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© Jonny Gios / unsplash.com

06.11.2026 / Aktuelles / Lesezeit: ~ 10 min

Autor/-in: Ester Heinzmann

Ist Israel christenfeindlich?

Trotz Übergriffe auf Christen hält das Narrativ jüdischer „Christenfeindlichkeit“ den Fakten nicht stand.

Zerstörung christlicher Artefakte und Übergriffe auf Christen: Herrscht in Israel ein „christenfeindliches Klima“? Viele Gläubige im Ausland sind besorgt. Kirchen und Nichtregierungsorganisationen erheben zum Teil gravierende Vorwürfe: Diskriminierung gehöre für die christliche Minderheit in Israel „zum Alltag“, es drohe ein langsames „Verschwinden“ der christlichen Präsenz im Heiligen Land.

Die Angriffe auf Christen sind in aller Deutlichkeit zu verurteilen. Doch der alleinige Fokus auf sie blendet aus, dass die Realität christlichen Lebens im jüdischen Staat viel komplexer ist. Wer Israel kennt und hier lebt, weiß: Von einer Christenverfolgung kann keine Rede sein. Im Gegenteil: Israel ist das einzige Land im Nahen Osten, in dem Christen westlich-freiheitliche Rechte genießen, zunehmend in einflussreiche Positionen aufsteigen und in dem ihre Zahl stetig wächst.

Übergriffe auf Christen sorgen für Empörung

Es sind schockierende Bilder, die im April 2026 um die Welt gehen: Eine katholische Nonne wird in der Jerusalemer Altstadt von einem jüdischen Mann zu Boden gestoßen und getreten. Ein ihr zu Hilfe eilender Passant wird ebenfalls angegriffen. Die Nonne erleidet Prellungen und einen Schock. Bereits wenige Tage zuvor kursierte in den sozialen Netzwerken ein empörendes Foto: Es zeigte einen im Südlibanon stationierten israelischen Soldaten, der mit einem Vorschlaghammer eine Christus-Statue zertrümmerte.

Israel reagierte umgehend. Der Soldat wurde vom Fronteinsatz abgezogen und zu einer 30-tägigen Militärhaft verurteilt. Die Armeeführung verurteilte den Vorfall aufs Schärfste und ließ das Kruzifix durch ein neues ersetzen.

Der Mann, der die Nonne angegriffen hatte, wurde noch am selben Tag verhaftet. Das Amtsgericht Jerusalem sprach ihn inzwischen von der Anklage wegen Körperverletzung „motiviert durch Feindseligkeit gegenüber einer religiösen Gruppe“ frei. Das Gericht befand ihn für unzurechnungsfähig, da er zum Tatzeitpunkt an einer Psychose gelitten habe. Es ordnete seine Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung für sechs Jahre an.

Israel nimmt christenfeindliche Vorfälle ernst

Bei christenfeindlichen Vorfällen handelt es sich meist um Spuckattacken, bei denen die Täter vor Christen ausspucken. Manchmal werden sie auch direkt angespuckt. Oft sind die Opfer Priester, Nonnen und Mönche, die in der Altstadt von Jerusalem ihren Dienst tun und durch ihre Kleidung eindeutig als Christen zu erkennen sind. Vorfälle wie diese werden von der politischen und religiösen Führung Israels entschieden verurteilt. Auch die Mehrheit der israelischen Öffentlichkeit lehnt ein derartiges Verhalten ab.

Der israelische Staat, dessen Gesellschaft sich aus einem komplexen Mosaik unterschiedlicher ethnischer, religiöser und kultureller Gruppen zusammenfügt, nimmt Hassverbrechen sehr ernst.

Straftaten, denen Rassismus oder Feindschaft gegen eine religiöse Gruppe zugrunde liegen, können mit dem doppelten Strafmaß belegt werden.

Auch das Bespucken oder das Ausspucken vor einer anderen Person oder vor Kirchengebäuden kann als Hassverbrechen eingestuft werden. Doch hier gestaltet sich die Strafverfolgung schwierig: Obwohl die israelische Polizei mit Hilfe von Überwachungskameras oder Handyvideos die Täter meist schnell identifizieren und dingfest machen kann, ist es in vielen Fällen schwer, ihnen ein Motiv oder Absicht nachzuweisen.

