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© Indonesia Bertauhid / unsplash.com

18.12.2021 / Kommentar / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Roland Denner

Weihnachten – (k)ein Thema im Islam?

Weihnachten – Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Islam und Christentum.


Neulich sagte ein muslimischer Mann zu einer Bekannten: „Ich liebe Jesus mehr als meine Mutter“. Diese Aussage mag überraschen, vor allem, wenn man weiß, wie sehr muslimische Männer in der Regel ihre Mütter verehren.

Aber dieser Mann ist kein Einzelfall! Viele Muslime schätzen und respektieren Jesus. Der Koran spricht in 15 Suren (Kapiteln) und insgesamt 93 Versen von ihm.

Jesus wird im Koran als sündlos bezeichnet. Auch nach islamischem Verständnis ist er von einer Jungfrau geboren, hat Wunder getan und in großer Autorität Gottes Wort gelehrt. Er wird im Koran als „Messias“ und als „Wort Gottes“ bezeichnet.
 

Nicht der Sohn Gottes

Allerdings lehnt die islamische Theologie strikt ab, dass Jesus Gottes Sohn und er am Kreuz gestorben und wieder auferstanden sei.

Nach muslimischem Verständnis ist es undenkbar, dass sich Gott in Christus offenbart, sich erniedrigt, Mensch wird und die Sünde der Welt trägt. Dass ein von Gott Gesandter am Kreuz sein Leben für die Schuld der Menschen geben könnte, ist völlig inakzeptabel.
 

Der Engel bei Maria

Dennoch ist die Geburt und Kindheit Jesu ein Thema im Islam. Besonders die Suren 3 und 19 sprechen darüber. Der Engel Gabriel soll Maria (Maryam) angekündigt haben, dass sie einen Jungen zur Welt bringen wird.

Maria antwortet laut Sure 19,20: Wie soll mir ein Junge gegeben werden?, da sie doch Jungfrau und keineswegs eine unmoralische Frau sei. Worauf der Engel sagt: „Dein Herr sagt: ‚Das ist mir ein leichtes, und damit machen wir ihn zu einem Zeichen für die Menschen und zu einer Barmherzigkeit von uns machen.“
 

Kind einer Jungfrau

Das bedeutet, dass Jesus als einziger Prophet in der islamischen Theologie nicht nur Zeichen vollbringt, sondern selbst ein Zeichen ist! Und Jesus wird sogar eine globale Bedeutung beigemessen als ein Zeichen für die gesamte Menschheit.

Er ist der einzige Mensch außer Adam und Eva, der keinen menschlichen Vater hat. Das können gute Anknüpfungspunkte für ein Gespräch zwischen Muslimen und Christen sein.
 

Unterschiede zwischen Koran und Bibel

Das islamische Verständnis ist allerdings an vielen Stellen konträr zu dem der Bibel. So wird Maria mit Miriam, der Schwester Aarons (und damit auch Moses) identifiziert, obwohl sie weit über 1.000 Jahre nach Miriam lebte. Bei der Geburt ist Maria laut Koran allein an einem fernen Ort und entbindet unter einer Palme.

Marias Verlobter und späterer Ehemann Josef wird im Koran nicht erwähnt. Auffällig sind auch wundersame Erzählungen, die über den biblischen Bericht hinausgehen. So spricht Jesus als Baby zu den Menschen.
 

Einladung im Advent

Weihnachten kann Christen eine wunderbare Gelegenheit bieten, muslimische Menschen einzuladen und ihnen Gastfreundschaft zu erweisen. Es wird Muslime berühren, wenn Christen sie an ihrer Freude über die Geburt Jesu teilhaben lassen.

Für Muslime ist es in keiner Weise anstößig, wenn Christen ihnen von Jesus und seiner Geburt erzählen oder sie ihnen im Film zeigen (z.B. im „Jesus Film“ von Campus für Christus).
 

Fragen zum Gespräch

Da Muslime Jesus sehr achten, können Christen ihnen Fragen stellen, die zum Nachdenken anregen: Warum hat Jesus keinen Vater, wo wir doch von anderen Propheten den Vater kennen? Wie konnte Jesus sündlos leben? Wie konnte er in göttlicher Autorität handeln?

Er heilte Kranke, befreite Besessene, vergab Sünde, erweckte Tote zum Leben, gebot einem Sturm, der sofort aufhörte. Was hat das zu bedeuten? Warum wird Jesus im Koran als „Messias“ und als „Wort Gottes“ bezeichnet und was bedeuten diese Begriffe?

Es kann hilfreich sein, vertrautes muslimisches Denken herauszufordern, ohne dadurch den Gesprächspartner zu bedrängen.
 

Immanuel – Gott zeigt sich als Mensch

Muslime sagen, Gott kann nicht Mensch werden, er kann nicht als hilfsbedürftiges Baby geboren werden, und er kann nicht am Kreuz sterben. Es ist undenkbar, dass Gott sich demütigen und verachten lässt. Aber stehen muslimische Menschen damit nicht selbst in der Gefahr, Gott klein zu machen? Kann Gott nicht tun, was er will?

Christen können ihre muslimischen Freunde liebevoll darauf hinweisen, dass es nicht darauf ankommt, wie wir uns Gott vorstellen. Es geht darum, dass wir wahrnehmen, wie Gott handelt, und uns dann fragen, was das bedeutet.

Die Ereignisse an Weihnachten demonstrieren eindrücklich, dass Jesus nicht nur ein von Gott gesandter Mensch ist, sondern der von einer Jungfrau geborene Emmanuel – „Gott mit uns“!
 

Roland Denner ist internationaler Leiter der Organisation Reach Across. Diese sieht ihren Auftrag nach eigenen Worten darin, „Muslimen zu dienen, damit sie Gottes Liebe erfahren. Dazu bauen wir Brücken der Verständigung, damit Misstrauen und Angst zwischen Christen und Muslimen schwinden.“ Der Artikel „Weihnachten – (k)ein Thema im Islam“ wurde erstmalig im Magazin Reach Across Aktuell veröffentlicht. Wir danken Reach Across für die freundliche Genehmigung den Artikel zu verwenden!

Ihr Kommentar

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Kommentare (2)

Marianne H. /

Um mit Muslimen ins Gespräch zu kommen, muss ich vorher wissen, warum im Koran so viel von Maria und Jesus geschrieben steht. Um das herauszufinden, ist das Buch von Marc. A. Gabriel lesenswert: mehr

Elisabeth R. /

Warum werden dann Muslime verdammt und aus der Familie ausgeschlossen, wenn sie sich zu Jesus bekennen. Wir sind in ihren Augen die Ungläubigen.

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