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/ Wort zum Tag

Zeit tiefer Resignation

Die Bibelstelle Prediger 9,10 – ausgelegt von Bernhard Heyl.

Alles, was dir vor die Hände kommt, es zu tun mit deiner Kraft, das tu.

Prediger 9.1

Ich lebe in einer Zeit tiefer Resignation. Darüber können auch die manchmal zwanghaft bunten und schrillen Töne von Politik, Werbung und Unterhaltungsindustrie nicht hinwegtäuschen. Es ist für mich wahr: Resignation packt die Nation. Und wenn ich aufmerksam die Tagesnachrichten verfolge, dann ist da ja auch kein Wunder.

Die besonderen Errungenschaften demokratischer Regierungssysteme brechen zunehmend weg oder werden infrage gestellt. Viele sind unzufrieden, weil auch sie offenbar auf Dauer nicht in der Lage zu sein scheinen, die immer brennender werdenden gesellschaftlichen und sozialen Fragen wirksam zu lösen.

Resignation und Frustration sind deshalb bei vielen wachen Zeitgenossen allgegenwärtig und bestimmen insgeheim auch die politische und gesellschaftliche Agenda unserer Tage.

Mancher hat sich vielleicht auch schon in diesem Zusammenhang erinnert an die oft triste Stimmung, die mir aus so manchen Passagen der alttestamentlichen Weisheitsliteratur entgegenschlägt. Vor allem in den Sprüchen und dem Predigerbuch stoße ich immer wieder auf den pessimistischen Grundtenor: Alles ist eitel (nichtig, wertlos, vergänglich, sinnlos). Nichts hat Bestand – weder Beziehungen noch geistige Errungenschaften, weder Gesundheit noch Macht noch Besitz.

Messerscharf analysiert das der biblische Schreiber und bringt diese Fakten ungeschminkt auf den Tisch.

Doch an dieser Stelle nun kommt die überraschende Wendung (V. 7ff):

„7 Wohlauf! Iß mit Freuden dein Brot und trink deinen Wein mit gutem Mut! Denn schon immer hat Gott daran Freude. …10 Alles, was dir vor die Hände kommt, das tue frisch!“

Diese Verse zeigen hier die Wendung an. Wie ein Ruck geht es an dieser Stelle durch den Text in Prediger 9.  Was der Prediger hier empfiehlt, ist umso überraschender, als es auf dem trostlosen Hintergrund der ersten 6 Verse des Kapitels gesagt wird: Macht euer Leben zum Fest! Feiert das Leben, das Gott euch gegeben hat. 

Das meint der biblische Schreiber hier offenbar. Nicht die wilde Jagd nach Genuss, sondern das Leben vor und mit Gott als Fest zu gestalten. Dahinter steckt bei ihm offenbar schon die Ahnung, dass mitten in dieser gefallenen und vergänglichen Welt bei den Kindern Gottes bereits jetzt etwas von seiner Herrlichkeit aufleuchtet. Dass angesichts und trotz des garstigen Abgrunds, vor dem ich zuweilen stehe, echte Hoffnung und bleibende Freude da ist. Der Prediger spürt offenbar etwas von der guten Absicht Gottes, die mein Leben reich machen will – auch wenn er noch nichts von Jesus ahnt. Doch hinter seinen Worten steht die spätere Einladung von Jesus selbst, die den Mühseligen und Beladenen Erquickung verspricht – also neue Hoffnung, Lebensfreude und –kraft. Da höre ich auch Paulus schon anklingen, der dazu auffordert, fröhlich in der Hoffnung zu sein, geduldig im Aushalten von schweren Zeiten und in allem mit seinem Gott in Verbindung zu bleiben.

Wie aber kann ich meinem Leben diesen Festcharakter verleihen?

Ich bin neu eingeladen, meinen Blick nicht von dem gefangen nehmen zu lassen, was mich nach unten ziehen kann. Ich brauche das nicht zu leugnen, was mich belastet, aber ich habe einen Herrn, der weit größer ist, als meine Grenzen und der mich vom Abgrund weg wieder in die Weite führen will. Ich kenne Jesus – und damit bin ich dem alttestamentlichen Prediger unendlich weit voraus. Denn er hat die letzte Sinnlosigkeit des Todes besiegt und aufgehoben. Seit Ostern gibt es nichts, was mehr Sinn macht, als diesem Jesus durch Dick und Dünn mit Wort und Tat auf den Fersen zu bleiben. Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie solch ein Mensch sein können.

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