/ Wort zum Tag
Wenn es langsam heller wird
Die Bibelstelle Sprüche 4,18 - ausgelegt von Heiko Bräuning.
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Der Gerechten Pfad glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag.
Es gibt diese besondere Zeit am Morgen, wenn es noch nicht richtig hell ist und auch nicht mehr richtig dunkel. Die Nacht ist noch da – aber sie hat ihre Macht verloren. Ich sehe noch keine Farben, aber ich ahne sie. Ich sehe noch keinen Weg, aber ich spüre: Es wird heller.
Genau dieses Bild benutzt die Bibel, wenn sie sagt: „Der Pfad der Gerechten glänzt wie das Licht am Morgen, das immer heller leuchtet bis zum vollen Tag.“ Nicht: plötzlich hell.
Nicht: schlagartig anders. Sondern: immer heller.
Der Weg – nicht der perfekte Zustand
Dieser Vers spricht nicht vom Ziel, sondern vom Pfad. Vom Weg. Vom Unterwegssein. Das ist tröstlich. Denn viele Menschen denken: Wenn ich richtig glaube, dann müsste alles klar sein.
Dann dürfte es keine Zweifel geben. Keine Umwege. Keine Müdigkeit. Aber im Buch der Sprüche heißt es: Der Weg der Gerechten ist wie der Morgen. Nicht wie der Mittag. Nicht wie der Sommer. Nicht wie das helle Licht auf einmal. Sondern: wie der erste Schimmer nach der Nacht. Vielleicht ist Ihr Leben gerade genau so: kein Sonnenaufgang in voller Pracht, sondern ein leiser Anfang.
Ein kleines Mehr an Licht. Ein vorsichtiger Schritt. Ein neuer Gedanke. Eine neue Hoffnung.
Dann sind Sie näher an diesem Bibelwort, als Sie denken.
Das Licht wächst – auch wenn ich es kaum merke.
Am Morgen sehe ich nicht, wie das Licht wächst. Ich merke es erst im Rückblick: Vorhin war es noch dunkel. Jetzt sehe ich weiter. So ist es oft auch im Leben: Ich sehe nicht, wie Gott etwas verändert. Ich merke nicht, wie ich innerlich wachse. Ich spüre nicht, wie mein Vertrauen größer wird. Aber irgendwann schaue ich zurück und sage: „Damals hätte ich das nicht ausgehalten.“ „Damals hätte ich das nicht verstanden.“ „Damals wäre ich daran zerbrochen.“ Und plötzlich merke ich: Es ist heller geworden. Nicht, weil alles leicht war.
Sondern weil Gott mitgegangen ist.
Das Morgenlicht mitten im Schatten
Der Morgen kommt nicht, weil die Nacht freundlich ist. Sondern weil das Licht stärker ist. So ist es auch mit der Gerechtigkeit: Sie wächst nicht, weil die Welt gerecht wäre. Sondern weil Gott treu ist. Vielleicht kennen Sie das: Sie haben versucht, fair zu bleiben, und es hat Ihnen Nachteile gebracht. Sie haben versucht, ehrlich zu sein, und es wurde Ihnen schlecht ausgelegt. Sie haben versucht, zu vergeben, und wurden wieder verletzt. Und dann fragt man sich:
Lohnt sich das überhaupt? Gott sagt: Ja. Auch wenn es weh tut. Auch wenn es schwer ist.
Auch wenn es nicht sofort sichtbar ist. Denn dein Weg ist nicht umsonst. Er ist wie der Morgen:
leise, unscheinbar, aber unaufhaltsam.
Jesus – der Weg im Licht
Wenn ich über diesen Weg spreche, spreche ich im Kern über Jesus. Er ist diesen Weg selbst gegangen: Er hat Gutes getan – und wurde dafür abgelehnt. Er hat Wahrheit gesagt – und wurde dafür verspottet. Er hat geliebt – und wurde dafür gekreuzigt. Und trotzdem ist er nicht im Dunkel geblieben. Der Ostermorgen zeigt: Das Licht setzt sich durch. Nicht durch Gewalt. Nicht durch Macht. Sondern durch Treue. Jesus ist wie dieser Pfad aus den Sprüchen: Er beginnt im Dunkel – und endet im Licht. Wenn ich diesen Weg gehe, dann bin ich nicht verloren. Dann seid ihr selig – nicht weil es leicht ist, sondern weil Gott Sie sieht.
Für die, die müde sind
Vielleicht hören Sie diese Andacht und denken: Ich sehe dieses Licht gerade nicht. Ich bin eher in der Nacht. Dann ist diese Botschaft für Sie: Der Morgen beginnt nicht, wenn Sie ihn fühlen.
Sondern, wenn Gott ihn schenkt. Vielleicht ist Ihr Morgen heute nur ein Gedanke: Es könnte wieder hell werden. Vielleicht nur ein Satz: Ich halte durch. Vielleicht nur ein Gebet: Herr, bleib bei mir. Das reicht. Denn das Licht wächst nicht sprunghaft. Es wächst langsam.
Vielleicht können Sie heute Ihr Leben so betrachten: Nicht als fertiges Bild, sondern als Weg im Morgengrauen. Noch nicht klar. Noch nicht vollendet. Aber auf dem Weg. Und Ihnen gilt: Sie sind nicht vergessen. Ihr Leiden ist nicht sinnlos. Ihre Treue ist nicht vergeblich.
Der Pfad der Gerechten wird heller. Nicht weil wir perfekt sind. Sondern weil Gott treu ist.
Gebet
Lieber Vater im Himmel,
manchmal ist unser Leben noch wie in der Nacht.
Wir sehen nicht weit.
Wir verstehen nicht alles.
Wir tragen Fragen und Schmerz.
Danke, dass du uns versprichst:
Es wird heller.
Nicht auf einmal.
Aber Schritt für Schritt.
Stärke alle, die müde sind.
Tröste alle, die leiden.
Bewahre alle, die versuchen, gerecht zu leben.
Und lass uns vertrauen,
dass dein Licht stärker ist
als jede Dunkelheit.
Amen.
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