/ Bibel heute
Liebe ist gefragt
Der Bibeltext 1. Johannes 2,7-11 – ausgelegt von Rahel Haller.
Meine Lieben, ich schreibe euch nicht ein neues Gebot, sondern das alte Gebot, das ihr von Anfang an gehabt habt. Das alte Gebot ist das Wort, das ihr gehört habt. Und doch schreibe ich euch ein neues Gebot, das wahr ist in ihm und in euch; denn die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint schon. Wer sagt, er sei im Licht, und hasst seinen Bruder*, der ist noch in der Finsternis.[...]
Das Gebot der Liebe ist alt
Nicht ein neues Gebot, sondern das alte Gebot, das aber gleichzeitig auch ein neues Gebot ist … Ich denke, die Empfänger des Johannesbriefs im ersten Jahrhundert waren genauso verwirrt wie Sie und ich jetzt gerade. Was ist es denn nun und was bedeutet das für uns?
Lassen Sie uns den Textabschnitt etwas genauer betrachten: Der Apostel Johannes beschäftigt sich im 1. Johannesbrief öfters damit, wie das Leben eines Christen aussehen sollte und woran echter Glaube erkennbar wird. Der heutige Abschnitt beschäftigt sich genau damit. Es geht um das Gebot der Liebe und dem Leben im Licht. Und das ist heute für Sie und mich genauso relevant und wahrscheinlich genauso herausfordernd wie für die Christen damals.
„Das alte Gebot ist das Wort, das ihr gehört habt.“ (V. 7b), heißt es. Vielleicht ist hier das Wort Jesu gemeint, der seinen Jüngern im Johannesevangelium, Kapitel 13,34, das Gebot gibt, dass sie einander lieben sollen, so wie Jesus sie geliebt hat, denn daran wird jeder erkennen, dass sie seine Jünger sind.
Auch im Alten Testament ist das Gebot der Nächstenliebe bekannt, und Jesus hebt es als eines der wichtigsten Gebote hervor.
Das Gebot der Liebe ist neu
Und damit bin ich bereits bei dem 2. Punkt, „Das Gebot der Liebe ist neu“. Denn erst in Jesus wird für die Menschen sichtbar, wie diese Nächstenliebe aussieht. JesusChristus, ganz Gott und ganz Mensch, verlässt die Herrlichkeit des Himmels und kommt auf die Erde, um für die Schuld der Menschen zu sterben und sie mit dem Vater zu versöhnen. Auch für Sie und für mich.
Er hat uns so sehr geliebt, dass das Kreuz ihm nicht zu schwer, die Verletzungen ihm nicht zu schmerzhaft sind, er die Ablehnung der Menschen erduldet, sich verspotten lässt und den Tod erträgt, sodass alle, die an ihn glauben, durch seine Auferstehung mit ihm in Ewigkeit auferstehen.
Das ist das Evangelium, die gute Nachricht, die diese göttliche Liebe zeigt, die es noch nie vorher gegeben hat. Jesus hat ALLES gegeben, sich ganz hingegeben. Aus Liebe zu uns.
Und jetzt sollen wir auch lieben. Das ist das neue Gebot.
Wer liebt, ist im Licht
Ich habe den Abschnitt in vier einfache Punkte zusammengefasst und erläutere sie anschließend nacheinander. Die Punkte sind:
- Das Gebot der Liebe ist alt.
- Das Gebot der Liebe ist neu.
- Wer liebt, ist im Licht.
- Wer nicht liebt, ist in der Dunkelheit.
Ich beginne mit dem ersten Punkt, „das Gebot der Liebe ist alt“. Keine neuen Schlagzeilen, keine bahnbrechende Veränderung. Johannes betont, dass er nichts Neues von den Christen der Gemeinde fordert, sondern nur das, was sie eigentlich bereits wissen und leben sollten.
Und der dritte Punkt schließt daran direkt an: Wer liebt, ist im Licht. Jesus hat uns damit ein Beispiel gegeben, wie wir uns gegenseitig lieben sollen. Und das ist manchmal schwer. Manchmal hart.
Es ist hart, wenn ich Kinder liebevoll jahrelang erziehe und sie irgendwann vielleicht den Kontakt abbrechen. Oder wenn ich meinem Partner jeden Tag liebevoll Frühstück mache und er sich nie bedankt oder die Ehe trotzdem in die Brüche geht. Wenn ich für andere alles gebe, aber sich niemand um mich kümmert.
Aber das ist diese selbstlose Liebe, die unabhängig vom Ergebnis ist und sich selber ganz hingibt. Nicht, weil ich mich dadurch besser fühle oder etwas bekomme, sondern weil ich in Jesus schon alles bekommen habe und deshalb meinen Nächsten liebe. Aus der Fülle Gottes und nicht aus meinem menschlichen Mangel heraus.
Und hier verwendet Johannes das Bild vom Licht. Wenn wir lieben, leben wir im Licht. Das Bild von Licht wird oft verwendet für Gott und steht im Gegensatz zur Dunkelheit.
Vers 10 sagt: „Wer seinen Bruder liebt, (lebt) bleibt im Licht.“
Das ist eine einfache Aussage, und doch hängt so viel daran. Ich möchte gerne im Licht leben. Regelmäßig versage ich darin, zu lieben. Und dann erinnere ich mich immer wieder daran, wie oft es in Gottes Wort heißt, dass ich selber es auch nicht verdient habe, geliebt zu werden, und Jesus es trotzdem tut.
Und ich mache mir bewusst, dass es nicht mein Urteil ist, ob die Mitmenschen Liebe verdienen. Jesus fordert von seinen Nachfolgern diese Liebe, und ihm will ich gehorchen. Und so oft habe ich schon erlebt, dass der Heilige Geist mir hilft, Leute zu lieben, und es plötzlich so viel leichter gefallen ist.
Denn in erster Linie ist dieses Liebesgebot keine Emotion, sondern eine Entscheidung zum Gehorsam meinem Herrn gegenüber.
Wer nicht liebt, ist in der Dunkelheit
Und daraus folgt der vierte Punkt: Wer nicht liebt, ist in der Dunkelheit. Das ist eine Realität, genauso wie das Wandeln im Licht. Finsternis geht mit Orientierungslosigkeit einher, und Gott ist nicht in der Dunkelheit.
Kurz und knackig, aber auch ehrlich. Unsere Liebe zu den Menschen und zu Gott entscheidet, wo wir in Ewigkeit wandeln. Ich möchte nicht in der Finsternis wandeln, sondern im Licht. Und bin dankbar, dass Johannes uns in diesem Abschnitt an das alte Gebot erinnert, das gleichzeitig neu ist und relevant für uns heute.
Lasst uns im Licht leben und die Menschen lieben, so wie Christus uns geliebt hat!
© Ruth Schneider / ERF
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