/ Anstoß - Gedanken zum Tag
Wo ist mein Versteck?
Sonja Kilian über 1. Mose 3,8.
Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des HERRN zwischen den Bäumen im Garten.
Neulich beim Einkaufen sehe ich aus den Augenwinkeln eine Frau, die mir bekannt vorkommt. Ich bin aber gerade gestresst und nicht besonders ansehnlich. Am liebsten würde ich jetzt mit niemandem reden. Doch zu spät. Meine Bekannte hat mich entdeckt und freut sich, mich zu sehen. Wir haben uns lange nicht getroffen, und ihre wertschätzende Art wird zum Highlight des Tages für mich. Obendrein hat sie sogar wunderbare Neuigkeiten für mich.
Ging es Adam und Eva vielleicht genauso wie mir, als sie sich im Garten Eden vor Gott versteckten? Im ersten Buch der Bibel, in Genesis 3 wird davon berichtet. Die beiden Menschen wollten Gott nicht treffen, dabei sehnte er sich wohlwollend nach Gemeinschaft mit ihnen. Es scheint mir auf den ersten Blick albern, sich vor Gott zwischen Bäumen verbergen zu wollen. Und doch verhalte ich mich manchmal ähnlich. Bei mir sind es oft die vielen Aufgaben, die sich vor mir auftürmen und mir den Blick auf Gott versperren. Ein anderes Mal verstecke ich mich hinter Büchern oder anderen Ablenkungen. Manchmal fühle ich mich auch einfach ungenügend. Mein schlechtes Gewissen steht dann wie ein Mammutbaum zwischen mir und Gott.
Zum Glück ist Gott nicht beleidigt angesichts meines kindischen Verhaltens. Er wartet geduldig und macht sich sogar bemerkbar – so wie er es bei Adam und Eva getan hat. Er steht jederzeit in Rufweite und will mich mit seiner Gegenwart erfreuen.
Ihr Kommentar
Kommentare (2)
Grüss Gott, liebe Frau Killian,
Sie haben es geschafft eine für viele Menschen eher sich zeiespältig-ängstlich anfühlende Bibelstelle in ein ganz anderes Licht zu rücken... wie schön !!
Sie … mehrsprechen von dem wohlwollenden, wartenden Gott, der ja sowieso unsere "Verstecke" kennt, die ja nichts anderes wie versuchte Bewältigungsstrategien sind für noch ungelöste Gefühle im Alltagsleben....
DANKE, dass Sie das Augenmerck auf die "therapeutische Ader Gottes" lenken, der durch Fragen: Adam, wo bist du?, diesen heilenden, zu-recht-rückenden Moment mit uns Menschen sucht... bleiben Sie behütet
Dagmar-Judith K.
Diese ermutigenden und passenden Worte habe ich jetzt gerade gebraucht! Wie oft ‚verstecke‘ ich mich hinter Arbeit, Stress (auch Freizeitstress) und diesem und jenem. Ich bin so dankbar, dass Gott mich trotzdem sieht und liebt! Ich will mich heute oft daran erinnern:)