/ Wort zum Tag
Die Gnade erzieht uns
Die Bibelstelle Titus 2,11-12 – ausgelegt von Matias Wiens.
Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und erzieht uns, dass wir absagen dem gottlosen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben.
„Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und erzieht uns, dass wir absagen dem gottlosen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben.“ (Titus 2,11–12)
Es ist erschienen, endlich ist das Paket angekommen! Wieviel mehr freue ich mich, wenn liebe Menschen, die ich lange nicht gesehen habe, endlich zu Besuch kommen. Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes. Das ist eine Freudenbotschaft! Die Gnade ist erschienen, in der Person Jesus Christus. Jesu Erscheinen ist heilsam für alle Menschen, es bringt Heil, rettet. Das feiere ich an Weihnachten. Denn, allen Menschen steht durch Jesu Kommen der rettende Weg zu ihm offen. Alle Menschen haben durch Gottes Gnade die Möglichkeit, gerettet zu werden.
Im Bibelvers folgt eine Überraschung: und erzieht uns! Die Gnade ist erschienen und erzieht uns. Ist nicht das Gericht die Erziehungsmaßnahme Gottes? Wie kann die Gnade mich erziehen? Dazu ein Beispiel, das etwas hinkt.
Das volljährige Kind will mit seinen Freunden eine Reise machen. Für alle ist klar, dass es mit dem Zug für einige Tage Richtung Nordsee geht. Da sie mit dem Deutschlandticket unterwegs sind, freut sich keiner so richtig auf die Reise von einem Regionalzug zum nächsten. Außerdem muss auf der Strecke auch noch ein Umweg gemacht werden, da ein Teilbereich gerade saniert wird. Am Tag vor der Reise sagt der Vater: „Also du kannst gerne mit meinem Auto fahren, und deine Freunde mitnehmen, wenn du vorsichtig fährst.“ Natürlich freut sich das Kind darüber und verkündet allen Freunden die Neuigkeit. Und auf eine Sache wird das Kind ganz, ganz besonders achten: Auf eine vorsichtige Fahrweise. Weil es so dankbar ist, dass es Vaters Auto nutzen darf, und sein Vater das noch betont hat. In diesem Fall erzieht die Gnade zur vorsichtigen Fahrweise.
Ähnlich erzieht uns Gottes Gnade. Ohne Gottes Gnade bin ich verloren und kann es nicht schaffen, seinen Ansprüchen gerecht zu werden. Aber er beschenkt mich unverdient mit überschwänglicher Gnade, wenn ich an ihn glaube. Je mehr ich Gottes Gnade verstehe, desto mehr wächst der Wunsch in mir, Gott zu gefallen und zu gehorchen. Das ist für mich als Christ eine größere Motivation, um mein Leben zu ändern, als irgendeine Gerichtsandrohung. Genau diese Erfahrung hat auch der berühmte Prediger Charles Spurgeon gemacht. Er sagt:
»Als ich Gott noch als Tyrannen
betrachtete, hielt ich meine Sünde
für eine Bagatelle; aber als ich ihn
als Vater kennenlernte, trauerte ich
darüber, dass ich mich überhaupt
jemals gegen ihn aufgelehnt hatte.
Wenn ich das Gefühl hatte, Gott
[und sein Gesetz] seien hart, da
fand ich es einfach zu sündigen;
aber wenn ich vor Augen hatte, wie
freundlich, gütig und überfließend
barmherzig Gott ist, da schlug ich
mir an die Brust und dachte: Wie
konnte ich nur jemals gegen den
rebellieren, der mich so sehr ge-
liebt hat und mein Bestes will?‹«
(Quelle: Charles Spurgeon (https://www.spurgeongems.org/sermon/chs2419.pdf und zitiert von Philipp Bartholomä in https://static.steps-leaders.de/magazin01.pdf. S.22)
Bleibt noch die Frage: Wozu erzieht mich die Gnade?
Die Gnade erzieht mich zu einem aktiven Nein zur Gottlosigkeit und den Begierden dieser Welt. Statt dem Treiben dieser Welt zu folgen, soll ich besonnen, gerecht und fromm handeln. In anderen Worten: Ich soll verantwortungsbewusst handeln – so, dass Gott geehrt wird. Und das aus Dankbarkeit gegenüber seiner Gnade.
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