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Sehend werden

Die Bibelstelle Johannes 9,11 – ausgelegt von Friederike Deuschle.

Er antwortete: Der Mensch, der Jesus heißt, machte einen Brei und strich ihn auf meine Augen und sprach: Geh zum Teich Siloah und wasche dich! Ich ging hin und wusch mich und wurde sehend.

Johannes 9,11

Manchmal sehen Blinde mehr als die Sehenden.

Im Fernsehen erzählen davon die beiden Krimireihen „Blind Sherlock“ und „Blind ermittelt“. In beiden Serien steht ein blinder Ermittler im Mittelpunkt, der die Fälle durch eine ganz besondere Wahrnehmung löst.

Ganz ähnlich ist das in einer Geschichte im Johannesevangelium. Dort steht auch ein Blinder im Mittelpunkt. Einer, der schon von Geburt an blind war. Und die Geschichte erzählt davon, dass gerade diese Blindheit zu einer Entdeckung geführt hat.

Am Anfang steht eine Begegnung mit Jesus. Jesus sieht ihn und er macht ihn gesund. Er macht aus Erde und Spucke einen Brei und streicht ihn auf seine Augen. Dann sagt er: „Geh zum Teich Siloah und wasche dich!“ Und das Wunder geschieht. Auf einmal kann er sehen.

Und das ist natürlich großartig. Aber gleichzeitig irgendwie gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, was dann passiert.

Andere werden aufmerksam. Nachbarn und Bekannte fragen sich, ob sie ihren Augen noch trauen könne. Ist er´s oder ist er´s nicht? Wie kann das sein, dass er auf einmal sehen kann?

Noch hat der ehemals Blinde gar nicht so recht verstanden, was ihm da eigentlich passiert ist. Und erst recht nicht, mit wem er es da zu tun gehabt hat. Er weiß noch nicht viel von Jesus. Er erzählt einfach, was er erlebt hat.

Im Johannesevangelium, Kapitel 9 Vers 11 steht:

Er antwortete: Der Mensch, der Jesus heißt, machte einen Brei und strich ihn auf meine Augen und sprach: Geh zum Teich Siloah und wasche dich! Ich ging hin und wusch mich und wurde sehend.

Nicht überall kommt dieser Bericht gut an. Einige stellen sogar in Frage, dass es da mit rechten Dingen zugegangen ist. Sie wollen ihn dazu bringen, etwas Schlechtes über Jesus zu sagen. Doch er bleibt dran. Und dann begegnet ihm Jesus ein zweites Mal. Und er erkennt: Jesus ist viel mehr als ein Mensch. Er ist der Menschensohn. Er ist der, der alles in seinen Händen hält.

Ich bin nicht blind. Und ich habe auch noch kein solches Heilungswunder erlebt. Aber trotzdem tröstet mich diese Geschichte.

Denn manchmal ist es auch bei mir so, dass ich nicht richtig sehen kann. Dass ich nämlich nur den Mangel in meinem Leben sehe. Das, was ich nicht kann. Wo ich unzufrieden bin mit mir, so wie ich nun einmal bin. Oder mit der Situation, in der ich mich gerade befinde.

Und dann erinnert mich diese Geschichte daran: Ich kann zwar vielleicht gerade nichts sehen, aber ich bin gesehen. Jesus sieht mich. Und er kann auch aus meinen Unzulänglichkeiten etwas Gutes machen. Er kann schwierige Situationen verwandeln. Ja manchmal mutet er mir gerade deshalb Schweres zu, damit ich seine Größe und seine Möglichkeiten erkenne.

Und deshalb will ich heute ganz bewusst die Augen öffnen, für das, was er in meinem Leben tut – die größeren und kleineren Wunder, die Tag für Tag auch in meinem Leben geschehen. Ich will mitten in meinem Alltag mit ihm rechnen. Und wo ich unzufrieden bin mit mir oder in Schwierigkeiten stecke, will ich ihm neu vertrauen, dass er etwas Gutes daraus macht – vielleicht heute schon, vielleicht erst morgen, aber spätestens in seiner Ewigkeit.

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