Die christliche Minderheit in Israel wächst

Die christenfeindlichen Übergriffe spiegeln nicht den Alltag der meisten Christinnen und Christen in Israel wider. Rund 90 Prozent von ihnen sind noch nie aufgrund ihrer christlichen Identität belästigt worden. Dies besagen Daten des Rossing Centers for Education and Dialogue in Jerusalem, das in Israel eher dem liberal-linken Lager zugeordnet wird und regelmäßig Berichte zu interreligiösen Beziehungen veröffentlicht. Auch Daten des israelischen Statistikamts zeichnen ein anderes Bild. Umfragen von 2021 zufolge sind rund 84 Prozent der christlichen Bevölkerung mit ihrem Leben in Israel zufrieden.

Die demografische Entwicklung ist ebenfalls positiv: Die christliche Bevölkerung ist seit der Staatsgründung 1948 um das Fünffache gewachsen, von damals 36 000 Menschen auf 184 200 heute. Der gesunkene Anteil an der Gesamtbevölkerung (von 4,4 Prozent auf knapp 1,9 Prozent) ist auf das ungleich schnellere Wachstum der jüdischen Bevölkerung zurückzuführen, das insbesondere in der jüdischen Einwanderung begründet ist. Auch die deutlich niedrigere Geburtenrate christlicher Frauen (aktuell 1,64 Kinder pro Frau) im Vergleich zu jüdischen oder muslimischen Frauen (ca. drei Kinder) ist ein Faktor.

Den gesunkenen Bevölkerungsanteil führen Kritiker Israels gerne als „Beweis“ für ein vermeintliches „Verschwinden“ des Christentums im Heiligen Land an. Doch das zahlenmäßige Wachstum widerlegt diese Darstellung.

Staatlicher Schutz und Förderungen

78,7 Prozent der Christen in Israel gehören zur arabischen Bevölkerung. Unter den 2,15 Millionen arabischen Israelis machen sie wiederum 6,8 Prozent aus. Die zehn größten christlichen Denominationen, darunter die griechisch-orthodoxe, melkitische, maronitische, chaldäische und armenische Kirche, verfügen über staatlich anerkannte Kirchengerichte, die im Familienrecht weitreichende Autonomie genießen. Christliche Privatschulen werden mit staatlichen Mitteln bezuschusst. Die mit rund 12 000 Personen in Israel ansässige aramäische Gemeinschaft wurde 2014 als eine eigenständige Volksgruppe anerkannt und erhält Förderungen, u.a. zur Wiederbelebung der aramäischen Sprache.

Der Staat unterstützt nicht nur die verschiedenen Gemeinschaften beim Erhalt ihrer Traditionen und Identität, sondern hilft auch bei der Überwindung struktureller Hürden: Wie ihre muslimischen Nachbarn besuchen die meisten Christen eine arabischsprachige Schule und lernen Hebräisch als Fremdsprache.

Zudem leben mehr als zwei Drittel von ihnen in Nordisrael, einer industrieschwachen Region. Staatlich subventionierter Sprachunterricht, Stipendien sowie die Ansiedlung von Industrie- und Hightech-Parks in Nordisrael helfen dabei, ihren sozioökonomischen Status zu verbessern.

Israelische Christen erhalten nicht nur Förderungen. Sie bekleiden teilweise hohe Positionen in Justiz, Akademie, Forschung und Entwicklung sowie im diplomatischen Dienst und gestalten das gesellschaftliche Leben im jüdischen Staat aktiv mit.

Beispielsweise veranlasste Johny Srouji, arabischer Christ aus Haifa und Chief Hardware Officer beim US-Technologieunternehmen Apple, dass Apple ein Forschungszentrum in Israel eröffnete – das zweitgrößte weltweit. Damit stärkte er Israels Status als globalen Hightech-Standort.

George Karra aus Jaffa verurteilte 2011 in seiner Funktion als Bezirksrichter den ehemaligen israelischen Staatspräsidenten Moshe Kazav zu einer mehrjährigen Haftstrafe. Später diente Karra als Richter am Obersten Gerichtshof, als bereits zweiter arabisch-israelischer Christ. Der ebenfalls aus Jaffa stammende George Deek wurde 2018 als erster Christ Botschafter des jüdischen Staats.

Fragwürdige Berichterstattung

Es sind diese positiven Entwicklungen, die in der Berichterstattung zu christenfeindlichen Vorfällen kaum Beachtung finden. Dadurch entsteht ein unvollständiges, verzerrtes Bild. Doch damit nicht genug: Immer wieder werden einzelne Ereignisse aus dem Kontext gerissen und entscheidende Fakten unterschlagen. Dies erweckt den Eindruck, in Israel würden Christen systematisch unter Druck gesetzt und drangsaliert, was schlichtweg falsch ist.

