während zum Beispiel der Brief an die Gemeinde in Rom eher rational und abgewogen ist, steckt der Brief an die Gemeinden in Galatien voller Emotionen. Es ist der einzige Brief des Apostels Paulus, der zu Beginn ohne einen freundlichen Gruß auskommt. Das zeigt die Verärgerung des Absenders. Was war passiert im damaligen Galatien, der heutigen Region Kleinasiens rund um Ankara?

Die noch jungen christlichen Gemeinden waren, auch durch das Engagement des Paulus, gerade erst entstanden und begannen nun, sich auszubreiten. Plötzlich kam Streit auf. Von außen kamen Menschen dazu, die sagten: „Was Paulus euch erzählt hat, das reicht nicht!“ Und sie fingen an, ihren Forderungskatalog aufzustellen. Christen, die nicht aus dem jüdischen Volk kommen, müssten sich trotzdem neben ihrem Glauben an jüdische Bräuche halten – an das alte Gesetz. Paulus ist entsetzt, ja wütend! Sein Fazit: Wenn wir als Menschen etwas zu unserer Rettung beisteuern müssten, also zu einer wirklichen Beziehung mit Gott und zu einem ewigen Leben, wenn dem so wäre, dann wäre Jesus umsonst gestorben!

Zweitausend Jahre Kirchengeschichte sind schon davon geprägt, von den gleichen Diskussionen mit ihren Forderungen, durch fromme Taten etwas zur eigenen Rettung beisteuern zu müssen. Auch Martin Luther stemmte sich mit Vehemenz gegen diese von Kirchenseite auferlegten Pflichten. Der Galaterbrief bildete in seiner Argumentation einen großen Schwerpunkt.

Aber es hört bis heute nicht auf. Immer wieder gibt es Gruppierungen innerhalb von Kirchen und Gemeinden, die erneut festlegen wollen, was Gott noch von jedem einzelnen Menschen fordert, welche Pflichten noch zu erfüllen sind. Und wir selbst tragen es oft auch noch in uns – auch ich. Müsste ich nicht noch dies? Sollte ich nicht noch das? Paulus schaut im Galaterbrief zurück bis auf die Anfänge der Menschheitsgeschichte und schreibt: „Abraham glaubte Gott und Gott erklärte ihn wegen seines Glaubens für gerecht.“

Für mich ist dieser Brief das Herzstück für einen lebendigen Glauben, der alles von Gott erwartet und gleichzeitig in dem leben will, was dann tatsächlich von Gott kommt. So, wie Paulus diesen Brief auch beendet mit den Worten: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit euch.“

 

Weitere Informationen zum Thema Bibel finden Sie auch auf unserem Dossier:

 

 Hans Wagner

Hans Wagner

  |  Leitung ERF Plus

Alles, was von Gott kommt, ist Liebe, auch wenn es nicht immer so aussieht.“ Diese Überzeugung begleitet den Niederrheiner Theologen schon seit vielen Jahren und spiegelt sich in seinem Gruß „Alles Liebe“ wieder. Gemeinsam mit seiner Frau ist er ein Reisender, liebt gute Rock- und Popmusik und freut sich über jeden Moment, an dem er Live am Mikrofon sein kann.

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Das könnte Sie auch interessieren