/ Bibel heute
Drei Fotos
Der Bibeltext 5. Mose 8,1-20 – ausgelegt von Esther Mann.
Alle Gebote, die ich dir heute gebiete, sollt ihr halten, dass ihr danach tut, damit ihr lebt und zahlreich werdet und hineinkommt und das Land einnehmt, das der HERR euren Vätern zugeschworen hat. Und gedenke des ganzen Weges, den dich der HERR, dein Gott, geleitet hat diese vierzig Jahre in der Wüste, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit kundwürde, was in deinem Herzen wäre, ob du seine Gebote halten würdest oder nicht. Er demütigte dich und ließ dich hungern und speiste dich mit Manna, das du und deine Väter nie gekannt hatten, auf dass er dir kundtäte, dass der Mensch nicht lebt vom Brot allein, sondern von allem, was aus dem Mund des HERRN geht.[...]
Eine Nachricht zum Nachdenken
Pling, gerade kommt eine Nachricht auf mein Handy und ich schaue schnell noch, wer mir etwas geschickt hat, bevor ich mit dem Schreiben dieser Andacht beginne.
Da bekomme ich doch tatsächlich drei Fotos. Das erste von einem frisch gefüllten Kühlschrank. Sehr lecker, was da alles zu sehen ist. Das andere Foto zeigt die Schubladen eines Gefrierschrankes - auch alles voll mit Pizzen, Brot und anderen Produkten für den Backofen. Das dritte Foto zeigt einen Vorrat an Hundefutter für den lieben Dackel. Unser Freund und selbsternannter Pflegesohn war einkaufen mit seiner Helferin. Es ist Monatsende und er hat sein Gehalt bekommen. Nun hat er die Sachen eingeräumt und möchte die Freude über diese schönen Vorräte mit mir teilen.
Direkt davor habe ich den Bibeltext gelesen, den Sie soeben gehört haben. Es klingt mir noch im Ohr bei Vers 9: „Der Herr, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo es dir an nichts mangelt …“ Und ebenso dann die Ermahnung in Vers 10: „Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den Herrn, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat.“
Gottes Führung durch die Wüste
Mose hält Rückschau über die letzten 40 Jahre, die er mit dem Volk Israel durch die Wüste gewandert ist. Es waren Zeiten der Prüfungen in mancherlei Schwierigkeiten. Die Überschrift könnte auch lauten: „Vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ Sie haben Wunder über Wunder erlebt. Allein die Tatsache, dass die Kleider und Schuhe der Wüstenwanderer nicht kaputt gegangen sind. Das ist doch der Hammer und kaum vorstellbar! Selbst die Füße sind nicht angeschwollen!
Vor einigen Jahren machte ich eine große Reise und hatte dadurch drei Nächte in Folge kein Bett zur Verfügung. Geschlafen haben wir so halb im Sitzen. Nach dieser Reise hatte ich fast eine Woche geschwollene Füße und das tat zudem richtig weh. So etwas haben die Israeliten nach 40 Jahren nicht gespürt.
In all den guten Erfahrungen haben sie aber auch große Not erlebt. Sie litten Hunger und Durst. Gott hatte Schwierigkeiten zugelassen, um die Gesinnung des Volkes zu prüfen. Aber sie haben auch die Wunder von Manna in der Wüste und Wasser aus dem Felsen miterlebt. Damit konnten sie überleben und dem Ziel entgegenleben. Das Ziel war ein gutes Land, in dem ihnen Milch und Honig, Oliven und Trauben, schöne Häuser und große Viehbestände versprochen wurden. Alles Symbole für Wohlstand und Glück.
Dankbarkeit im Alltag
Wie leben Sie heute? Haben Sie ein Dach über dem Kopf? Haben Sie einen vollen Kühlschrank? Haben Sie genug Kleidung für jede Witterung und Jahreszeit? Ich muss zugeben: Ja, das haben mein Mann und ich alles. Gott sei Dank!
Bin ich immer dankbar dafür? Im Prinzip schon, aber sehr oft ist es für mich selbstverständlich, dass wir das haben. Unser Pflegesohn hat mir wohl deshalb die Fotos von seinem vollen Kühlschrank geschickt, weil er dankbar dafür ist. Manch älterer Mensch hat mir schon mit Freude und Stolz seinen Besitz gezeigt mit den Worten: „Das haben wir uns alles hart erarbeitet!“
Es ist schön, sich dankbar zu freuen, doch im 5. Mose 8,18 steht: „Denkt vielmehr an den Herrn, euren Gott, der euch die Kraft gibt oder gegeben hat, euren Reichtum zu erwerben. Werdet nicht überheblich, nehmt es nicht selbstverständlich.“ Gott hat dafür gesorgt, dass Krankheit oder auch die Giftschlangen in der Wüste euch nicht zu Tode bringen konnten. Wer hat euch ernährt, früher mit Manna und nun mit den Früchten des Feldes? Es sind alles Geschenke unseres Gottes, ich sage: unseres Vaters im Himmel.
Letzten Herbst haben wir einige Wanderungen durch wunderschöne Weinberge gemacht. Aus den knorrigen alten Weinstöcken wuchsen prächtige Trauben. Bis zur Ernte gilt es, viel Knochenarbeit zu verrichten, vor allem an den Steilhängen. Wenn aber das Wetter nicht mitspielt, dann kann alles umsonst sein, was der Bauer bis zur Ernte an Arbeit geleistet hat.
Deshalb warnt Gott, der Herr, uns alle: Hütet euch davor, mich zu vergessen. Ich bin es, der alles, zum Beispiel auch das Wetter, in der Hand hält. Deshalb achtet auf meine Anweisungen zum Leben. Das kann bedeuten: Sorgt für andere, die nicht so viel haben. Gebt weiter von eurem Überfluss. Helft denen, die in Not geraten sind. Tröstet und ermutigt einander.
Wie Sie und ich das im Alltag umsetzen, kann verschieden aussehen. Es kommt auch nicht darauf an, ob ich Großes vollbringe oder etwas tue, was sonst keiner sieht. Es ist unsere Herzenshaltung, die zählt.
Warnung vor Überheblichkeit
Das wird am Schluss des Kapitels nochmals sehr deutlich und warnend gesagt: Wenn ihr den Herrn, euren Gott, vergesst, also: Wenn eure Herzenshaltung nicht mehr stimmt und ihr anderen Göttern nachlauft, ihnen dient und sie anbetet, dann werdet ihr zugrunde gehen, das versichere ich euch.
Überheblichkeit und die Abwendung von Gottes Ordnungen sind keine Probleme, die nur damals das Volk Israel hatte. Gibt es nicht auch Dinge in meinem Leben, die plötzlich einen höheren Stellenwert haben als meine Gottesbeziehung?
Ich stehe genauso in der Gefahr, dass ich eine lauwarme Christin bin, die sich überall anpasst und alles für selbstverständlich nimmt. Ich jedenfalls möchte mir neu vornehmen, dankbar zu sein für alles, was ich erlebe, und es aus Gottes Hand annehmen. Ich schließe mit einem Gebet von Eckhard Herrmann: „Dass wir nicht wissen, wie der Hunger sich anfühlt, und Mangel uns fremd ist, dass wir von Armut verschont sind und Not nur vom Hörensagen kennen – das verdanken wir dir, Gott.“
Lass uns nicht übermütig werden angesichts unseres Wohlstandes, sondern dankbar für allen Reichtum, den DU uns schenkst, und demütig gegenüber denen, die nicht so viel haben wie wir. Amen
Ihr Kommentar