Navigation überspringen
© Priscilla du Preez / unsplash.com

09.11.2021 / Theologie / Lesezeit: ~ 2 min

Autor/-in: Kai-Uwe Woytschak

Mein Bibelbuch (5)

Ein persönlicher Blick in die Heilige Schrift: Kai-Uwe Woytschak über das Buch Rut.

 

 

Sie hat – wenn man es so ausdrücken möchte – „Karriere“ gemacht. Denn ein ganzes biblisches Buch ist nach ihr benannt. Sie heißt Rut und stammt aus Moab, einem kleinen Reich östlich des Toten Meeres. Nach dem Tod ihres Ehemannes lässt sie sich in Israel nieder, dem Heimatland ihrer Schwiegermutter Noomi, die dorthin zurückkehren will. Der Neuanfang in Israel ist jedoch für die beiden Frauen alles andere als einfach. Um zu überleben, sammelt Rut auf einem Feld Getreideähren auf, die bei der Ernte zurückgeblieben sind. Das Feld gehört Boas, einem Verwandten ihrer Schwiegermutter Noomi, und er findet Gefallen an der jungen Moabiterin.

Ansonsten war das Verhältnis der Israeliten zu den Moabitern eher zwiespältig. Einerseits waren beide Völker weitläufig miteinander verwandt. Denn Moab war ein Sohn Lots gewesen und Lot ein Neffe Abrahams. Doch andererseits betrachtete man die Moabiter als Heiden. Umso erstaunlicher ist es, wie sich die junge Moabiterin Rut in das Volk Israel integriert und dabei auch den Gott Israels kennenlernt. Boas, der später ihr Ehemann wird, drückt es so aus: „Zu dem Gott Israels bist du gekommen, dass du unter seinen Flügeln Zuflucht hättest“ (Rut 2,12).

Bevor Boas seine geliebte Rut zu sich holen kann, muss er allerdings noch für klare Verhältnisse sorgen. Denn außer Boas gibt es noch einen anderen, einen engeren Verwandten, der das Recht und die Pflicht hätte, für Rut zu sorgen und sie zu heiraten und damit an die Stelle ihres verstorbenen Ehemannes zu treten. Und jetzt wird es für Christen außerordentlich interessant! Denn im alttestamentlichen Buch Rut wird uns ein zentraler theologischer Begriff aus dem Neuen Testament in seiner ursprünglichen Bedeutung vor Augen geführt. Es geht um den Begriff „Erlösung“.

Christen bezeichnen Jesus Christus als ihren Erlöser, weil er ihre Sünden auf sich genommen hat und für sie am Kreuz gestorben ist. „Erlösung“ gab es aber auch schon im alten Israel in einem ganz weltlichen Sinne. Wenn sich zum Beispiel jemand verschuldete, war ein Blutverwandter dazu verpflichtet, diese Person durch die Zahlung einer „Löse-summe“ zu „er-lösen“, also freizukaufen. Aus diesem Grund war ein „Löser“, wie man diesen Helfer in der Not bezeichnete, jemand, auf dem man sein Vertrauen und seine ganze Hoffnung setzen konnte.

Im Fall von Rut und Noomi ist nicht Boas, sondern jener andere Mann der rechtmäßige Löser, weil er mit den beiden enger verwandt ist. Doch er verzichtet darauf, Rut zu heiraten und so übernimmt Boas das Amt des Lösers und kann Rut zur Frau nehmen. Wie Boas sich Rut gegenüber verhält, hilft mir zu verstehen, wie Erlösung im neutestamentlichen Sinne durch Jesus Christus geschieht. Auf ihn kann ich mein Vertrauen und meine ganze Hoffnung setzen. Und im Notfall springt er für mich in die Bresche. Er bezahlt an meiner statt für die Sünde, die mich sonst von Gott trennen würde.

 

Weitere Informationen zum Thema Bibel finden Sie auch auf unserem Dossier:

 

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Das könnte Sie auch interessieren