/ Wort zum Tag
Same geht auf
Die Bibelstelle Matthäus 13,37-38 – ausgelegt von Michael Laage.
Der Menschensohn ist’s, der den guten Samen sät. Der Acker ist die Welt.
Unsere Tochter hat vor kurzem einen Avocadokern zum Keimen gebracht. Vielleicht kennen Sie das: Man befestigt den abgeschälten Kern über einem Wasserglas. Es dauert einige Tage, bis der Kern aufbricht und ein zarter Keimling hervorkommt. Bald bildet er Wurzeln nach unten, und ich kann ihn in einen Topf mit Erde setzen. Es ist faszinierend, dabei zuzuschauen. Bei den meisten Samen geschieht das verborgen vor unseren Augen in der Erde -- hier passiert es ganz offen, so dass ich es sehen kann. Der Avocadokern ist ein sogenannter Lichtkeimer.
Später, viel später, kann daraus ein großer Baum werden, mit vielen Früchten - jedenfalls im warmen Klima.
Jeder Same braucht seine Zeit und die passenden Bedingungen, damit er keimt und zu einer Pflanze heranwächst. Es ist ein Wunder, das mich immer wieder fasziniert: So viel Ordnung und Plan steckt in dem kleinsten Samenkorn!
Jesus nimmt dieses Geschehen oft als Beispiel. So auch in diesem Bibel Wort: „Der Menschensohn ist's, der den guten Samen sät. Der Acker ist die Welt.“ Das steht im Matthäusevangelium im 13. Kapitel.
Der Menschensohn, das ist die Art, wie Jesus von sich selbst spricht. Er meint damit: Sohn Gottes und zugleich Sohn von Menschen. Und damit ist er Gott und im gleichen Moment den Menschen nah. In einer Weise, wie nie jemand zuvor. Deswegen kann Jesus so von Gott sprechen, wie man es bis dahin noch nie gehört hat. Zum Beispiel hat Jesus zu Gott "Vater" gesagt. Und er hat uns Menschen ermutigt, auch so vertrauensvoll zu Gott zu sprechen: "Vater unser!" Er meinte damit: Rede doch einfach mit Gott, wie du es von zu Hause, von Familie kennst. So vertrauensvoll, so nah: Vater unser!
Das ist für mich so ein Same, den er ausgestreut hat, und der in meinem Herzen aufgegangen ist. Dieses einfache Wort „Vater“ für „Gott“. Es bedeutet für mich, dass ich vertrauensvoll und frei von Angst mit Gott, dem Schöpfer von Himmel und Erde sprechen kann.
Es gibt noch viel mehr Samen, die Jesus in die Herzen und in die Lebensgeschichten von Menschen gestreut hat. Manches davon braucht viele Jahre, bevor es keimt und größer wird. Aber es ist da, in dieser Welt, und niemand kann es wegnehmen. Und es wird keimen und Frucht bringen, an vielen verschiedenen Orten, in Menschen und zwischen Menschen. Die Worte und Taten Jesu sind da, und sie wirken, oft im Verborgenen.
In unserer Kirchengemeinde mussten wir vor einiger Zeit eine Kirche entwidmen. Das ist eine Entwicklung, die ich so oder so ähnlich in vielen Gemeinden im Umkreis erlebe: Gemeindeteile werden zusammengelegt. Gebäude werden aufgegeben und verkauft. Die finanziellen Möglichkeiten und die Zahl der Kirchenmitglieder sind zurückgegangen. Es gibt Menschen, die Angst um die Zukunft der Kirche haben. Sie fragen sich: „Wohin soll das noch führen? Werden wir jetzt immer weniger?“
Das Wort Jesu macht mich dagegen zuversichtlich. Es liegt nicht nur an uns selbst oder an den gesellschaftlichen Umständen, ob die guten Worte Jesu in dieser Welt keimen und wirken und Frucht bringen.
Es ist Jesus selbst, der seine Worte, seine Liebe und seinen Geist immer neu ausstreut. Und wir dürfen uns davon überraschen lassen, wo etwas Gutes aufgeht und anfängt zu blühen. In dieser Hoffnung will auch ich alles mir Mögliche dazu tun!
© Ruth Schneider / ERF
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