/ Wort zum Tag
Spiel oder Ernst?
Die Bibelstelle Matthäus 25,31-32 – ausgelegt von Bärbel Wilde.
Wenn der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden.
„Nur geringe Chance für eine Jesus-Rückkehr“ stand kürzlich als Schlagzeile über einem Zeitungsartikel. Es wurde von Wetten berichtet. Kaum ein Zukunftsereignis ist bei den sogenannten Prognosemärkten tabu. Inzwischen werden in den USA jedes Jahr Milliarden Dollar für diese Wetten eingesammelt.
Bei der Wette mit dem Titel „Kehrt Jesus Christus vor 2027 zurück“ ist ein Einstieg mit der Antwort „Ja" günstig zu haben, denn diesem Ereignis wird eine nur geringe Chance zwischen drei bis vier Prozent eingeräumt.
Rechnen wir eigentlich damit, dass Jesus in seiner Herrlichkeit wiederkommen wird? Das jedenfalls sagt Jesus in dem Lehrtext der Losungen heute aus dem 25 Kapitel des Matthäusevangeliums: „Wenn der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle Engel mit ihm, dann wird er sich setzen auf den Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden.“
Die Wiederkunft Jesu ist das größte welthistorische Ereignis, dem wir entgegengehen. Dann wird der auferstandene Jesus Christus alle Völker vor sich versammeln. Paulus schreibt: 'Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Gottes'
Das Thema ist nicht das überflüssige Nachdenken über einen St. Nimmerleinstag. Manche lächeln überheblich, wenn die Bibel vom Jüngsten Gericht redet. Aber viele Christen bekennen jeden Sonntag im Glaubensbekenntnis: „Von dort (von der Rechten Gottes des allmächtigen Vaters im Himmel) wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten.“ Ist das nur Blabla, wenn Jesus von seiner Wiederkunft redet?
Ich werde nie vergessen, wie ich mit einem Vorstandsmitglied des christlichen Medienverbundes zu einer Sitzung fuhr. Gerade war ein skandalöses Verhalten in einem christlichen Werk bekannt geworden. Als wir das ansprachen, sagte mein Vorstandskollege: „Denken die eigentlich gar nicht daran, dass sie Rechenschaft ablegen müssen vor dem Richter der Welt?“ Diese Frage hat sich tief bei mir eingeprägt. Unsere Worte und Taten haben ihre Bedeutung über den Tod hinaus. Und auch unsere Versäumnisse. Das Unrecht versickert nicht sang und klanglos. Es gibt eine letzte Gerechtigkeit.
Der Glaube, dass Jesus einmal als Richter auf den Thron seiner Herrlichkeit sitzen wird, verändert unser Leben. Er lähmt nicht, sondern beflügelt. Dafür gibt es viele Beispiele in der Kirchengeschichte.
Ich denke an Friedrich von Bodelschwingh, dessen Name sich bis heute mit den großen diakonischen Anstalten in Bethel bei Bielefeld verbindet. Er hatte die lebendige Hoffnung: Jesus wird wiederkommen. Es wird sogar vermutet, dass er auf den festen Häuserbau nicht so viel Wert legte, da er die Wiederkunft in naher Zukunft erwartete. Diese Hoffnung führte ihn nicht zur Weltflucht. Im Gegenteil.
Sie war seine innere Kraft, sich für die Ärmsten der Armen einzusetzen. Den Ausgestoßenen, Kranken und Wanderarbeitern eine Zuflucht zu geben. Bodelschwingh handelte nicht, weil er meinte, sich so den Zugang zum Reich Gottes zu verdienen.
Sein Tun hatte seine Motivation darin, dass er die Liebe Gottes, die er empfangen hatte weitergeben wollte. Denn einen Glauben ohne Liebe kennt die Bibel nicht.
Die biblische Verheißung, dass Christus wiederkehrt und alles Leid ein Ende haben wird, gab ihm auch die persönliche Kraft in der Trauer. Besonders nach dem Verlust seiner eigenen Kinder fand er in dieser christlichen Hoffnung Halt.
Jesus, der Sohn Gottes, der für uns Mensch geworden ist, will nicht, dass Menschen verloren gehen. Darum will ich heute im Gebet mich dem Weltenrichter zuwenden: „Jesus, du hast gesagt: Wer zu mir kommt, den will ich nicht hinaus stoßen.“
© Ruth Schneider / ERF
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