/ Wort zum Tag
Das Lied vom fröhlichen Mädchen
Monika Scherbaum über Jesaja 62,11.
Der HERR lässt es hören bis an die Enden der Erde: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt!
Eine Anekdote aus dem Religionsunterricht: Ein Kind meldet sich und fragt „singen wir heute wieder das Lied vom fröhlichen Mädchen?“. Es dauert etwas, bis ich herausfinde, was gemeint ist: „Tochter Zion, freue dich“. Ja, bald singen wir es wieder in der Adventszeit und heute steht diese Liedzeile als Gebet im Losungsheft.
Doch mit „Tochter Zion“ ist kein Mädchen gemeint. Sondern der Prophet Jesaja bezeichnet damit die Stadt Jerusalem. Genauer: die Menschen, die in ihr wohnen und voller Vorfreude und Sehnsucht auf den Messias warten.
Uns mag die Bezeichnung „Tochter Zion“ etwas fremd erscheinen, sowohl der Ortsname als auch die Anrede. Zion ist im Alten Testament der Südosthügel von Jerusalem, später wird die Rede von Zion erweitert auf den Tempelberg. Schließlich steht Zion für die ganze Stadt Jerusalem und die ganze Bevölkerung:
Gott hat Stadt und Leute erwählt.
Davon spricht hier Jesaja: „Der HERR lässt es hören bis an die Enden der Erde: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt! Der Begriff Heil kommt vom Wort schalom und meint „Unversehrt sein“, Wohlbefinden und Glück.
Das ist auch noch interessant zu wissen: Der Name Jesus “Gott rettet”, ist von diesem Wort „Heil“ abgeleitet im Sinn von Rettung und Hilfe.
Einfach, weil Gott weiß, wie viel Zerbrochenes in unserem Leben ist, auch in unserem Miteinander. Wir brauchen Gottes Kraft, seinen Geist, seine Vergebung und seine heilenden Möglichkeiten, um selbst ganz heil zu werden.
Deshalb hat Gott seinen Sohn Jesus in die Welt geschickt und für unsere Schuld am Kreuz sterben lassen, weil wir seine Vergebung brauchen. Mut für einen Neuanfang bei uns selbst und im Miteinander.
So gibt uns Jesajas Prophetenrede auch eine Idee für heute. Stellen wir uns das bildlich vor: Diese Wächter auf der Mauer, die diese Worte im Blick auf die Stadt Jerusalem ausrufen. Unser Blick muss in unsere eigene Richtung gehen, vor unsere eigene Haustür und das heißt erst einmal „hören“. Hören ist also das Erste, was wir zu tun haben. Dazu gehört auch ein Wahrnehmen, was dem anderen heilig ist. Unterschiede respektieren. Gemeinsamkeiten entdecken. Da sind wir noch ziemlich auf dem Weg.
Es kommt auf die Ausrichtung unserer Herzen an. Ich wünsche uns allen sehr, dass wir mutig werden, im Weitersagen und klar benennen. In Jerusalem ist momentan noch kein Friede, beten wir dafür! Manchen Mitmenschen – gerade oft auch den jüdischen Menschen - geht es in unserem Land nicht gut. Setzen wir uns dafür ein, dass sich jede und jeder gewollt und angenommen fühlt. Sei es zuhause, im Beruf, in einer Gruppe, in der Gemeinde. Denn es stimmt: „Der HERR lässt es hören bis an die Enden der Erde: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt!
Und wir – die wir an Jesus glauben - spielen dabei eine schöne Rolle: Nämlich als die, die Gott für diese große Friedensvision loben und preisen, sie leben und weitersagen!
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Kommentare (2)
"Sagt der Tochter Zion: Dein Heil kommt!" Aber nein, nur das nicht, es darf in einer patriarchalen Religion auf keinen Fall mit dieser Redewendung eine weibliche Figur; eine Freudenbotin-eine … mehrmütterliche Figur gemeint sein-diese Deutung war nie vorgesehen. Eine männliche Jesus-Figur, die als "Retter" fungiert, ist uns Frauen-ohne kritisches Hinterfragen, ob dies alles logisch ist, viel lieber! Das prophetische Bild der TOCHTER ZION im Zusammenh.mit Jesus passt da viel besser & bildet schließlich auch das patriarchale Gottesbild ab, das ohne Weiblichkeit auskommt. Mit Gottvater hat sein lieber Sohn, als die weibliche Weisheit schließlich auch LEBEN ohne weibliches Dazutun geschaffen. Jesus ist DIE MÜTTERLICHE Gebärerin von Leben, von der in Jesaja 42 Gott als Mutter spricht. Bin ich froh, dass diese Jesusfigur alles abdeckt in einer patriarchal gestrickten Religion. Zum Glück wird ja auch die christli.Gemeinde als Braut Gottes definiert, zu der der Gott des Himmels kommt, um seine Braut zu besuchen.NICHT DER Gott des Himmels, kommt zu seiner Braut, zur Mutter Erde oder Mutter Natur. Der Vater im Himmel und Mutter Erde als sein weibliches Gegenüber, das sich in Sprüche 8, Verse 22-36 vorstellt, gibts zum Glück nicht im Christentum, wo kämen wir Frauen denn da hin, dass wir im Gottesbild, als weibliche Seite Gottes einen Platz haben?Unterstützen wir Frauen doch die Wichtigkeit der Männer & nehmen brav den Platz der dem Mann Untergebenen ein.
Sehr gut