Eklat am Palmsonntag

Als am Palmsonntag 2026 die israelische Polizei dem lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, den Zugang zur Grabeskirche verwehrte, löste dies einen internationalen Aufschrei aus. Italiens Premierministerin Giorgia Meloni sprach von einer „Beleidigung“, Spaniens Regierungschef Pedro Sanchez von einem „Angriff auf die Religionsfreiheit“. Sogar CDU-Außenpolitiker Armin Laschet meldete sich zu Wort und bezeichnete den Vorfall als „reine Schikane“.

Dabei handelte es sich keinesfalls um Schikane, auch nicht um religiöse Diskriminierung. Israel befand sich im Krieg mit dem Iran und wurde täglich mit ballistischen Raketen beschossen. Im ganzen Land galten strenge Sicherheitsanweisungen, die vom Heimatschutz der israelischen Armee medial verbreitet wurden.

An Orten ohne raketensicheren Schutzraum waren Versammlungen jeder Art verboten, dazu zählte nicht nur die Grabeskirche, sondern auch die Klagemauer. Hunderttausenden Juden, die sonst während des Passah-Festes die Klagemauer besuchen, war der Zugang ebenfalls verwehrt.

Angriffe auf Kirchengebäude 

Auch im Juli 2025 gab es Kritik an Israel, als eine 1 500 Jahre alte Kirche im palästinensischen Dorf Taybeh, nordöstlich von Ramallah, angeblich Ziel eines Brandanschlags wurde. Theophilos III., der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, beschuldigte „radikale Israelis aus nahegelegenen Siedlungen“, das Feuer gelegt zu haben, und bezeichnete den Brand als einen „gezielten Angriff“.

Internationale Medien sprachen von „Siedlerterror“ und „Christenhass“. Israelischen Behörden zufolge ist weiterhin unklar, wer das Feuer gelegt hat. Veröffentlichte Luftaufnahmen belegen jedoch, dass weder die jahrhundertealte Kirchenruine noch ihr Innenhof vom Brand betroffen waren. Das Feuer hatte außerhalb des ummauerten Kirchenareals auf offenem Gelände gewütet.

Knapp eine Woche später wurde bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen eine Kirche schwer beschädigt. Drei Menschen starben, mehrere wurden verletzt. Das lateinische Patriarchat in Jerusalem bezichtigte Israel des „gezielten Angriffs auf unschuldige Zivilisten“. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron beklagte die Bedrohung der „Christen Palästinas, von Gaza bis Taybeh“.

Untersuchungen der israelischen Armee ergaben jedoch, dass der Angriff nahegelegenen militärischen Zielen gegolten hatte.

Dabei sei das Gotteshaus unabsichtlich von Geschossteilen getroffen worden. Die Armeeführung drückte ihr Bedauern aus und versicherte, alles zu unternehmen, um Schaden an der Zivilbevölkerung und religiösen Gebäuden zu vermeiden.

Auffällig ist, dass bei Verurteilungen Israels die Terrororganisation Hamas meist mit keinem Wort erwähnt wird. Seit Jahren ist bekannt, dass sie sich in die zivile Infrastruktur einbettet und diese als Schutzschild missbraucht – in diesem Fall ein Kirchengebäude. Damit will sie möglichst viele zivile Opfer herbeiführen, um Israel international zu diskreditieren. Die Falschbehauptung, Israel habe die Kirche angegriffen, war genau das Narrativ, auf das die Hamas abzielte.

Christliches Leben im Nahen Osten und in den Palästinensergebieten

In der Berichterstattung über Christen in den Gebieten der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) ist es ähnlich: Immer wieder stellen Kommentare die israelische Sicherheitspolitik an den Pranger, verschweigen aber die Gewalt palästinensischer Terrororganisationen und anderer Akteure.

Über die Zahl der christlichen Bevölkerung in den PA-Gebieten existieren widersprüchliche Angaben. Einigkeit besteht darüber, dass die christliche Bevölkerung relativ, aber auch in absoluten Zahlen stark zurückgeht. Dennoch ist die weitverbreitete Darstellung, die „israelische Besatzung“ setze die christliche Minderheit in den PA-Gebieten derart unter Druck, dass sie dem Heiligen Land den Rücken zukehrten, fragwürdig.

Judäa und Samaria (Westjordanland) befinden sich bereits seit 1967 in israelischer Hand. Es dauerte jedoch 20 Jahre, bis die Auswanderung palästinensischer Christen sprunghaft anstieg – während der ersten Intifada (1987-1993). Dies geht aus einer 2005 veröffentlichten Studie des Jerusalem Centers for Public Affairs, einem konservativen israelischen Think-Tank für Außen- und Sicherheitspolitik, hervor. Zu Beginn der zweiten Intifada (2000-2005) beschleunigte sie sich demnach erneut.

