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/ Bibel heute

Gott steht zu seinem erwählten Volk

Gerhard Braun über Jesaja 41,8–20.

Du aber, Israel, mein Knecht, Jakob, den ich erwählt habe, du Same Abrahams, meines Geliebten, du, den ich fest ergriffen habe von den Enden der Erde her und berufen von ihren Grenzen, zu dem ich sprach: Du sollst mein Knecht sein; ich erwähle dich und verwerfe dich nicht –, fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.[...]

Jesaja 41,8–20

Was für eine Zusage, was für eine Liebeserklärung, was für eine Aufwertung, die Gott seinem Volk durch den Propheten Jesaja hier zuspricht! Wie wohltuend auch angesichts des Krieges und Terrors, die in Israel herrschen! Und gerade angesichts der Macht der Feinde bekommen diese Verse aus dem Buch Jesaja eine ganz besondere Bedeutung: „Gott steht zu seinem erwählten Volk“ – so ist dieser Text in der Luther-Bibel überschrieben –

„Gott steht zu seinem erwählten Volk“ - das entfaltet der Text in dreifacher Weise:

1. Gott steht zu seinem Volk

- aufgrund seiner Erwählung. Bereits auf den ersten Seiten der Bibel im 5. Buch Mose spricht Gott zu seinem Volk: „Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. (7) Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, (8) sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat (5. Mose 7).“

Gott erwählt Israel - Warum tut er das? Wenn wir heute wählen und auswählen, dann suchen wir die Besten, die Schönsten die Begabtesten aus. Wer im Supermarkt einkaufen geht, der wählt Pilze Klasse I oder Eier Güteklasse A. Gottes Erwählungsprinzipien sind ganz anders: Nicht die Schönsten, Besten und Begabtesten sind bei Gott gefragt. Nein, Gott hat eine Schwäche für die Schwachen – für die Armen und Verachteten – und seine Erwählung geschieht aus Liebe: Weil ich Dich liebhabe, Volk Israel, darum erwähle ich Dich.

Was Gott damals seinem Volk durch Mose ausrichten ließ, findet hier seine Bestätigung: Israel, Du sollst mein Knecht sein ich erwähle dich und verwerfe dich nicht – so lässt es Gott seinem Volk durch Jesaja sagen. Das ist nicht nur eine Bestätigung der Erwählung, es ist auch eine Erweiterung: ich verwerfe dich nicht. Das bedeutet doch: Gottes Erwählung hat Bestand – durch die Geschichte des Volkes hindurch. Gott bleibt treu – trotz allen Versagens und Ungehorsams, die wir bei Israel auch finden. Durch die Geschichte zeigt sich: Gott steht zu seinem Volk.

Und was für Israel gilt, das dürfen wir uns als Christen auch zusprechen lassen. Wir sind durch Christus erwählt – gehören nun auch zu seinem Volk und stehen unter seinem besonderen Schutz.

2. Gott steht zu seinem Volk

– das zeigt sich auch in seiner liebevollen Anrede: „Du aber Israel, mein Knecht Jakob, den ich erwählt habe,“ „Spross Abrahams meines Geliebten“, …

Knecht und Geliebter – das sind Beziehungsworte, damit macht Gott deutlich: ich möchte Beziehung zu meinem Volk Israel damals - und auch zu uns heute. Christen gehören zu ihm, sind sein Eigentum – Menschen in seiner Hand. Menschen, die Gott sieht und liebt – Menschen, für die er sorgt und um die er sich kümmert

Und auch wenn später vom „Würmlein Jakob, du armer Haufe Israel“ die Rede ist – so ist das keine Abwertung. Nein, es zeigt die Abhängigkeit des Volkes von seinem Gott: Israel, ohne mich bist du nur ein Würmlein – nur ein armer Haufe, der sich selber nicht helfen kann. Aber weil ich dich erwählt habe, darfst du dich auf mich verlassen. Ich stehe ich zu Dir und trage dich durch.

3. Gott steht zu seinem Volk 

- das zeigt sich auch in seiner verbindlichen Zusage: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir; weiche nicht, denn ich bin dein Gott. Ich stärke dich, ich helfe dir auch, ich halte dich durch die rechte Hand meiner Gerechtigkeit.“

Was für ein Zuspruch! Was für eine Fürsorge!

Fünf Gründe nennt der lebendige Gott, warum Israel sich nicht zu fürchten braucht – fünf Gründe, warum auch wir unsere Angst bei ihm ablegen können. Es ist, als ob eine Mutter ihr Kind auf den Schoß nimmt, und fragt: „Wie viele Finger hast du an deiner Hand?“ -  „Fünf“, so die Antwort des Kindes. – „Also dann wollen wir mal anhand der fünf Finger aufzählen, warum du dich nicht zu fürchten brauchst …“

Finger Nr. 1: Fürchte dich nicht – ich bin mit Dir

Eine ältere Frau sagte mir beim Hausbesuch: „Ich hatte solche Angst vor der bevorstehenden Operation. Aber auf einmal wurde ich ganz ruhig. Ein tiefer Friede erfüllte mein Herz in dem Wissen: Du, Jesus bist ja bei mir und sprichst zu mir:  ‚Fürchte Dich nicht, ich bin mit Dir‘.“

Finger Nr. 2: Fürchte Dich nicht, denn: Ich bin Dein Gott

Das bedeutet doch: Ich, der lebendige Gott, der Allmächtige – ich stehe dir zur Seite – ich kenne deine Herausforderungen und was du selbst nicht zu bewältigen vermagst.

Finger Nr. 3: fürchte Dich nicht, denn Ich stärke dich

Da wo dir die Kraft ausgeht, da darfst du bei mir wieder auftanken.

Finger Nr. 4: Fürchte Dich nicht

Ich helfe dir – da, wo du keinen Ausweg siehst, da schaffe ich eine neue Perspektive.

Und Finger Nr. 5: Fürchte dich nicht – ich halte dich

Wo der Boden unter deinen Füßen einzubrechen droht, da gilt: Du kannst nicht tiefer fallen als in meine Hand, die dich nie und nimmer loslassen wird.

Was für Zusagen gerade angesichts der Bedrohung durch die Feinde, von denen hier auch die Rede ist. Israel, mein Knecht – ich stehe zu Dir!

Gott verspricht aber nicht nur Stärkung und Halt. Gott verheißt seinem Volk auch den Sieg über seine Feinde: „(11) Siehe, zu Spott und zuschanden sollen werden alle, die dich hassen; sie sollen werden wie nichts und die Leute, die mit dir hadern, sollen umkommen.“

Aber dann schenkt Gott noch einen herrlichen Ausblick auf die Zukunft: Er richtet den Blick auf sein Friedensreich, wo die Wüste zum Garten wird und Hunger und Durst für immer gestillt werden. „(18) Ich will Wasserbäche auf den Höhen öffnen und Quellen mitten auf den Feldern und will die Wüste zu Wasserstellen machen und das dürre Land zu Wasserquellen.“ So heißt es hier am Ende des Textes.

Was für ein Gott, der so zu seinem Volk steht und auch zu uns heute.

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