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/ Wort zum Tag

Kein falsch Zeugnis

Die Bibelstelle 2. Mose 20,16 – ausgelegt von Werner Bücklein.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

2. Mose 20.16

„Der Gerd hat gepupst.“ … die Kinder kringeln sich vor Lachen. Wieder einmal sind wir mit einer Kinderfreizeit in unserem Begegnungszentrum, um ein Wochenende miteinander zu verbringen. Wir spielen „Stille Post“. Ein Kind bekommt einen Satz ins Ohr geflüstert und flüstert es dem nächsten Kind weiter. So geht das durch die ganze Reihe der Kinder hindurch, bis das letzte in der Reihe das laut ausspricht, was bei ihm angekommen ist – oder doch das, was es meint, verstanden zu haben.

Was bei einer Kinderfreizeit im Spiel für Heiterkeit und Lachen sorgt, ist im Leben oftmals bittere Alltagserfahrung. Hinter vorgehaltener Hand und mit gesenkter Stimme wird weitererzählt, was man vor kurzem selbst unter dem Siegel der Verschwiegenheit zugetragen bekam. Auch hier macht sich das Prinzip der Stillen Post bemerkbar: je mehr Leute mitmachen, desto verworrener wird das Ergebnis dessen, was man zu hören glaubte.

Sehr schnell wird aus einer Meinung eine Feststellung und daraus dann eine Behauptung und feste Gewissheit. Welche Macht diese leise geflüsterten Worte haben, erleben viele Menschen immer wieder im eigenen Ergehen.

Dabei kenne ich niemanden, der morgens aus dem Bett aufsteht mit dem festen Vorsatz: „Heute lüge ich mal, dass sich die Balken biegen.“ Und doch stelle ich mit Erschrecken und auch mit einer gewissen Schamröte im Gesicht fest: Auch ich habe mich schon am Tratsch beteiligt. Ich selbst habe Dinge erzählt und weitererzählt, die sich beim genauen Hinschauen als nicht wirklich wahr herausstellten.

Meint Gott das, wenn er in den zehn Geboten sagt: Du sollst nicht lügen? Im Lutherdeutsch liest es sich so:

„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.“ (2. Mose 20,16)
 

Vordergründig geht es wohl eher darum, in einem Gerichtsprozess, der sich zur damaligen Zeit hauptsächlich auf die Aussagen zweier oder dreier Zeugen verließ, keine Falschaussage zu machen.
Ich selbst war erst zwei Mal in meinem Leben als Zeuge vor Gericht, andere wohl noch gar nicht. „Lohnt“ sich dafür ein eigenes Gebot? Dieses Wort Gottes soll auch in alltäglichen Situationen angewendet werden, so meine ich.

Letztendlich geht es, wie so häufig in der Bibel, um das Verhältnis zum Mitmenschen und damit auch zu Gott. Rede ich über den Nachbarn so, dass er seine Würde behält? Rede ich über andere so, dass ich das Gleiche sagen könnte, wenn ich Auge in Auge ihm gegenüberstehe?

Wer sich bedenkenlos an Ratsch und Tratsch beteiligt, ist so manches Mal wie einer, der Falschgeld für bare Münze hält und sich wundert, wenn bei genauerer Prüfung der Wert gegen Null geht.

Das gilt natürlich auch für den Umgang in den Sozialen Medien. Nur mal kurz einen Post weiterleiten, mit ein paar Klicks oder einem unbedachten Kommentar sind schnell Worte im Raum, die sich nicht wieder zurückholen lassen.

Ich gehe noch einen Schritt weiter. Ich glaube, es geht nicht nur darum, nicht zu lügen oder „falsch Zeugnis wider deinen Nächsten“ zu sagen. Manchmal genügt es, eine Halbwahrheit, als solche erkannt, einfach stehen zu lassen, um Teil der Flüsterkette zu werden.

Es erfordert Mut, sich zu Wort zu melden, Einspruch zu erheben und für jemanden einzustehen, über den gerade Falsches gesagt wird. Hier wird die Selbstverständlichkeit „ich lüge nicht“ zur wirklichen Herausforderung.

Heute mache ich es mir zur Aufgabe, darauf zu achten, was ich sage … und was nicht.

Übrigens: Der Satz, den das erste Kind ins Ohr geflüstert bekam, lautete: „Das Pferd hat ‘nen Fuß“.

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