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© Brandon Morales / Unsplash.com

24.08.2022 / ERF Global Hope / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Sonja Kilian

Solange wir leben

Ukrainische Medienmitarbeiter blicken zurück auf mehr als ein halbes Jahr Krieg.


Am 24. August war der Nationalfeiertag der Ukraine. Vor 31 Jahren wurde das Land unabhängig von der Sowjetunion. Der Tag wurde in der Vergangenheit mit großer Freude gefeiert. Doch diesmal lag ein dunkler Schatten über dem 24. August: Die Ukraine leidet – auf den Tag genau – schon ein halbes Jahr lang unter dem Krieg durch Russland. Die Mitarbeiter des ukrainischen ERF Medienpartners blicken zurück.

Trotz andauernder Bombenangriffe, auch in ihrer unmittelbaren Umgebung, sind die Mitarbeiter der Medienmission TWR Ukraine täglich im Studio und produzieren neue Radioprogramme. Sie sagen:

Unser Ziel ist es, solange wir leben, den Menschen die Botschaft von Jesus nahezubringen. – Mitarbeiter TWR Ukraine

 

Ein starker Satz, der Mut erfordert. Denn täglich ist das Team mit Tod und Gefahren konfrontiert. Das Studio liegt schließlich in Kiew, der Hauptstadt des Landes und dem wichtigsten Verkehrsknotenpunkt.

Die Lage ist dort sehr angespannt. Viele Wohnungen stehen inzwischen leer. Wer konnte, ist geflüchtet; denn auch zivile Einrichtungen sind vor russischen Angriffen nicht sicher. Seit einem halben Jahr leben die Medienschaffenden von TWR Ukraine mit schlechten Nachrichten, Angst und Unsicherheit. Aus Kiew kam jetzt die Meldung, dass bereits fast 9.000 ukrainische Soldaten seit Beginn der russischen Invasion getötet wurden.

 

Nichts ist mehr, wie es einmal war

Für das TWR Team hat sich durch den Krieg alles geändert: Themen, Formate und Programmdauer. Es wird mehr Aktuelles gefordert anstelle von vorproduziertem Material. Auch gibt es nun spezielle Traumasendungen, außerdem zusätzlich Videos in den sozialen Medien und vieles mehr.

Auch praktische, soziale Aktionen sind zur eigentlichen Arbeit dazugekommen: Das Team gestaltet Gottesdienste, hilft Flüchtlingen und führt Seelsorgegespräche mit Menschen, die durch den Krieg Gewalt erlebt haben. Das hat sich nach und nach so ergeben.

Einer der Mitarbeiter erzählt: „Anfangs war kaum jemand von uns in der Lage, irgendwelche Programme zu gestalten. Wir waren wie gelähmt. Bald haben wir aber beschlossen, dass die Ukrainer in ihrer dunkelsten Stunde das Wort der Hoffnung brauchen. Wir haben dann angefangen mit Diktiergeräten bzw. Smartphones und einem improvisierten Studio Programme aufzunehmen.

Wir wollen den Glauben der Menschen stärken und denjenigen die Gute Nachricht weitergeben, die noch nie von der Rettung durch Jesus Christus gehört haben. Mitten im Geheule der Sirenen schreibe ich Skripte für Radioprogramme.“

Mitten im Geheule der Sirenen schreibe ich Skripte für Radioprogramme. – Mitarbeiter TWR Ukraine

 

Ein halbes Jahr Ausnahmezustand

Um überhaupt etwas produzieren zu können, haben die Mitarbeiter per Smartphone Aufnahmen gemacht und sogar ein Mini-Studio in einer Kirche eingerichtet. In Kiew, wo sich das Studio befindet, konnten sie sich aus Sicherheitsgründen zunächst gar nicht aufhalten.

Glücklicherweise ist es ihnen aber später gelungen, von dort Material zu holen – zum Beispiel ein hochwertiges Mikrofon. Das ganze Team arbeitet jetzt schon 6 Monate lang im Ausnahmemodus – nicht nur vor Ort, sondern zum Teil auch weit weg von der Heimat.

