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© EKD / Jens Schulze

10.11.2021 / Evangelische Kirche in Deutschland / Lesezeit: ~ 3 min

Autor/-in: Oliver Jeske

Prioritäten: Klimawandel und sexualisierte Gewalt

Annette Kurschus ist die neue EKD-Ratsvorsitzende.

 

 

Das Gesicht der Evangelischen Kirche in Deutschland hat sich verändert. Es ist weiblicher geworden. Die Synode der EKD hat Annette Kurschus zur Ratsvorsitzenden gewählt. Damit löst sie ihren Vorgänger Heinrich-Bedford Strohm ab. Bisher war die Theologin seine Stellvertreterin. Oliver Jeske war bei der Wahl dabei und stellt Annette Kurschus vor.
 

Kurschus ist die Präses der Evangelischen Kirche in Westfalen. Im Jahr 2015 hat sie ein positives Echo in der Öffentlichkeit bekommen. Sie hatte im Kölner Dom die Predigt anlässlich der Trauerfeier für die Opfer des German-Wings-Absturzes gehalten. Nun ist sie für sechs Jahre in das Amt als EKD-Ratsvorsitzende gewählt worden. Annette Kurschus hat sich dafür den Klimaschutz als höchste Priorität auf die Fahnen geschrieben:
 

Klimaschutz ist „vornehmste Aufgabe“

Das Leben auf der Erde, von Gott geschenkt, ist gefährdet wie nie. Alles tun, um das Leben in seiner Vielfalt zu schützen und zu erhalten, damit auch unsere Kinder und Kindeskinder auf dieser Erde leben können, das ist gegenwärtig eine unser vornehmsten Aufgaben.

 

Christen hätten in dieser Herausforderung einen Auftrag, den nur sie erfüllen könnten.

„Weil mit der Botschaft, von der wir leben, wir die Hoffnung wachhalten. Und Hoffnung ist ein rares Gut geworden in einer Welt, die aus so vielen Wunden blutet und deren Verletzlichkeit ihr selbst gerade auf so nie geahnte Weise bewusst wird.“

Annette Kurschus will außerdem, dass die Evangelische Kirche ein Sprachrohr für Menschen bleibt, die keine Stimme in der Gesellschaft haben.

Die Mitte unserer Aufmerksamkeit und unseres Tuns liegt an den Rändern, weil der, der die Mitte unseres Glaubens ist, selbst immer an den vermeintlichen Rändern unterwegs war bei den Schwachen und Verletzten, bei den Verlierer:innen und Abgehängten. Hinsehen, hinhören, Unrecht benennen, auch das eigene Unrecht. Schuld eingestehen, um Vergebung bitten.

 

Aufarbeitung sexueller Gewalt wird „Chefsache“

Diese Aufforderung richtet Annette Kurschus an ihre eigene Kirche. Seit 2011 beschäftigt sich die EKD mit der Aufarbeitung sexueller Gewalt in den eigenen Reihen. Opfervertretern geht dies zu langsam. Kurschus dazu:

Wir haben klar gehört: Sorgt für verbindliche Strukturen. Sorgt für wirksame Konzepte, damit so etwas nicht geschieht bei euch. Und macht das ganze zur Chef:innen-Sache. Das werde ich tun!

 

An diesen Worten wird sich Annette Kurschus als neue EKD-Ratsvorsitzende messen lassen müssen. Ihr zur Seite steht eine Frau, die bereits von 2018 bis 2020 die Aufarbeitungsarbeit in der Evangelischen Kirche geleitet hat. Die Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs ist die neue stellvertretenden Ratsvorsitzende der EKD. Sie plädiert dafür, sich den Aufgaben entschieden zu stellen:

Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?! Das kann uns leiten und tragen zugleich.

 

„Wir werden das gemeinsam wuppen!“

Das dritte weibliche Gesicht, das für die nächsten Jahre für die Evangelische Kirche in Deutschland steht, ist Anna-Nicole Heinrich. Sie wurde bereits 2020 zur Präses der EKD-Synode gewählt. Als Leiterin der Ratsvorsitzenden-Wahl richtet sie ihr Wort direkt an Annette Kurschus nach ihrer Wahl:

Du kennst den Laden der EKD und du weißt, wie der Hase hier läuft und wirst zusammen mit den Ratsmitgliedern jetzt noch intensiver als zuvor die Stimme der Evangelischen Kirche in den drängenden gesellscghaftlichen Fragen zu Gehör bringen. Und du wirst – Und dafür kenne ich doch und schätzen wir dich auch – das theologisch fundiert tun immer rückgekoppelt an das Evangelium von Jesus Christus. Und ich wünsche dir von ganzem Herzen viel Kraft für dieses Amt, viel Segen, viel Freude auch bei aller Last, die es vielleicht mit sich bringt. Wir werden das gemeinsam wuppen!

 

 Oliver Jeske

Oliver Jeske

  |  Redakteur Aktuelles

Sprachlich Hannoveraner, seit einem Vierteljahrhundert in Berlin zu Hause, liebt er Jesus, Tanzen mit seiner Frau, Nordsee-Spaziergänge mit seinen Söhnen und leckeren Fisch. Von Gott ist er fasziniert, weil der ihn immer wieder überrascht und im wahrsten Sinne des Wortes beGEISTert.

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