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/ Bibel heute

Unter Gottes Schutz

Friederike Schulte über Psalm 91.

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: / Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der verderblichen Pest.

Psalm 91

An welchem Ort fühlen Sie sich richtig sicher? So zutiefst geborgen? Gibt es für Sie so einen Ort?

Ich verkrieche mich dafür gerne in meinem WG-Zimmer, ich nenne es auch oft „meine Höhle“. Besonders wenn es mir gerade nicht so gut geht. Oder wenn mich auf dem Weg mit meinem Fahrrad das schlechte Wetter mal wieder so richtig erwischt hat. Zuhause angekommen, versinke ich dann am liebsten in meinen großen Ohrensessel, eingekuschelt in eine weiche Decke, Füße hoch, eine Kerze brennt, heißer Tee, mir wird langsam wieder warm. Der Regen prasselt auf die Dachschräge, der Wind pfeift ums Haus, aber das kann mir dann alles nichts mehr. Die Welt kann sich drehen, wie sie will, hier steht jetzt alles still. Hier bleibe ich. Und lasse mich fallen.

Manchmal überrascht mich auch das Leben mit einem Unwetter. Schwere, dunkle Wolken ziehen plötzlich auf und schieben sich vor die Sonne. Ein kalter Regenschauer durchnässt unerwartet bis auf die Haut. Ein bedrohliches Gewitter lässt mich vor Angst erzittern. Wohin flüchte ich dann? Wo kann ich mich verkriechen? Gibt es dann auch einen Ort, an den ich mich innerlich zurückziehen können?

Der Beter von Psalm 91 macht dazu am Anfang seines Psalms eine sehr klare und eindeutige Aussage. Er bekennt: Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem HERRN: Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe. Den ganzen Psalm durchziehen Bilder der damaligen Zeit, die diesen sicheren Gottesort beschreiben. Er ist wie ein Schirm, der Schatten spendet und schützt. Wie eine feste Burg. Wie ein Schild, der alle Angriffe abwehrt. Wie die Zuflucht, die kleine Vögel unter den Flügeln ihrer Eltern finden. Hier sollte ich sitzen - und am besten auch bleiben. Der Psalmbeter beschreibt den allumfassenden Schutz Gottes. Er kann erretten, bewahren, herausreißen und seine Engel aussenden. Wer sich an ihn hält, wird behütet vor Pfeilen, Seuchen, der Pest, Grauen der Nacht, gefährlichen Tieren und allem erdenklichen Übel. Einige Verse davon klingen so schön, dass sie es schon in sehr bekannte Lieder geschafft haben.

Ja, aber …

Und während ich lese, wie der Psalmbeter nach seinem Eingangsbekenntnis ausführlich begründet, wie groß dieser Schutz ist, formt sich in mir langsam ein „Ja, aber…“ Und das wird immer größer und lauter. Ja, aber… - werden Gläubige nicht trotzdem von schweren Krankheiten getroffen? Was ist mit dem Unfall, der alles verändert hat? Der erschütternden Diagnose? Oder was ist mit dem Arbeitsplatz, den ich verloren habe? Der Beziehung, die zerbrochen ist und mir so viele Schmerzen bereitet? Dem Mobbing, das ich erlebe und die vielen Worte, die wie Pfeile mein Innerstes zutiefst verletzen? Haben da Gottes Schutzengel geschlafen, sodass ich doch gestolpert bin? Oder haben sie mich kurz fallen gelassen?
 Ja, es ist wahr – auch ich erfuhr in meinem Leben schon viel Bewahrung und ich kenne auch andere, die auf übernatürliche Weise behütet wurden. Gott ist groß, er kann. Ich glaube auch, dass ich tagtäglich vor vielem bewahrt werde, ohne dass ich es überhaupt merke. Aber eben nicht immer. Und nicht vor allem. Manchmal kann das Leben sehr hart sein. Und unfassbar zerbrechlich. Und doch gibt es trotz allem und in allem diesen einen Ort, an dem ich mich immer verkriechen kann, an dem ich Schutz und Geborgenheit erlebe, gerade in den schlimmsten Stürmen. Dieser Ort, der ist in der Gegenwart des allmächtigen Gottes. Es gibt keinen sichereren Ort auf dieser Welt als in seiner Nähe

Angst und Geborgenheit

Wenn ich in ein Unwetter gerate, packt mich die Angst. Angst engt mein Sichtfeld ein. Tunnelblick. Scheuklappen. Ich sehe nur noch die Gefahr. Ich sorge mich darum, was alles passieren könnte. Fühle mich zutiefst bedroht. Gerade dann gilt es, diesen Gott zu suchen und mich bei ihm zu bergen wie in meinem großen Ohrensessel. Von ihm umgeben zu sein wie von meiner großen Kuscheldecke. Bei ihm zu sitzen, zu bleiben, eine Zeit zu verweilen. Und dann wie der Psalmdichter in Vers 2 zu beten: Du bist mein Gott, auf den ich hoffe. Du bist meine Zuversicht. Oft erlebe ich, dass Gott meine Sicht dann wieder weitet. Er gibt mir neue Zuversicht. Ja, es gibt Gefahr, ja, es können schlimme Dinge passieren. Ja. Aber es gibt noch mehr. Es gibt einen Gott, der größer ist. Nichts ist für ihn unmöglich. Und in ihm – und das ist vielleicht noch viel wichtiger – kann ich mich auch in der größten Not geborgen fühlen.

Die letzten drei Verse des Psalms wechseln nochmal die Perspektive. Hier scheint nun nicht mehr der Psalmbeter zu reden, sondern Gott. Gott spricht ihm zu: Er liebt mich, darum will ich ihn erretten. Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören. Und schließlich: Ich will ihn sättigen mit langem Leben und will ihm zeigen mein Heil.  Was für Verheißungen! Gott verspricht nicht, dass es keine Not mehr geben wird. Im Gegenteil, er geht offensichtlich sogar davon aus, dass wir in schwierige, vielleicht sogar lebensgefährliche, Situationen kommen. Aber er verspricht: es wird sich etwas verändern, wenn ich ihn suche. Kann sein, dass Gott dabei nicht immer nach meinen Vorstellungen handelt, wie die Rettungsaktion konkret auszusehen hat. Aber er wird sich kümmern und mich nicht im Stich lassen. Gott wird mir etwas geben, das mich satt und zufrieden macht. Ich darf etwas entdecken von seinem umfassenden Heil für mich. Hoffen auf eine heile Welt, in der es einmal wirklich keine Unwetter und Schmerzen mehr geben wird. Und bis dahin kann mich nichts und niemand von seiner Liebe für mich trennen.

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