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© Tatiana Zanon / Unsplash.com

10.07.2021 / ERF Global Hope / Lesezeit: ~ 6 min

Autor: Ingrid Will

Radio im Dschungel

Vor 60 Jahren reist ein Ehepaar zum Volk der Wayana. Nun erzählt der Stamm selbst von Jesus weiter.

 

„Er ist kein Narr, der weggibt, was er nicht behalten kann, um zu gewinnen, was er nicht verlieren kann.“ Diesen Satz schrieb der bekannte amerikanische Missionar Jim Elliot nur wenige Tage vor seinem gewaltsamen Tod. 1956 wurde Elliot – zusammen mit vier weiteren Missionaren – in Ecuador vom Stamm der Huaorani getötet. Aus menschlicher Sicht war dies eine Tragödie. Doch Gott gebrauchte sie, um zum einen viele aus dem ecuadorianischen Volk der Quechua zu sich zu führen und zum anderen die evangelikale Jugend der USA Ende der 50er Jahre für Mission zu begeistern.

 

Ein Zeitungsartikel gibt den entscheidenden Impuls

Ein Mann, dessen Leben dieses Ereignis grundlegend beeinflusste, war Ivan Schoen. Der junge Zimmermann aus Florida war zutiefst berührt, als er in der New York Times den Bericht über die Ermordung der fünf Missionare las. Noch am selben Tag entschloss er sich, auch in den südamerikanischen Regenwald zu ziehen, um dort Menschen von Jesus zu erzählen. Seine Ehefrau Doris unterstütze sein Vorhaben. Fünf Jahre lang bereiteten die beiden sich auf den Missionsdienst vor. Sie absolvierten ein Bibelstudium sowie eine (zahn-)medizinische Grundausbildung und fanden Unterstützer.

1961 war es endlich soweit! Das Ehepaar Schoen brach zusammen mit seinen drei Kindern nach Suriname auf. Das kleine, tropische Land grenzt im Norden an den Atlantischen Ozean und im Süden an Brasilien. Es hat heute circa eine halbe Million Einwohner. Familie Schoen zog weit ins Innere des Landes zum indigenen Stamm der Wayana. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Wayana noch nie etwas von Jesus gehört.

 

Ein ganzer Stamm findet zu Jesus

Schoens bauten Vertrauen zu den Einheimischen auf, indem sie unter ihnen lebten, mit ihnen Landwirtschaft betrieben, fischten, jagten und ihre Krankheiten behandelten. Nach und nach erlernten sie die Stammessprache, brachten diese in Schriftform und lehrten den Indigenen das Lesen und Schreiben. Die Wayana lernten schnell, einige von ihnen konnten bereits ein Jahr nach Entwicklung der Schriftform lesen und schreiben. Heute ist die Volksgruppe fast zu 100 Prozent alphabetisiert. In den 70er Jahren übersetzen Ivan und Doris das Neue Testament in die Wayana-Sprache. Damit wurden die biblischen Geschichten für das Volk lebendig und lebensnah. Nach und nach begannen sie Jesus persönlich kennenzulernen und ihm nachzufolgen.

Zwei Wayana-Männer
Zwei Wayana -Männer (Bild: TWR)

Heute wohnen Schoens nicht mehr in Suriname, doch die Wayana sind – zusammen mit dem benachbarten Stamm der Trio – fast alle zu Nachfolgern Christi geworden. Die einheimische Gemeinde ist lebendig und eigenständig und wird von lokalen Pastoren und Ältesten geleitet. Jedes Jahr halten die Wayana und Trio vier Bibelkonferenzen ab. Sie feiern zudem mehrmals pro Woche Gottesdienste und haben über 100 eigene Lobpreislieder geschrieben.

 

Die Wayana wollen das Evangelium nicht für sich behalten

Während ihrer Zeit im surinamischen Regenwald, leiteten die Schoens auch eine Initiative, um eine verlorene Völkergruppe namens Akurio zu finden. Als die Akurio nach zehn Jahren der Suche endlich gefunden wurden, zählten sie nur noch 71 Mitglieder. Die Wayana und Trio nahmen sie herzlich in ihre Gruppen auf. Bis heute erinnern die Wayana und Trio sich daran, wie es war unter ständiger Angst vor bösen Geistern zu leben. Erst durch ihren Glauben an Jesus fanden sie wahre Freiheit und inneren Frieden. Die Suche nach den Akurio zeigte ihnen dabei auch, wie wichtig es ist, diese gute Botschaft auch an andere Stämme weiterzugeben. Seitdem unternehmen sie regelmäßig mehrwöchige Missionsreisen durch schwieriges Terrain, um anderen indigenen Volksgruppen von Jesus zu erzählen.

2021 wurde schließlich auch die Übersetzung des Alten Testaments abgeschlossen. So konnte die gesamte Bibel – 60 Jahre nach der ersten Ankunft der Schoens in Suriname – feierlich dem Wayana-Häuptling überreicht werden. Doris und Ivan waren mit ihren Söhnen und Enkelkindern zur Einweihung per Zoom aus den USA zugeschaltet.