Da ist zum Beispiel Anja, die Koordinatorin der Sendereihe „TWR Women of Hope“. Sie ist mit ihrer Tochter für einige Zeit nach Deutschland geflüchtet. Ihren Mann musste sie zurücklassen; auch ihren Bruder, der Arzt ist, und ihren Vater, der als Panzerfahrer arbeitet.

Das war für ihre kleine Tochter sehr schwer und für Anja als Mutter genauso. Trotzdem hat sie in Deutschland per Smartphone aktuelle ukrainische Radiosendungen aufgenommen, weil sie für ihre Landsleute da sein wollte.

Interessanterweise nutzen mittlerweile viel mehr Ukrainerinnen und Ukrainer als früher die christlichen Medienangebote. Ermutigende Briefe wie diese zeigen dem TWR Team, wie groß das Interesse ist:

In diesen dunklen Zeiten sind Ihre Predigten für mich wie frische Luft, die ich tief einatme. Ich kann eure Liebe und Ehrlichkeit deutlich spüren. Mein geliebter Ehemann, der Vater unserer zwei Kinder, ist jetzt auf dem Weg an die Front. Alles ist in Gottes Hand. Bitte sagen Sie mir, was ich für meinen Mann geistlich tun kann? Wie soll ich beten? Wie kann ich ihn segnen und beschützen?  – Zuhörerin aus der Ukraine

 

Vor dem Krieg wusste ich gar nichts von euren Medienangeboten. Ich danke Gott für die Möglichkeit, eure Programme zu hören! – Zuhörer aus der Ukraine

 

Eure Videos kommen immer gerade zur rechten Zeit. Wir Ukrainer brauchen sie dringend! – Zuhörer aus der Ukraine

 

Licht im Dunkeln

Mitten in traumatischen Erlebnissen geschehen immer wieder kleine Wunder. Alex, der Leiter der ukrainischen TWR Medienarbeit, sagt, dass er immer wieder Gebetserhörungen erlebt. Das motiviert ihn, weiterzumachen mit der Medienarbeit und weiter für sein Land zu beten.

Er hat zum Beispiel für Soldaten gebetet, mit denen er in Kontakt steht. Und diese Soldaten sind wie durch ein Wunder bewahrt geblieben. Diese Männer geben ihm außerdem positive Rückmeldung zu den Videos, die er produziert. „Alle von unserem Team leben noch“, fügt Alex hinzu. Auch das ist keine Selbstverständlichkeit und für ihn ein Grund, Gott immer wieder zu danken.

Auch nach Deutschland geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer können die Medienangebote von TWR nutzen. Über das Internet sind viele Programme verfügbar. Die Sendungen sind zur Traumabewältigung, zum Trost und zur Ermutigung im Glauben gedacht.

Wer in Deutschland Geflüchtete aus der Ukraine kennt, kann sich Karten in ukrainischer Sprache zum Weitergeben per Mail bestellen oder das Angebot direkt auf www.erf.de/ukrainisch nutzen. Mittlerweile sind auch die Texte auf der Seite zweisprachig, was die Navigation für ukrainischsprachige Geflüchtete vereinfacht.

 Sonja Kilian

Sonja Kilian

  |  Koordinatorin / Redakteurin International

Mitarbeiterin bei ERF Global Hope für „TWR Women of Hope“. Die Autorin ist auch Ehefrau und Mutter von zwei Töchtern.

Ihr Kommentar

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Kommentare (2)

Ute L. /

Ich danke Gott dem Herrn für TWR Ukraine. Welch eine Freude in dieser schlimmen Zeit, dass in all dem Leid und der Hoffnungslosigkeit Menschen in der Ukraine zu Gott finden. Der, der Bewahrung , mehr

Eveline S. /

Vielen Dank für diese Information erster Hand. So kann ich gezielt für die Medienarbeit und die Ukraine beten.

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