Navigation überspringen

/ Wort zum Tag

Mehr als Heilung

Die Bibelstelle Markus 2,12 – ausgelegt von Rainer Gremmels.

Der Geheilte stand auf und nahm sogleich sein Bett und ging hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben solches noch nie gesehen.

Markus 2.12

Jesus ist wie schon oft in Kapernaum und predigt in einem Haus. Dort sind so viele Menschen zusammengekommen, dass sie bis draußen vor der Tür stehen, um Jesus zu hören. Da kommen vier Männer, die einen Gelähmten zu Jesus bringen wollen. Da sie aber wegen der Menge nicht zu ihm kommen können, klettern sie auf das Dach, machen eine Öffnung hinein und lassen den Gelähmten direkt vor Jesus hinunter. Jesus sieht in der Kühnheit und Beharrlichkeit der Männer ihren Glauben an seine Vollmacht. Nun aber geschieht etwas Überraschendes: Jesus hilft zunächst nicht mit einer Heilung, mit der wohl alle rechnen. Denn für Juden damals waren Sünde und Leiden unmittelbar miteinander verknüpft. Ein Ausspruch der Rabbinen lautete: „Kein Kranker wird von seiner Krankheit geheilt, solange ihm nicht alle seine Sünden vergeben worden sind.“ Kranke waren in den Augen von Juden Menschen, denen Gott zürnte. Jesus wird nicht gedacht haben, dass dieser Gelähmte besonders sündig ist. Aber an dem Kranken wird zeichenhaft deutlich, dass das Leid in unserer Welt seine Ursache in der Trennung des Menschen von Gott hat, wie es auch in der Erzählung vom Sündenfall beschrieben wird. Diese Trennung des Menschen von Gott möchte Jesus aufheben, und der Gelähmte darf das nun sozusagen am eigenen Leib erfahren. 

Deswegen spricht Jesus hier an Gottes Stelle dem Gelähmten zunächst die Vergebung seiner Sünden zu: „Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.“ Das war in den Augen der Juden Gotteslästerung, und so empören sich auch die anwesenden Schriftgelehrten innerlich über dieses Wort Jesu. Mit einer Gegenfrage zwingt Jesus die Schriftgelehrten zum Nachdenken: „Was ist leichter, dem Gelähmten die Sünden zu vergeben oder ihn zu heilen?“ In ihren Augen konnte ja jeder Scharlatan behaupten, einem Menschen seien seine Sünden vergeben. Den Schriftgelehrten fehlte der Beweis für die Wirksamkeit der Sündenvergebung durch Jesus. Nach ihrer Überzeugung konnte der Mann nur geheilt werden, wenn ihm seine Sünden vergeben wurden. Diesen Beweis erbringt Jesus, indem er dann den Gelähmten heilt: Ich sage dir, steh auf! Jesus bestätigt dem Mann damit, dass Gott ihm die Sünden bereits vergeben hat und er so in die Gemeinschaft mit Gott zurückgeführt wird. Und die Schriftgelehrten erkennen: Jesu Anspruch, Sünden vergeben zu können an der Stelle Gottes, musste also wahr sein. 

Vergebung bleibt also nie etwas rein Innerliches, sondern auch die Leiblichkeit des Menschen ist mit eingeschlossen und wird wieder unter Gottes Herrschaft zurückgeholt. So ist diese Heilung Jesu ein Zeichen für seine tiefgreifende Vollmacht, mit der er Menschen wieder in die Gemeinschaft mit Gott zurückführt. 

Und an der Heilung des Gelähmten wird zeichenhaft das Ziel der Sendung Jesu überhaupt deutlich: Die Trennung zwischen Gott und Mensch zu beseitigen. Dafür wird er später den Weg an das Kreuz gehen, und mit dieser Sündenvergebung und Heilung hat er den Schriftgelehrten mit der in ihren Augen begangenen Gotteslästerung einen weiteren Grund für ihre Gegnerschaft gegeben. 

Das Ungeheuerliche dieses Geschehens wird dann im letzten Vers der Erzählung im heutigen Lehrtext der Herrnhuter Brüdergemeine deutlich. Da wird nämlich die Reaktion der Menschen beschrieben, die Augenzeugen des Geschehens waren: „Der Geheilte stand auf und nahm sogleich sein Bett und ging hinaus vor aller Augen, so dass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben solches noch nie gesehen.“ 

Das Markusevangelium für Kinder: 
Markusevangelium KinderDas Markusevangelium – Arbeitshilfe für Gruppen und Hauskreise:
Serendipity Markus

Kommentar zum Markusevangelium: Kommentar Markusevangelium

Sie möchten noch tiefer in die Bibel eintauchen? Wir empfehlen unsere Sendereihe:

Anstoß

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht. Bitte beachten Sie beim Schreiben Ihres Kommentars unsere Netiquette.

Kommentare (1)

Die in den Kommentaren geäußerten Inhalte und Meinungen geben ausschließlich die persönliche Meinung der jeweiligen Verfasser wieder. Der ERF übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Rechtmäßigkeit der von Nutzern veröffentlichten Kommentare.
Andreas W. /

Wow, so oft schon die Geschichte gehört und noch nie so eine plausible nachdenklich machende Auslegung gelesen Danke!