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/ Wort zum Tag

Glaubwürdigkeit durch Barmherzigkeit

Die Bibelstelle Sprüche 17,5 – ausgelegt von Wolfgang Buck.

Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer: und wer sich über eines andern Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben.

Sprüche 17,5

Vor einige Wochen feierten wir Weihnachten. Im Grunde feierten wir doch das, was Peter Strauch in dem Lied zusammenfasst „Gott wurde arm für uns, damit wir durch seine Armut reich werden …“ Das göttliche, aber arme und hilflose Kind im Stall, dazu Maria, Josef, die Hirten – alles arme Leute. Was haben wir daraus gemacht? Ein Fest des Wohlstandes, des guten Essens und der wertvollen Geschenke. Irgendwie pervers.

Wie kommt das?

Unser heutiges Bibelwort kann dazu Aufschluss geben. Es stammt aus dem Buch der Sprüche, also der Sammlung alter israelischer Lebensweisheit, wie sie bei König Salomo beispielhaft zu finden war. Diese Sprüche sind oft holzschnittartig, generalisierend, zugespitzt und einseitig. Aber sie halten uns einen Spiegel vor Augen: So sind wir im Grunde doch alle.

Im Buch der Sprüche Kapitel 17 findet sich die der unmissverständliche Satz: Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer; und wer sich über eines andern Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben.

Das ist eine harte Ansage. Was in der momentanen politischen Lage noch als „Tabubruch“ beschrieben und von manchen sogar gefeiert wird – das sieht Gott radikal anders. Er solidarisiert sich mit den Armen und Entrechteten. Denn eigentlich sollte niemand im alten Israel dauerhaft verarmen, dafür gab es im Gesetzbuch klare Vorschriften. Aber man hielt sich kaum daran. Wie in jeder alt gewordenen Gesellschaft wurden die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer.

Wenn wir reich sind – und das sind in unserer Gesellschaft im Weltvergleich fast alle – dann schreiben wir es schnell unserem Fleiß und unserer Tüchtigkeit zu und denken manchmal: Die Armen sind selber schuld. Und dann ist es nur ein kleiner Schritt zu abfälligen Bemerkungen.

Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer mahnt uns unser Bibelwort. Gott solidarisiert sich also mit den Armen und Entrechteten. „Ehrfurcht vor dem Leben“ nannte es Albert Schweitzer. Gott steht also nicht nur auf der Seite der Armen, sondern bezieht jede Beleidigung sogar persönlich auf sich. Wer abfällig über Arme redet, bekommt es also mit Gott und seinem Zorn zu tun.

Das Gleiche gilt für Schadenfreude, denn es heißt weiter: …und wer sich über eines andern Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben. Warum so streng?

Ich denke, in Gottes ursprünglicher Absicht, als er die Welt erschuf, wollte er eine vollkommene Harmonie. Dafür wirbt er durch seine Propheten, dafür kämpft er in seinem Volk, und schließlich gipfelt sein Friedens- und Harmoniewunsch darin, dass er Jesus sendet. Aber damit sind wir schon wieder bei Weihnachten.

Die ersten Jahrhunderte war der christliche Glaube die Religion der armen Leute. Aber spätestens seit der Zeit der Staatsreligion änderte sich das. Man ist seitdem stolz auf bedeutende Leute in den eigenen Reihen und der damit gegebenen Anerkennung: „Bei uns ist auch Dr. X und Prof. Y Gemeindeglied“, hörte ich manche Christen schon mal reden. Ist ja schön, aber nicht entscheidend für eine Gemeinde.

Entscheidend für eine Gemeinde und ihre Glaubwürdigkeit ist nicht so sehr die gesellschaftliche Stellung, auch nicht die richtige Lehre, um die man so gerne streitet, sondern vor allem, wie sie mit den Armen und Schwachen in ihren eigenen Reihen und in der Gesellschaft umgeht.

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