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/ Bibel heute

Geschenktes Land

Der Bibeltext 5. Mose 9,1-6 – ausgelegt von Stefano Fehr.

Höre, Israel, du wirst heute über den Jordan gehen, damit du hineinkommst, das Land der Völker einzunehmen, die größer und stärker sind als du, große Städte, ummauert bis an den Himmel, ein großes, hochgewachsenes Volk, die Anakiter, die du kennst, von denen du auch hast sagen hören: Wer kann wider die Anakiter bestehen? So sollst du nun heute wissen, dass der HERR, dein Gott, vor dir hergeht, ein verzehrendes Feuer. Er wird sie vertilgen und wird sie demütigen vor dir, und du wirst sie vertreiben und bald vernichten, wie dir der HERR zugesagt hat.[...]

5. Mose 9,1–6

Gottes Gnade als Grundlage des Sieges

Der Text aus 5. Mose, Kapitel 9 steht im Rahmen der Abschiedsreden von Mose an Israel. Er spricht nach vierzig Jahren Wüste, nach Versagen, Umwegen und Geduld kurz vor dem Einzug in das verheißene Land. Mose erinnert das Volk an Gottes Handeln in der Vergangenheit und warnt es eindringlich vor geistlichem Hochmut. Jetzt, wo Israel kurz vor dem Einzug ins verheißene Land steht, wird klar: Vor ihnen stehen mächtige Völker, befestigte Städte und scheinbar unüberwindbare Gegner. Mose beschreibt die Gegner als „hochgewachsene Männer, mit denen keiner es aufnehmen kann." In dieser entscheidenden Situation spricht Mose nicht über Mut oder Strategie – sondern über Gnade.

Mose betont bewusst die Unmöglichkeit der Aufgabe aus menschlicher Sicht. Die Anakiter scheinen ein unüberwindbarer und furchteinflößender Gegner zu sein. Damit wird sofort klar, Israel kann den Sieg niemals aus eigener Kraft schaffen. Mose sagt seinem Volk Israel zu: „Ihr werdet erleben, dass Gott vor euch herzieht wie ein verzehrendes Feuer. Er wird sie vor euch in die Knie zwingen." Hier erkenne ich Gottes Heiligkeit und Macht. Gott ist nicht nur ein Helfer, nein Gott ist es, der alles tut, er wird den Sieg erringen, nicht die Israeliten.

Nicht eigene Frömmigkeit, sondern Gottes Treue

Mose sieht die Gefahr, dass die Israeliten nach einem Sieg diesen schnell als ihre eigene Leistung verbuchen. Mose sagt: „Wenn der Herr sie vor euch vertreibt, dann denkt nicht: ›Wir können dieses Land in Besitz nehmen, weil wir so leben, wie es dem Herrn gefällt…‹ Nicht, weil ihr so rechtschaffen und aufrichtig seid, kommt ihr hinein… Der Herr, euer Gott, gibt euch dieses Land nicht, weil ihr so lebt, wie es ihm gefällt. Denn ihr seid ein eigensinniges Volk." Mose ist es wichtig, klarzustellen, dass die Israeliten das Land nicht wegen ihrer eigenen Frömmigkeit oder guten Taten, sondern wegen Gottes Treue zu seinem ewigen Bund einnehmen werden. Gott liebt sein Volk Israel und alles, was Er für sein Volk tut, tut er aus Liebe und Gnade. Gott ist ein gnädiger und liebender Gott.

Das ist auch heute noch der Fall. Durch Jesu Kommen auf diese Erde, durch Sein Sterben für unsere Sünde und Seine Auferstehung will Gott uns ewiges Leben schenken. Und auch hier wird klar: Ewiges Leben erhalte ich nur aufgrund dessen, was Jesus für mich getan hat und nicht aufgrund dessen, was ich tue. Wie Mose es bei Israel vorhergesehen hat, dass sie einen Sieg als eigene Leistung verbuchen, so stehe auch ich heute in der Gefahr zu meinen, dass ich etwas zu meiner Rettung beitragen könnte. Dass ich ein Kind Gottes sein und später einmal bei Ihm sein darf, hat nur damit zu tun, dass Gott mich liebt und er mir gnädig ist. Dieses Wissen bewahrt mich vor Stolz und soll mich zur Dankbarkeit Gott gegenüber führen.

Befreiende Erfahrung: Das Zeugnis aus Aserbaidschan

Ich arbeite bei der Ev. Karmelmission. Wir berichten Muslimen davon, dass Jesus Christus uns ewiges Leben anbietet und das nur aufgrund Seiner Gnade. Ich erlebe es immer wieder, wie befreiend es für Menschen ist, wenn sie verstehen, dass sie gar nichts dazu beitragen können, ewiges Leben zu erhalten, sondern dass Jesus alles für sie getan hat.