 

Ein Radio-Sendeturm mitten im Dschungel

Wayana mit Kanus
Wayana mit einem Kanu (Bild:  TWR)

Die Stämme der Wayana und Trio sind Bauern, Fischer und Wildjäger. Da ihre Bevölkerung wächst, ziehen immer mehr Mitglieder tiefer in den Dschungel, um neue Nahrungsquellen zu finden. Manche tun dies auch, um sich von äußeren Einflüssen zu distanzieren, die sie unter Modernisierungsdruck setzen. Wenn die Menschen in kleinere Dörfer entlang der Flüsse und Nebenflüsse des Dschungels auswandern, ist dies jedoch eine Herausforderung für die Ältesten der Gemeinde. Sie möchten Kontakt zu ihren Stammesmitgliedern halten, um sie zu ermutigen und geistlich zu begleiten. Doch Reisen entlang der Flüsse sind im Dschungel mühsam, langsam und teuer.

Seit einigen Jahren wächst daher der Wunsch danach, Radio zu benutzen, um die Gläubigen zusammenzuhalten und ihre Gemeinschaft zu stärken. Die Wayana und Trio besitzen bereits Radios, um die säkularen Sendungen aus der Hauptstadt zu hören. Die surinamische Regierung hat im Regenwald sogar Handytürme installiert. Diese Türme umfassen ein digitales Datennetzwerk, über das Audiosignale weit ins Innere des Regenwaldes gesendet werden können.

Familie Schoen gründete in Suriname die Organisation „Triana Development“, die sich für die Rechte und Bedürfnisse der Trio und Wayana einsetzt. Der Vorstand besteht aus Stammesältesten sowie Tom Schoen, dem Sohn von Ivan und Doris. Er wuchs in Suriname auf, spricht die Stammessprachen fließend und genießt das Vertrauen der Ältesten. Fünf Jahre lang beteten die Mitglieder der Organisation für die Möglichkeit, eine Radioarbeit im Dschungel zu starten.

Ihre Gebete wurden schließlich erhört: Die surinamische Regierung bot den Wayana und Trio Platz auf ihren Türmen an, um FM-Sendeantennen aufzustellen. Doch die Kosten dafür überstiegen bei weitem die Mittel der Stammesmitglieder. Daraufhin nahm Triana Development Kontakt mit TWR auf und bat um Hilfe. TWR entschied sich, das Projekt finanziell und technisch zu unterstützen, und schloss einen Partnerschaftsvertrag mit Triana Development. Seit diesem Jahr ist auch der ERF an der Finanzierung des Projekts beteiligt.

 

Mix aus Andachten, lokalen Nachrichten und Bildungsprogrammen für Kinder geplant

Das Fortschreiten des Projekts wurde in den vergangenen Monaten durch die Coronapandemie behindert. Doch mittlerweile hat Triana Development fast die benötigte Geldmenge zusammen, um den Funksender und die benötigte Ausrüstung zu kaufen. Das Team hofft, dass die Radiostation sehr bald an den Start gehen kann. „Wir werden, Predigten, Gottesdienste, Gebete und lokale Nachrichten senden“, berichtet Tom Schoen. „Außerdem möchten wir Bildungsprogrammen für Kinder ausstrahlen, weil viele Dörfer keine Schulen haben.“

Die Radiostation sehen die Wayana nicht nur als Möglichkeit, die verstreuten Stammesmitglieder zu erreichen, sondern auch andere Volksgruppen in dieser abgelegenen Region zu evangelisieren. Steve Shantz, TWR-Vizepräsident für Lateinamerika und die Karibik, ist begeistert von der neuen Partnerschaft: „Wir neigen dazu zu denken, dass die vom Evangelium unerreichten Volksgruppen in der Verantwortung der Christen im Westen liegen“, sagt er. „Aber es hat viel mehr Wirkung, wenn die Ureinwohner selbst das Evangelium zu ihren Nachbarn bringen. Diese Stämme, die früher durch den Dschungel zogen, um gegen ihre Nachbarn Krieg zu führen, suchen jetzt andere auf, um ihnen die gute Nachricht von Jesus zu bringen.“

Es hat viel mehr Wirkung, wenn die Ureinwohner selbst das Evangelium zu ihren Nachbarn bringen. Die Stämme, die früher durch den Dschungel zogen, um gegen ihre Nachbarn Krieg zu führen, suchen jetzt andere auf, um ihnen die gute Nachricht von Jesus zu bringen.

 

Gebetsanliegen

  • Beten Sie, dass die Wayana und Trio bald die restlichen Gelder bekommen, die sie benötigen, um ihre Radiostation zu starten.
  • Beten Sie auch, dass durch die zukünftigen Programme viele Stammesmitglieder und auch andere Völkergruppen im surinamischen Dschungel erreicht werden können.
 Ingrid Will

Ingrid Will

  |  Projektkoordinatorin

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Kommentare

Renate S. /

Vielen Dank für die wunderbare Geschichte der Wayana und Trio!! Ich war selbst 50 Jahre als Missionarin in Süd Brasilien und hatte u.A. Kontakt zu Kaingang und Guarani Indianern die an Jesus glauben und Seine Botschaft weitergeben. Gerne will ich für dieses Projekt beten.

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