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16.02.2023 / Aktuelles / Lesezeit: ~ 4 min

Autor/-in: Katja Völkl

Liebesfalle Internet

Wie Betrüger Geschäfte mit einsamen Herzen machen.

 

 

Das perfide Vorgehen der Betrüger

1. Attraktive Lebensläufe

Um Interesse bei ihren potenziellen Opfern zu wecken, legen sich die Betrüger besondere Lebensläufe zu: Scamm-Männer geben sich z.B. als Ingenieure, Ärzte, Architekten oder U.S. Soldaten aus. Auf gestohlenen Profilbildern ist eine weiße attraktive Person zu sehen. Oft gibt der Love-Scammer vor, in den USA oder im europäischen Ausland zu leben. Scamm-Frauen stellen sich häufig als Ärztinnen, Lehrerinnen oder Geschäftsfrauen dar.
 

2. Scammer machen sich unentbehrlich

Ist erst einmal eine Art Beziehung entstanden, bekommen die Betrogenen jede Menge Aufmerksamkeit, Komplimente und Liebesbekundungen. Auf diese Weise schaffen es sowohl Scam-Männer als auch Scam-Frauen, sich im täglichen Leben ihrer Opfer unverzichtbar zu machen – ohne ein einziges persönliches Treffen. Morgens gibt es die erste romantische Nachricht per Chat, mittags vielleicht schon kurz telefonieren und abends dann ein stundenlanges Gespräch am Telefon.
 

3. Einladung zum persönlichen Treffen

Zu Beginn geht es um Themen wie Beruf, Familie und die gemeinsame Zukunft. Oft berichtet der Love-Scammer von einem verstorbenen Ehepartner. Nach einer Weile geben die Betrüger vor, aus geschäftlichen oder familiären Gründen dringend ins Ausland nach Westafrika reisen zu müssen. Und danach – so versprechen sie – soll es endlich ein persönliches Treffen geben.
 

4. Die Hinhaltetaktik

Kurz vorher werden die persönlichen Treffen abgesagt. Angeblich gibt es Schwierigkeiten, wie ein Auto-Unfall, Probleme mit Kreditkarten oder Diebstahl. Die Betrüger bitten ihre Opfer um Geld, um sie aus ihrer vorgetäuschten Notlage zu befreien. Das Geld soll per Bargeldtransfer, afrikanische Schecks oder Zahlungsaufträge auf dem Konto der Betrüger landen. Denn nur so könne das Treffen auch stattfinden. In all diesen Bettelmails oder Anrufen betonen die Scammer ihre Liebe zueinander und üben damit emotionalen Druck aus.
 

Zahlen bis zum Bankrott und gebrochenem Herzen

Um dem vermeintlichen gemeinsamen Glück nicht im Wege zu stehen, sind viele Betroffene bereit, zu zahlen. Dabei geht es oft nicht nur um hohe Geldsummen, sondern die Täter fordern immer wieder Geld mit den unterschiedlichsten Gründen. Das kann so lange gehen, bis die Opfer bankrott sind.

Das Tragische daran ist: Für die Betroffenen entsteht sowohl ein finanzieller als auch ein schwerer seelischer Schaden. Ihre Einsamkeit wurde ausgenutzt und ihre Liebe, ihr Vertrauen einem vermeintlich realen Menschen gegenüber missbraucht.
 

Was tun, wenn ich betroffen bin?

Holen Sie sich Hilfe! Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Auch, wenn die Strafverfolgung schwierig ist, sollten Sie den Vorfall melden. Vor allem, wenn Banken strafrechtliche Schritte gegen Sie einleiten, weil Sie unwissentlich gefälschte Schecks eingereicht haben sollten. Hier hilft Ihnen die Polizei, Beweise für den Betrug zu sichern.

Beweise sichern: Deshalb sollten Sie selbst alle Mails und Chatverläufe speichern. Z.B. auf einem USB-Stick, einer externen Festplatte oder in einer Cloud. Und heben Sie Überweisungsbelege auf. Auch hierbei kann Ihnen ggf. die Polizei helfen.

