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© Priscilla du Preez / unsplash.com

08.12.2021 / Theologie / Lesezeit: ~ 2 min

Autor/-in: Katrin Faludi

Mein Bibelbuch (22)

Ein persönlicher Blick in die Heilige Schrift: Katrin Faludi über das Buch Joel.

 

 

Haben Sie sich als Kind als auch immer gefreut, wenn Sie am gedeckten Mittagstisch den kleinen Löffel entdeckt haben? Bestimmt. Denn der kleine Löffel verhieß: Es wird Nachtisch geben! Diese Aussicht hat mir damals so manche Mahlzeit erträglicher gemacht – nämlich, wenn es etwas gab, das ich nicht mochte.

Der kleine Löffel wird deshalb auch „der kleine Prophet“ genannt. Und irgendwie passt dieses Bild vom kleinen Löffel auch auf den „kleinen Propheten“ Joel aus dem Alten Testament. Joel ist eines der weniger beachteten Bücher in der Bibel. Es steht im Schatten der mächtigen Bücher Jesaja, Jeremia und Hesekiel, die oft zitiert werden.

Gäbe es eine Hitliste der beliebtesten Bibelverse, würden einige Jesaja-Prophezeiungen, die auf Jesus hinweisen, ziemlich weit oben stehen. Aber Joel? Der würde es wohl kaum in die Top 100 schaffen. Schade eigentlich. Denn der kleine Prophet mit seinen gerade mal 4 Kapiteln verheißt ebenfalls etwas sehr Bedeutungsvolles.

Zunächst ist das schwer zu glauben. In den ersten zwei Kapiteln wälze ich mich erst einmal durch düstere Aussichten. Gottes Gericht wird wie eine Heuschreckenplage hereinbrechen und alles verwüsten, was keine Reue kennt. Mit drastischen Bildern beschreibt Joel, welches Leid die Menschen erwartet. Herzzerreißend ist das. Im wahrsten Sinne: „Zerreißt eure Herzen!“, fordert Gott durch den Propheten Joel. „Kehrt zum Herrn, eurem Gott, zurück, denn er ist gnädig und barmherzig“ (Joel 2,13).

Mit diesem Bild nimmt Joels Prophezeiung plötzlich eine ganz neue Richtung. Und diese Voraussage ist so gewichtig, dass sie viel später von keinem Geringeren als Petrus zitiert wird – und zwar an Pfingsten, an dem Tag, an dem der Heilige Geist über die Nachfolger von Jesus ausgegossen wird.

Petrus sagt: „Was ihr heute Morgen seht, ist vor vielen hundert Jahren von dem Propheten Joel vorausgesagt worden: `In den letzten Tagen, spricht Gott, werde ich meinen Geist über alle Menschen ausgießen. Eure Söhne und Töchter werden weissagen, eure jungen Männer werden Visionen haben und eure alten Männer prophetische Träume. (…) Und jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden´“ (Apostelgeschichte 2,17+21).

Gerne werden die Prophezeiungen betont, in denen es um Jesus, Gottes Sohn, geht. Joel aber sagt das Wirken des Heiligen Geistes voraus, Gottes Kraft, die in uns Menschen wohnen will – und das ist für mich eine der wichtigsten Prophezeiungen in der gesamten Bibel. Etwas, worauf sich jeder Mensch freuen kann und darf!

So ist das bei Joel: Erst kommt das schwer Bekömmliche auf den Tisch, aber der kleine Prophet verheißt auch – etwas Gutes folgt! Mein Sohn freut sich jedenfalls immer, wenn er beim Mittagessen einen kleinen Löffel an seinem Platz vorfindet. Übrigens – auch er heißt Joel.  

 

Weitere Informationen zum Thema Bibel finden Sie auch auf unserem Dossier:

 

 Katrin Faludi

Katrin Faludi

  |  Redakteurin

In Offenbach geboren, mit Berliner Schnauze aufgewachsen. Hat Medienwissenschaft und Amerikanistik studiert, ist danach beim Radio hängengeblieben und beschäftigt sich mit Themen rund um den Glauben. Außerdem schreibt sie Bücher, liebt alles, was mit Sprache(n) und dem Norden zu tun hat und entspannt gerne beim Landkartengucken. Mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern wohnt sie in Bad Vilbel.

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