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© Towfiqu Barbhuiya / unsplash.com

24.11.2021 / Bericht / Lesezeit: ~ 3 min

Autor: Regina König

Zwangsmaßnahme oder ethisch vertretbar?

Kirchenleitende sehen mögliche Impfpflicht unterschiedlich.

 

 

Die Debatte um eine mögliche Impfpflicht wird immer lauter unter denen, die politische Verantwortung tragen. Das fordert auch die Vertreterinnen und Vertreter der Kirchen zu einer Stellungnahme heraus. Die meisten sprechen sich für eine Impfpflicht aus - und wenn schon nicht gesetzlich, dann wenigstens in einem moralischen Sinne. Es gibt aber auch eine Gegenstimme. Regina König vom Team ERF Aktuell hat die unterschiedlichen Positionen zusammengetragen.
 

ERF: Impfpflicht - ja oder nein, Regina, wie sieht das Meinungsspektrum aus?

Regina König: Lange haben sich kirchliche Vertreter lieber zurückgehalten, wenn es um Impfaufrufe ging oder gar um die Frage einer Impfpflicht. Jetzt werden einige führende Geistliche deutlicher und dringlicher. So hat sich die neue EKD-Ratsvorsitzende, Annette Kurschus, für eine allgemeine „Impfpflicht“ ausgesprochen, und zwar in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“.

«Jetzt drängt die Zeit», zitiert der Evangelische Pressedienst die Theologin: «Wir sind in einer Situation, wo jeden Tag dieses ganze Hin und Her Menschenleben kostet.» Und weiter, so die EKD-Chefin wörtlich: „Es ist Deine Pflicht, wenn Du in einer Gemeinschaft lebst als Mensch, Dich impfen zu lassen, wenn Du kannst." 


ERF: Und damit ist sie nicht die einzige kirchliche Repräsentantin, die sich eine Impfpflicht vorstellen kann.

Regina König: Nein, und dabei blicken wir nach Sachsen und damit in das Bundesland mit der niedrigsten Impfquote. Dort hat sich der katholische Bischof Heinrich Timmerevers vom Bistum Dresden-Meißen am Montag für eine Impfpflicht ausgesprochen. Er halte sie für „ethisch vertretbar“.

Weiter sagte der Bischof gegenüber der Tageszeitung „Dresdner Neuesten Nachrichten“: „Ich gebe zu, dass sich mein Blutdruck erhöht, wenn ich Menschen treffe, die die Impfung verweigern“. Es falle ihm schwer, „die Argumente zu ertragen“.

Zurückhaltender äußert sich sein evangelischer Kollege, Landesbischof Tobias Bilz aus Dresden. Er begrüßt die Diskussion in der Gesellschaft und er könne sich vorstellen, dass die Pflicht zum Impfen „auch eine Entlastung für Unentschlossene sein kann.“


ERF: Gegen eine Pflicht zum Impfen wendet sich allerdings der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende, der bayrische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

Regina König: Ja, er lehnt die allgemeine Impfpflicht ab. Solche „Zwangsmaßnahmen“ könnten ungeimpfte Menschen dauerhaft vom Staat und einem großen Teil der Gesellschaft entfremden. Er sorge sich über den gegenwärtigen Graben zwischen Geimpften und Ungeimpften in der Gesellschaft. Gleich wohl sieht er in der Impfung das wirksamste Mittel im Schutz gegen das Corona-Virus.


ERF: Und so hat sich mit einer dringenden Bitte, sich impfen zu lassen, die katholische Deutsche Bischofskonferenz an die Öffentlichkeit gewandt.

Regina König: Ja, sie tagt zurzeit in Würzburg und hat am Dienstag einen Brandbrief veröffentlicht. Darin bezeichnet sie die Impfung als „moralische Pflicht“. Sie sei eine „Verpflichtung aus Gerechtigkeit, Solidarität und Nächstenliebe.“ Und dann spricht der Ständige Rat der Deutschen Bischofskonferenz fast flehentlich die Bitte aus: „Bitte lassen Sie sich impfen.“ Man müsse sich und andere schützen.


ERF: Der November ist der Monat, in dem auch viele Landessynoden tagen, auch da ging es um das Thema „Impfen“.

Regina König: So hat die die Landessynode der Evangelischen Kirche der Pfalz einen Impfaufruf verabschiedet, das meldet die Nachrichtenagentur idea. Zudem werden die Gemeinden, Werke und Einrichtungen der Landeskirche gebeten, nach Möglichkeit ihre Räumlichkeiten für Impfaktionen zur Verfügung zu stellen.

Auch die Synode der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland bezeichnet das Impfen als einen „Ausdruck aktiver christlicher Nächstenliebe“. Die Synode dankt allen, „die sich selbst haben impfen lassen und anderen diesen Weg immer aufs Neue versuchen nahezubringen“.


ERF: Dabei hat der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, noch Anfang dieses Jahres gegenüber dem ERF gesagt, er stehe der Impfung skeptisch gegenüber.

Regina König: Diese Meinung hat er revidiert. Er ist mittlerweile selbst geimpft und steht hinter dem Impfaufruf seiner Synode, das bestätigte gestern ein Sprecher der EKM gegenüber dem ERF.


ERF: Vielen Dank für die Informationen.
 

 Regina König

Regina König

  |  Reporterin
Für ERF Plus in Mitteldeutschland unterwegs. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.

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Kommentare (2)

Johannes V. /

Die Kirchen versagen in dieser Pandemie vollständig.
Die vulgärutilitaristische Gutheißung einer allgemeinen Impfpflicht gegen SARS CoV2, die medizinisch kontraindiziert ist und die mithin mehr

Antje G. /

Es ist einfach eine lächerliche Aussage das die Impfpflicht eine Erleichterung für Menschen bringen würde die sich im Fall Corona nicht impfen lassen wollen. Es wird die Spaltung zementieren. Es wird mehr

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