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Den richtigen Ton treffen

Die Bibelstelle Jeremia 9,6 – ausgelegt von Ulrich Nellen.

Siehe, ich will mein Volk schmelzen und prüfen.

Jeremia 9,6

Manchmal gibt es in Gemeinden eine neue Glocke für den Kirchturm. Und dann können oft Menschen aus dieser Gemeinde zu einer der fünf verbliebenen Glockengießereien fahren, um mitzuerleben, wie ihre spezielle Glocke gegossen wird.

Es ist spannend, dabei zu sein und zu erkennen, dass so eine Glocke doch ein kompliziertes Ding ist, bei dem auch was schief gehen kann.

Leider kommt es eben auch vor, dass eine Glocke einen falschen Ton hat, oder einfach nicht schön klingt.

Dieses Bild fiel mir ein, als ich in der heutigen Tageslosung beim Propheten Jeremia, Kapitel 9, Vers 6 gelesen habe: „Siehe ich will mein Volk schmelzen und prüfen.“

Hier spricht Gott über sein Volk Israel, zu dem wir als Christen ja durch den Glauben an Jesus Christus auch gehören.

Im ersten Moment klingt dieser Vers eher nicht so großartig. Er klingt schmerzhaft und recht unangenehm. Beim Bild in der Bibel geht es natürlich nicht um eine Glocke, sondern um die Tatsache, dass das Volk damals mal wieder auf Wegen unterwegs war ohne Gott, ja weg von Gott. Das Interessante ist in diesem Vers jedoch, dass Gott immer noch von seinem Volk spricht und als Ziel hat, mit diesem wieder in einer guten Beziehung zu leben. Dazu gehe ich nochmals in das Bild von der Glocke:

Was passiert beim Schmelzvorgang? Ein Metallerz ist niemals 100% rein. Da sind andere Metalle drin, die nicht erwünscht sind oder auch Verunreinigen anderer Art.

Während des Schmelzprozesses verbrennen diese und die anderen Metalle können anhand der Temperaturwahl beeinflusst werden.

Immer wieder kontrollieren die Gießer daher den Schmelzprozess. Und in dem hebräischen Wort steckt schon im „schmelzen“ auch schon die „Prüfung“ drin, was dann im zweiten Wort nochmals vertieft wird.

Vom Grundtext her und auch vom Zusammenhang der Kapitel bei Jeremia wird klar, dass das Ziel des Schmelzens und des Prüfens nicht ist, sein Volk aus Israeliten und Christen auf der Müllhalde zu entsorgen, weil wir nichts taugen, sondern weil Gott uns sinnvoll gebrauchen und einsetzen möchte.

Und damit komme ich nochmal zurück zum Bild der Glocke:

Eine Glocke hat den Sinn, Menschen zu rufen, hinzuweisen auf etwas, was gerade geschieht oder geschehen wird.

Und z.B. in den Bergen hört man eine Glocke sehr weit. Will sagen: Unser Leben ist nicht sinnlos, sondern wir sind zu hören - und zu sehen. Die Berufung einer Glocke ist es, dass sie klingt und der Ton angenehm und stimmig ist. So kann es bei uns auch sein.

Und deshalb schaut Gott genau hin, wenn er mit uns zu tun hat, daher läutert er uns durch den Schmelzvorgang - und ja: Da wird's uns manchmal ganz schön heiß…

Aber vom Ziel her ist es notwendig: Ein Wohlklang - keine Misstöne - kein Scheppern wie bei einem gesprungenen Glas, was nur Unbehagen verursacht beim Gegenüber.

Und dann treffen wir auch genau den richtigen Ton, um den Anderen mit unseren Worten und Werken zu erreichen.

Und dafür lohnt sich dann auch ein „Schmelzvorgang“, bei dem wir manchmal auch ganz schön ins Schwitzen kommen, weil nicht jede Formung immer angenehm ist. Und es ist gut zu wissen, dass wir von einem Herrn dabei begleitet und geleitet sind, dessen Ziel es ist, dass wir ein Wohlklang für die Menschen sind, genau den richtigen Ton treffen - und so wie die Kirchenglocken Menschen zu Gott rufen.

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