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© Jeshoots com / unsplash.com

20.08.2021 / Wochenrückblick / Lesezeit: ~ 4 min

Autor: Katja Völkl

Krankenkasse zahlt künftig Bluttest für Down-Syndrom

...und was sonst noch diese Woche wichtig war.

Die Evakuierung in Afghanistan läuft weiter. Bei Protestet-Aktionen gegen die Taliban wurden mehrere Menschen getötet. Vor 45 Jahren verbrannte sich der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz selbst. Die vorgeburtlichen Tests auf Down-Syndrom sollen in Zukunft von den Krankenkassen bezahlt werden. Und in Bonn wird heute Beethovens 9. Sinfonie aufgeführt. Darüber sprechen Katja Völkl und Oliver Jeske im freitäglichen Wochenrückblick der ERF Aktuell-Redaktion. Dabei erinnern sie auch an den Internationalen Tag zum Gedenken an die Opfer von Gewalttaten aus Gründen der Religion oder des Glaubens.

 

 

ERF: Es ist wieder Freitag Und wir blicken zurück auf die Woche. Mein Name: Oliver Jeske. Und den Überblick hat: Katja Völkl. Katja, was war los in dieser Woche?

Uns beschäftigt natürlich weiterhin, was in Afghanistan los ist. Die Evakuierung läuft weiter, aber es ist für die Menschen sehr schwer, überhaupt zum Flughafen nach Kabul zu kommen. Übrigens erlangte das Land vor 102 Jahren, am 19. August 1919, seine Unabhängigkeit von Großbritannien. Und nun gab es am gestrigen Unabhängigkeitstag einige Proteste gegen die islamistischen Extremisten. In Asadabad im Nordosten des Landes haben die Taliban-Kämpfer dabei auf die Menschen geschossen und mehrere von ihnen getötet. Das hat der arabische Sender Al Dschasira berichtet.

Erinnerung an Pfarrer Oskar Brüsewitz

ERF: Eine wirklich schwierige Lage für das Land, das weiterhin unser Gebet braucht. Aber dennoch schauen wir jetzt mal auf unser Land. Was ist bei uns los?

Fangen wir mal mit einem Ereignis an, das am 18. August 1976, also vor 45 Jahren stattfand. Der evangelische Pfarrer Oskar Brüsewitz hatte sich damals selbst verbrannt. Der Grund: Protest gegen die Bildungspolitik des SED-Regimes, die junge Christen in Schulen benachteiligte. Brüsewitz hatte vor der Michaeliskirche in Zeitz zwei Plakate aufgestellt. Darauf stand sinngemäß: „Wir klagen den Kommunismus an wegen Unterdrückung der Kirchen in Schulen an Kindern und Jugendlichen“.

ERF: Anschließend übergoss er sich mit Benzin und zündete sich an. Am 22. August 1976 erlag er den schweren Verbrennungen im Krankenhaus, ohne dass ihn seine Familie besuchen durfte. Dem Chefarzt sagte er noch vor seinem Tod, dass seine Tat eine „politische Aktion“ gewesen sei.

Die staatlichen Stellen versuchten zunächst, das Geschehen zu verschweigen. Später dann stellten sie die Tat als die eines psychisch Kranken dar.

ERF: Gleichzeitig löste Brüsewitz‘ Tat eine Welle der Solidarität und etlicher Protestaktionen von Liedermachern wie Wolf Biermann und Bettina Wegner aus.

Der ehemalige Ministerpräsident Brandenburgs und Kirchenjurist Manfred Stolpe sagte einmal: „Oskar Brüsewitz war ein Vorbote des Systemwechsels.“

ERF: Das führt uns zu einem anderen Gedenktag, bei dem es auch um Unterdrückung von Religionsanhängern geht.

Stimmt. Am Sonntag ist der Internationale Tag zum Gedenken an die Opfer von Gewalttaten aus Gründen der Religion oder des Glaubens. Er wurde 2019 von der UN eingeführt. Mit diesem Gedenktag sollen die Opfer religionsfeindlicher Gewalt gewürdigt werden. Dabei wird auch aufmerksam gemacht auf die große Zahl von Menschen, derzeit unter religiöser Verfolgung leiden.  

Umstrittene Gentests

ERF: Und dann gibt es noch eine Nachricht aus dem Gesundheitswesen…

Richtig. Die vorgeburtlichen Tests auf Down-Syndrom sollen in Zukunft von den Krankenkassen bezahlt werden. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss im Gesundheitswesen gestern beschlossen. Allerdings sollen die Bluttests für Schwangere nicht zur Routine werden. Sie sollen nur im Einzelfall eingesetzt werden. Und zwar nach einer gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt gefällten Entscheidung oder wenn sich aus anderen Untersuchungen der Hinweis auf eine Trisomie ergeben hat.

ERF: Diese Gentests sind allerdings umstritten.

Ja. Vor allem Behindertenverbände kritisieren diese Entscheidung, weil sie die Gefahr sehen, dass kaum noch Kinder mit einem Down-Syndrom zu r Welt kommen, wenn der Test eine Kassenleistung ist.

ERF: Schwangere sollen ja eine Broschüre bekommen, die über den Test informiert. Was steht denn da drin?

Darin wird zunächst betont, dass der Test nicht zu den allgemein empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen gehört. Außerdem sollen die werdenden Eltern sich vorher damit beschäftigen, was sie bei einem auffälligen Testergebnis tun wollen. Dann werden sie darüber aufgeklärt, wie häufig oder selten Trisomien vorkommen und welche Fehleranfälligkeit die Tests auch haben. Und es gibt Informationen darüber, an welche Beratungsstellen sie sich wenden können und wo sie Hilfe bekommen, wenn sie sich für ein behindertes Kind entscheiden. Ein ganz wichtiger Aspekt, finde ich. Bundestagsabgeordnete fast aller Fraktionen hatten noch versucht, die Beratung vor und - bei einem positiven Ergebnis - auch nach einem Test verpflichtend zu machen. Die Tests werden nach Angaben des Gemeinsamen Bundesausschusses frühestens ab dem Frühjahr 2022 Kassenleistung sein.

ERF: Und zum Schluss haben wir noch etwas Erfreuliches: Die Ode an die Freude wird gespielt.

Und zwar heute beim Jubiläumsprogramm des Beethovenfestes in Bonn. Das wurde im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie verschoben. Heute erklingt unter anderem Beethovens 9. Sinfonie unter dem Motto „Auferstehen, ja auferstehen“. Die Leitung hat der spanische Dirigent Jordi Savall. Und das Konzert findet im World Conference Center Bonn statt und wird auf eine Open-Air-Bühne übertragen.

ERF: Und das Schöne – neben der Musik – ist: Der Erlös aus dem Verkauf der Tickets für das Konzert soll den Opfern der Flutkatastrophe im benachbarten Rhein-Sieg-Kreis zugutekommen.

Ich wäre gerne dort hingefahren. Aber ich muss heute noch arbeiten und zweitens habe ich am Wochenende schon etwas anderes vor.

ERF: In diesem Sinne wünschen wir allen ein schönes und erholsames Wochenende. Tschüss sagen Katja Völkl und Oliver Jeske.

 Katja Völkl

Katja Völkl

  |  Redakteurin und Moderatorin

Die gebürtige Münsteranerin ist für aktuelle Berichterstattung zuständig. Von Hause aus ist sie Lehrerin für Deutsch und Philosophie und Sprecherzieherin. Sie liebt Hunde, geht gerne ins Kino und gestaltet Landschaftsdioramen.

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