Einer unserer Mitarbeiter in Aserbaidschan ist selbst ehemaliger Muslim. Er stammt aus dem Volk der Lesgier, die dafür bekannt sind, eine radikale Form des Islam zu verfolgen. Dieser Mitarbeiter berichtete mir von einer Begebenheit, die er erst vor einigen Wochen erlebt hatte. Er berichtete: „Letzte Woche rief mich ein Freund spät nachts an, um mich zu warnen. ‚Ich habe gehört, dass ein als gefährlich bekannter Mann vor deiner Haustür steht', sagte der Freund zu mir und weiter meinte er: ‚An deiner Stelle würde ich die Polizei anrufen.'

Ich schaute auf die Straße. Tatsächlich war da jemand. Ich machte die Tür auf und bat den Mann, hereinzukommen. ‚Landsmann, es ist kalt', sagte ich. ‚Du scheinst mit mir etwas Wichtiges besprechen zu wollen.' Überrascht von dieser Einladung trat der unbekannte Gast in die Wohnung ein und saß nun vor mir. Er stellte sich mir vor. Er heiße Ramin und wohne seit seiner Haftentlassung in Baku. Er sei 55 Jahre alt und arbeite als Nachtwächter einer Textilfabrik. ‚Ramin, du müsstest doch jetzt eigentlich auf dem Fabrikgelände sein', sagte ich. ‚Du hast ganz sicher etwas Wichtiges, das du mir mitteilen musst, wenn du deshalb nicht zur Arbeit gehst.' Bevor Ramin mir eine Antwort geben konnte, kam meine Frau ins Zimmer und fragte ihn, ob er etwas essen möchte. Sie hätte Gemüsesuppe nach lesgischer Art gekocht. Es war schon fast Mitternacht und wir saßen am Küchentisch. Ich wusste immer noch nicht, warum Ramin mitten in der Nacht vor unserer Haustür herumstand. Als ich noch mit diesem Gedanken beschäftigt war, stand Ramin plötzlich auf und bat mich unter Tränen, die Polizei anzurufen. ‚Ich kam hierher, um dir etwas Böses anzutun', sagte er. ‚Der Mullah meinte, ich sei aufgrund meiner Verbrechen und meines schlechten Lebensstils ein verdorbener Muslim und auf dem besten Weg, in die Hölle zu kommen. Meine einzige Hoffnung wäre es, einen Feind Allahs zu beseitigen. Nur das könnte Allah zufriedenstellen.' Ich war schockiert, aber beherrschte mich. ‚Es gibt keinen Grund, die Polizei anzurufen', sagte ich. ‚Du hast mir ja nichts angetan. Ramin. Du bist ein netter Mensch und sogar ehrlich.' Bis zur Morgendämmerung sprachen wir über Jesus und seine Liebe zu den Sündern. Es war solch ein Trost für Ramin, dass auch er ewig im Reich Gottes leben kann, wenn er an Jesus Christus, den Sohn Gottes, glaubt. Ich schenkte ihm ein Neues Testament und unser Büchlein ‚Wie beten wir?' und las mit ihm zusammen die ersten fünf Kapitel des Matthäus-Evangeliums. Ramin ist ein freundlicher Mensch und offen für das Evangelium. Er kam gestern pünktlich zum Bibelunterricht in unsere Gemeinde." Soweit unser Mitarbeiter aus Aserbaidschan.

Fazit: Alles verdanke ich Gottes Gnade

Ramin hat verstanden, dass er nichts dazu beitragen kann, ewiges Leben zu erhalten. Es wurde ihm klar, dass Jesus Christus alles für ihn getan hat. Er ist jetzt befreit davon, sich von sich aus bessern zu müssen, oder sogar etwas dafür zu tun, um seine Sünden loszuwerden. Wenn ich an 5. Mose 9 zurückdenke, wird mir Gottes Gnade wieder so wichtig. Für Mose ist entscheidend: Wenn Israel das Land betritt, soll es nie vergessen: Sie konnten das Land nicht wegen ihrer Gerechtigkeit, nicht wegen ihrer Stärke und nicht wegen ihrer Frömmigkeit einnehmen. Sie konnten den Sieg nur aufgrund von Gottes Gnade erringen. Und so erkenne ich, dass auch ich mich ganz auf Gott verlassen kann. Gerade in meinem täglichen Leben, wo ich sicher sein darf, dass Gott mich trägt und er alles tun kann, auch wenn es für mich vielleicht aussichtslos erscheint. So erkenne ich wieder neu, dass auch die Tatsache, dass Gott mir ewiges Leben geschenkt hat, nur Seiner Liebe und Gnade zu verdanken ist.

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Kommentare (2)

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Rike /

Herzlichen Dank für die klare, sehr gute Auslegung des Bibeltextes und das eindrückliche Beispiel!

Lisa T. /

Danke für diese klare und gute Ausführung zum.bibl. Text!!!