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© Jason Goodman / unsplash.com

06.11.2021 / Kommentar / Lesezeit: ~ 3 min

Autor: Berko Hunaeus

Austausch auf Augenhöhe

Es lohnt sich, wenn Christen über biblische Fragen engagiert diskutieren können.


„Was ist eigentlich deine Meinung zur Frauenfrage?“, fragte mich ein Kommilitone auf einer WG-Party neulich mit angriffslustigen Augen. Etwas verdattert bat ich ihn, mir zu erklären, was genau er damit meine. Schnell war klar: Er wollte wissen, wie ich die biblischen Texte verstehe, in denen Aussagen zur Rolle der Frau in der Gemeinde gemacht werden.          

Ich bin in einer Gemeinde aufgewachsen, in der es ganz normal war, dass Männer und Frauen gleichermaßen alle Leitungspositionen bekleideten und predigten. Viele der Glaubenshelden meiner Jugend waren Frauen, für deren Vorbild ich bis heute sehr dankbar bin. Es war mir gar nicht bewusst, dass in so mancher Gemeinde das Leitungsamt von Frauen vehement diskutiert wird. Ebenso wenig hatte ich davon eine Ahnung, dass es Gemeinden gibt, in denen eindeutige Rollenvorstellungen von Männern und Frauen herrschen.
 

Antiquierte Machos?

Als ich für ein Theologiestudium an eine der evangelikal geprägten Ausbildungsstätten in Deutschland kam, fiel ich aus allen Wolken: Wie konnten diese Männer und Frauen Gottes noch darüber diskutieren, ob Frauen für Leitungspositionen in Gemeinden zugelassen werden sollten? Wie konnten sie sogar in Frage stellen, dass manche Frauen zum Predigen berufen sind? Immerhin leben wir im 21. Jahrhundert!

Dann jedoch begann ich nach und nach eine Entdeckung zu machen: Diese Männer und Frauen waren nicht etwa im 18. Jahrhundert steckengeblieben. Vielmehr trieb sie eine wirkliche Ehrfurcht vor der Bibel als Gottes Wort an, und sie rangen mit dessen herausfordernden, anstößig erscheinenden Aussagen. In vielen der von mir sehr engagiert geführten Diskussionen begegnete ich nicht den frauenfeindlichen Machos, wie ich sie mir vorgestellt hatte, sondern gläubigen Männern mit einer Wertschätzung für Frauen. Ihr Wunsch, Gott und die Frauen der Gemeinde zu achten und zu ehren, schien offensichtlich in allen Worten und Überlegungen durch.

So brachten mich ihre Argumente mehr und mehr ins Nachdenken. Zunehmend faszinierte mich sogar die Idee, dass Gott in Männer und Frauen unterschiedliche Gaben hineingelegt hat. All das beeindruckte mich sehr.
 

Voneinander lernen

Auch wenn es meines Erachtens gute biblische Argumente dafür gibt, dass Gott auch Frauen zur Leiterschaft beruft, hat mich diese Erfahrung eines gelehrt: So oft sind unsere Dialoge – wenn sie denn überhaupt stattfinden – von Vorurteilen geprägt und emotional aufgeladen.

Ich träume von einem Dialog anderer Qualität, nämlich, dass wir einander als Brüder und Schwestern im Glauben begegnen, dass wir einander zuhören und verstehen. Insbesondere in der Frage nach den verschiedenen Rollen von Mann und Frau in der Gemeinde ist die Gefahr groß, dass wir uns der Empörung unserer Gesellschaft einfach anschließen. Dabei können wir hier vielleicht viel voneinander lernen.

Ich hoffe, dass man uns Christen an der Liebe erkennt, mit der wir einander begegnen, egal wie unverständlich uns die Position unseres Gegenübers erscheint. Dann können wir uns gerne mit den Argumenten des anderen auseinandersetzen und die eigene Meinung in den Ring führen. Ich selbst liebe angeregte Diskussionen! Mit dem anfangs erwähnten Kommilitonen habe ich ausführlich diskutiert – die ganze Nacht hindurch.

 

Zum Autor: Berko Hunaeus studiert Theologie in Gießen und arbeitet in der christlichen Männerzeitschrift Adam Online mit. Dieser Artikel ist ursprünglich ebenfalls in Adam online erschienen (Ausgabe Nr. 62). Wir danken dem Herausgeber für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung! Mehr Infos zum Männermagazin und der Arbeit von Adam Online finden sie unter adam-online.de.

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