Kontakt abbrechen: Überweisen Sie auf keinen Fall (mehr) Geld, lösen Sie keine Schecks ein und leiten Sie keine Päckchen weiter. Wenn möglich, machen Sie geleistete Zahlungen rückgängig. Antworten Sie auf keine weiteren Mails oder Anrufe des Scammers. Falls nötig, legen Sie sich eine neue Telefonnummer und eine neue Mailadresse zu.

Moralische Unterstützung: Teilen Sie sich Freunden und Familie mit. Wenden Sie sich an den Weißen Ring. Hier bekommen Sie persönliche und praktische Hilfe. Sowohl mit juristischer als auch psychologischer Betreuung.
 

Den Betrügern auf die Spur kommen – Love-Scammer erkennen

Im Idealfall erkennen Sie einen Scammer, bevor ein Schaden entsteht. Es gibt einige Merkmale, auf die Sie achten sollten und bei denen Vorsicht geboten ist:

  • Die Kontaktaufnahme der Scammer erfolgt oft über eine knappe Mail in englischer Sprache mit einer Einladung zum Chat. Enthalten die Chatnamen Sonderzeichen bsp. Prozentzeichen, sollten Sie stutzig werden.
  • Die Kommunikation findet zu 95% in gutem Englisch statt. Es gibt jedoch auch Betrüger, die perfekt Deutsch sprechen.
  • Die Bilder der Scamm-Männer zeigen meistens attraktive weiße Männer, häufig in Uniform. Bei Scamm-Frauen sind hübsche, leicht bekleidete Frauen zu sehen.
  • Die Mails der Scammer sind bereits kurz nach dem ersten Kontakt voller schwülstiger Liebesbekundungen und Heiratspläne. Allerdings gehen manche Scammer auch anders vor: Mit seriös wirkenden Mails täuschen sie Interesse vor. Sie wollen alles über ihre Opfer wissen: Familie, ehemalige Partner, Kinder, Hobbys, Beruf – auch der Glaube an Gott spielt immer wieder eine Rolle.
  • Die Verbindungen der Love-Scammer reichen nach Westafrika, Russland und Südostasien. Die Scammer behaupten, dass sie wegen einer Geschäftsreise oder aus familiären Gründen in einem dieser Länder sind.
  • Die Bitten der Love-Scammer um Geld u.ä. basieren auf vielfältigen Gründen: Sie geben vor, im Ausland (meist Afrika) in eine Notlage geraten zu sein, weshalb die Opfer ihnen dort Geld hinschicken sollen. Alternativ werden die Opfer gebeten, Briefe oder Päckchen an dritte Personen zu verschicken. Häufig behaupten die Betrüger auch, dass sie ein gemeinsames Konto eröffnen wollen und benötigen Kopien von Ausweisen. Diese werden allerdings zur Fälschung von Pässen genutzt.
     

Fake Profile entlarven

Schon beim ersten Kontakt können Sie Ihre neue Internetbekanntschaft überprüfen:

  • Geben Sie den Namen der betreffenden Person mit dem Zusatz „Scammer“ ein. Die Suchmaschine kann in vielen Fällen einen Verdacht bestätigen.
  • Falls Sie ein Bild bekommen haben, können Sie mithilfe der umgekehrten Bildersuche zusätzliche Informationen zu dem Bild erhalten.
  • Laden Sie hierzu das Profilbild Ihres Kontakts herunter und speichern die Bilder, die er Ihnen schickt.
  • Gehen Sie auf die Webseite der Google Bildersuche und klicken Sie dort in der Suchleiste auf das Kamerasymbol.
  • Im Fenster, das sich dort öffnet, können Sie die verdächtigen Bilder einzeln hochladen. Google zeigt Ihnen, wo das jeweilige Bild überall verwendet worden ist.
  • Sind die Bilder auch auf vielen anderen Seiten zu finden, z.B. auf anderen Dating Portalen mit unterschiedlichen Profilen und Geschichten, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass es sich um ein gefälschtes Profil handelt.

 

 Katja Völkl

Katja Völkl

  |  Redakteurin und Moderatorin

Die gebürtige Münsteranerin ist für aktuelle Berichterstattung zuständig. Von Hause aus ist sie Lehrerin für Deutsch und Philosophie und Sprecherzieherin. Sie liebt Hunde, geht gerne ins Kino und gestaltet Landschaftsdioramen.

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