Diese demografischen Entwicklungen fielen zeitlich nicht nur mit den beiden schweren Terrorwellen zusammen, sondern auch mit dem Erstarken der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und der islamistischen Hamas in den Palästinensergebieten sowie mit der Gründung der PA.

Die neuen Machtstrukturen veränderten den Alltag der palästinensischen Bevölkerung grundlegend. Konnte sie sich bis zum Beginn der 1990er Jahre in ganz Israel frei bewegen und arbeiten, ist die Einreise ins israelische Staatsgebiet heute aufgrund strenger Sicherheitsvorkehrungen nur noch mit Sondergenehmigung möglich. Grund ist der Terror, der weiterhin aus den PA-Gebieten heraus verübt wird und bereits Tausende Israelis das Leben gekostet hat. Und während Christen in Israel Teil einer westlich-freiheitlichen Gesellschaft sind, leben ihre Glaubensgeschwister in den Palästinensergebieten zwischen den Fronten und werden von Gewaltakteuren beherrscht. Seit 2003 orientiert sich die PA-Gesetzgebung zudem an den Grundlagen der Scharia.

Christliche Auswanderung ist nicht auf die Palästinensergebiete begrenzt. Im gesamten mehrheitlich muslimischen Nahen Osten ist ein Exodus zu beobachten – insbesondere aus Ländern, in denen einst eine beträchtliche christliche Minderheit lebte. Im Irak sank die Zahl der Christen von 1,5 Millionen im Jahr 2003 auf heute rund 150.000. In Syrien lebten 2011 rund 2,5 Millionen Christen, heute sind es noch 300 000.

Brücken bauen

Israel ist das einzige Land im Nahen Osten, in dem die christliche Bevölkerung nicht verschwindet, sondern wächst. Die christliche Minderheit in Israel ist klein, aber zunehmend erfolgreich und der jüdischen Mehrheitsgesellschaft gegenüber gleichgestellt.

Dennoch sind israelische Behörden gefordert, effizientere Ansätze gegen christenfeindliche Vorfälle zu finden. Ein möglicher Ansatz wäre Bildungsarbeit. Laut dem Rossing Center werden die von ihm erfassten Übergriffe meist von religiösen Juden verübt.

In der Tat kommen viele religiöse Juden in Israel kaum mit christlichen Menschen in Kontakt, auch nicht mit denen, die Israel und das jüdische Volk lieben. Die Leidensgeschichte des jüdischen Volkes prägt bis heute den Blick auf das Christentum. Der christliche Glaube, christliche Symbole und auch Jesus Christus selbst werden mit Pogromen, Kreuzzügen und Zwangskonvertierungen in Verbindung gebracht.

Bildungsarbeit könnte über positive Entwicklungen in den jüdisch-christlichen Beziehungen der letzten Jahrzehnte informieren und das Christentum in neuem Licht erscheinen lassen.

Aber auch jeder Christ trägt Verantwortung dafür, Brücken zu bauen. Ein erster Schritt wäre, sich von der judenfeindlichen Kirchengeschichte zu distanzieren, auf jüdische Menschen zuzugehen und ihnen als Jesu leibliche Brüder und Schwestern mit Wertschätzung zu begegnen. Kirchen können hier ein besonderes Zeichen setzen und Vorbild sein.

Wer jedoch die Handlungen einer kleinen Minderheit zum Anlass nimmt, Israel oder das jüdische Volk mit Vorwürfen zu überziehen, baut keine Brücken und trägt nicht zur Versöhnung bei – sondern riskiert, seine eigene Glaubwürdigkeit zu verspielen und dem christlichen Zeugnis zu schaden.
 

Dieser Artikel wurde bereitgestellt von TBN Israel. TBN Israel ist Teil der Sar-El Group, eine familiengeführte Unternehmensgruppe mit Sitz in Jerusalem, die Christen weltweit mit Israel verbindet – durch Medien, Reisen, Begegnungen und mehr. Weitere Informationen finden Sie auf: www.sareltours.com/de

 

Autor/-in

Ester Heinzmann

  |  Freie Mitarbeiterin

Ester Heinzmann arbeitet als Content Creator bei TBN Israel. Die gebürtige Deutsche lebt in Jerusalem und möchte Menschen in Deutschland ein differenziertes Bild des modernen Israels vermitteln. TBN Israel ist Teil der Sar-El Group, eine familiengeführte Unternehmensgruppe mit Sitz in Jerusalem, die Christen weltweit mit Israel verbindet – durch Medien, Reisen, Begegnungen und mehr.
Weitere Informationen finden Sie auf: www.sareltours.com/de

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