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© Priscilla du Preez / unsplash.com

16.12.2021 / Theologie / Lesezeit: ~ 3 min

Autor: Dr. Jörg Dechert

Mein Bibelbuch (27)

Ein persönlicher Blick in die Heilige Schrift: Jörg Dechert über das Buch Jona.

 

 

Ein Mann betet in einem Fisch… was sich anhört wie eine absurde Wette bei der früheren Fernsehshow „Wetten, dass…?“ ist nur einer von mehreren Höhepunkten in einem Buch der Bibel, das so bekannt wie kurz ist: Jona.

Was mich an diesem Buch bewegt, ist aber nicht die Frage, ob ein Mensch wirklich von einem Fisch verschluckt werden und es überleben kann oder nicht, sondern der Unterschied zwischen Gottes Herzen und meinem Herzen.

Aber der Reihe nach.

Jona bekommt als Prophet von Gott den Auftrag: Reise in die ausländische Stadt Ninive und erkläre den Leuten dort, dass ihr Leben Gott stinkt. Die Sünde ist groß, das Maß ist voll, Gott wird mit der Stadt und ihren 120.000 Einwohnern kurzen Prozess machen.

Gott ruft Jona nach Ninive, in Richtung Osten – aber der geht nach Westen. Er kauft ein Ticket und fährt mit dem Schiff los:

„Jona … wollte vor dem HERRN … fliehen… weit weg vom HERRN“.

Jona hätte eigentlich wissen müssen, dass sein Plan nicht funktionieren würde. Man kann vor einem allgegenwärtigen, allmächtigen Gott nicht fliehen. Jona lernt das auf die harte Tour, denn Gott schickt einen Sturm, der das Schiff in große Schwierigkeiten bringt, bis Jona die panischen Seeleute schließlich bittet, ihn über Bord zu werfen, um das Schiff zu retten.

Wie James Bond von einem Geheimdienst-U-Boot wird Jona vom Fisch aus dem Meer gefischt. Und im Fisch betet Jona nun wie ein Weltmeister:

Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst, und er antwortete mir… ich dachte, ich wäre von deinen Augen verstoßen… Aber du hast mein Leben aus dem Verderben geführt, HERR, mein Gott!“

Jona spürt den Herzschlag Gottes: Du siehst mich, du hörst mich, du führst mein Leben aus dem Verderben. Und Jona ist dankbar, dass dieser Herzschlag Gottes ihm gilt, trotz seines Trotzes.

Drei Tage später spuckt der Fisch Jona an Land. Diesmal will Jona alles richtig machen: Er zieht nach Ninive, predigt Feuer und Schwefel – und ein Wunder geschieht: Die ganze Stadt beginnt, nach Gott zu fragen. Vom König bis zum Sklaven bitten sie Gott um Vergebung – den Gott, von dem sie so gut wie keine Ahnung haben.

„Als aber Gott ihr Tun sah, wie sie umkehrten von ihrem bösen Wege, reute ihn das Übel, das er ihnen angekündigt hatte, und tat's nicht.“

Happy End? Nicht für Jona. Absurd, aber wahr: Jona ist sauer auf die Leute von Ninive, die nicht ihre gerechte Strafe bekommen, auf die Jona offenbar gehofft hatte. Und Jona ist sauer auf Gott: Genau deshalb wollte ich den Job nicht machen…

„…denn ich wusste, dass du gnädig, barmherzig, langmütig und von großer Güte bist und lässt dich des Übels gereuen. So nimm nun, HERR, meine Seele von mir; denn ich möchte lieber tot sein als leben.“

Selten wird in der Bibel die Selbstgerechtigkeit eines vermeintlich frommen Herzens so sichtbar wie hier: Gott sendet Jona, um eine gottlose Stadt vor den Konsequenzen ihres Tuns zu warnen, die ganze Stadt besinnt sich – und Jona will lieber sterben, als diesen Sieg der Gnade Gottes länger mit ansehen zu müssen.

Im menschlichen Herzen – auch in meinem eigenen – scheinen alle möglichen Motive zu Hause zu sein, aber nicht unbedingt Barmherzigkeit für Mitmenschen. Was dagegen in Gottes Herzen wohnt, das erklärt er Jona am Ende des Buches nochmal ganz langsam und zum Mitschreiben:

„Sollte mich nicht jammern Ninive, eine so große Stadt, in der mehr als hundertzwanzigtausend Menschen sind, die nicht wissen, was rechts oder links ist?“

Gott sagt: In meinem Herzen wohnt Erbarmen.

 

Weitere Informationen zum Thema Bibel finden Sie auch auf unserem Dossier:

 

 Dr. Jörg Dechert

Dr. Jörg Dechert

  |  Vorstandsvorsitzender ERF Medien
Jahrgang 1971, verheiratet, 2 Kinder, promovierter Physiker. Jesusnachfolger, Medienmensch, Innovationsfan, seit 2014 Vorstandsvorsitzender von ERF Medien. Hat sich intensiv mit den Themenfeldern Medien, Leiten und Veränderung auseinander gesetzt. Mag Musik, Cappuccino und wenn Menschen nicht nur überzeugt sind sondern auch inspirierend.

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