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/ Bibel heute

Gaben für die Stiftshütte

Udo Zimmermann über 2. Mose 25,1-22.

Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage den Israeliten, dass sie für mich eine Abgabe erheben. Nehmt sie von jedem, der sie freiwillig gibt. Das ist aber die Abgabe, die ihr von ihnen erheben sollt: Gold, Silber, Bronze,[...]

2. Mose 25,1–22

Nach gefühlt wochenlangem Regen war ich bei strahlendem Sonnenschein endlich mal wieder mit meinem Fahrrad unterwegs. Mein Weg führte mich an einer besonders schönen Stelle vorbei. Ich überlegte, ob ich mir die Zeit nehme, hier Halt zu machen. Zuhause gab es noch so viel zu tun. Und doch entschloss ich mich, diesem wunderschönen Ort einen Besuch abzustatten. Es handelt sich um die kleine “Erasmus Kapelle” in Obergrombach. Ein gläubiger Mann hatte diese vor nunmehr 18 Jahren als Dank für sein Überleben aus dem wochenlangen Koma zusammen mit Freunden und großzügigen Handwerkern gebaut. Die Kapelle steht auf einem erhöhten Platz, inmitten grüner Wiesen und umgeben von Äpfel- und Kirschbäumen. Ein friedlicher Ort, abseits vom Lärm und der Hektik des Alltags. Während ich drinnen saß, genoss ich die Stille und las die zahlreichen Gebete, Erlebnisse und Bitten der Besucher in dem kleinen, ausgelegten Gästebuch. Auch wenn ich als evangelisch-freikirchlich geprägter Christ weniger mit den katholischen Traditionen und Gebäuden zu tun habe, bestaunte ich diesen kleinen, voller Liebe gebauten, ja heiligen Ort. Er musste mit großer Fachkenntnis gebaut worden sein. So viele verborgene Details gab es dort zu finden - und wie viele Menschen hat es wohl gebraucht, diese kleine Kapelle zu bauen?

Im 2. Buch Mose, Kapitel 25, in den Versen 1-22 geht es auch um den Bau eines heiligen Gebäudes. Mit allen Angaben für Größe und Ausstattung. Ein Plan also für den Bau und sogar für die Einrichtung. Man mag sich beim Lesen vielleicht fragen, warum das überhaupt in der Bibel steht? Hätte man sich diese detaillierten Ausführungen nicht sparen können? Wen interessiert es heute, wie dieser heilige Ort für die Aufbewahrung der für die Israeliten so wertvollen Bundeslade gebaut werden sollte? Beim näheren Betrachten des Textes fallen mir hierzu aber drei wichtige Punkte auf, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte:

Erstens: Gottes Streben nach Ordnung und Schönheit

Gott gibt Mose, dem Führer der Israeliten, präzise Anweisungen, wie die Bundeslade gebaut werden soll. Das fasziniert mich! Gott redet hier klar und deutlich über einen realen Gegenstand hier auf Erden und wie dieser später aussehen soll. Keine kryptische Botschaft, die erst enträtselt werden muss. Und es zeigt: Gott ist kein 08/15 Gott, der mal schnell über irgendwas drübergeht, so nach dem Motto: „Es wird schon recht sein”. Nein, er liebt Präzision und Genauigkeit und er liebt Struktur und Ordnung.

Oh, ich hoffe, das erschreckt Sie jetzt nicht: Natürlich darf es zuhause auch mal unordentlich sein, wenn mal wieder gerade viel los ist. Gott ist kein pingeliger Gott, der gleich mit dem erhobenen Zeigefinger auf jede staubbedeckte Stelle im Haus zeigt. Aber, und davon bin ich überzeugt, in uns allen steckt der Wunsch nach Ordnung und Struktur - in all ihrer Freiheit. Und in Gott eben auch.

Und weiter: Gott liebt Schönheit! Ein Blick in seine Schöpfung führt uns das immer wieder vor Augen. Diese überschwängliche Vielfalt und der Überfluss, den wir draußen in der Natur finden, ist überwältigend. Auch beim Bau des Heiligtums geht es um Schönheit. Da wird nicht das billigste Material verwendet und nicht das günstigste Handwerker-Angebot bekommt den Zuschlag! Das rächt sich eh meistens und wir alle wissen aus Erfahrung und aus der Presse, dass die Kosten des anscheinend billigsten Angebots meistens eh nicht eingehalten werden können. Und Gott ist auch in den schönen Details bei der Einrichtung des Heiligtums nicht knauserig und möchte, dass sie nur das Beste verwenden und Fachmänner und Fachfrauen für den Bau aktiv sind.

Zweitens: Gott liebt Gemeinschaft und Zusammenarbeit

Die Aufforderung an die Israeliten, freiwillige Gaben zu spenden, zeigt uns die Bedeutung von Gemeinschaft und Zusammenarbeit. Beim Bau der Stiftshütte waren viele beteiligt. Jeder brachte das ein, was er konnte. Und es war freiwillig - ohne Zwang. Das ist wichtig zu wissen. Gott hat uns einen freien Willen gegeben und wir entscheiden, wie viel Zeit und wie viel Geld wir in seine Herzensprojekte oder in unsere eigene Gemeinde investieren. Dieses Bild der Gemeinschaft scheint heute wichtiger zu sein denn je. Denken wir an unsere eigenen Lebensbereiche: Unsere Familie, die Nachbarschaft, unsere Gemeinde. Jeder von uns hat besondere Gaben und Talente, die wir zum Wohl und Nutzen für die Gemeinschaft einsetzen können. Vielleicht kennen Sie das Gefühl, Teil eines größeren Ganzen zu sein, wenn Sie gemeinsam mit anderen an einem Projekt arbeiten. Die gemeinsame Anstrengung für ein bestimmtes Ziel, sei es ein Umbau, ein Anbau oder ein Gemeindefest für den ganzen Ort oder die Stadt, stärkt nicht nur die Gemeinschaft, sondern auch unser eigenes geistliches Wachstum und Selbstwertgefühl. Und wir dürfen auch zusammen feiern. Das hat unsere Gemeinde gerade wieder erlebt, beim Feiern des Gottesdienstes im Zelt auf einer schönen Wiese bei uns im Ort. Anschließend saßen wir zusammen bei leckeren Bratwürsten, Flammkuchen und Langos bei schöner Gemeinschaft und guten Gesprächen. Es hat viele helfende Hände davor, während des Festes und danach für den Abbau gebraucht. Jeder so, wie er konnte.

Drittens: Die Wertschätzung vor dem Heiligen auch in unserem Gegenüber

Die Bundeslade im Heiligtum symbolisiert die göttliche Gegenwart und erinnert uns daran, dem Heiligen in unserem Leben Raum zu geben. Das kann auch bedeuten, dass wir nicht nur auf religiöse Stätten und Rituale achten, sondern auch auf das Leben und die Würde jedes Menschen. In unserer heutigen Welt, in der Konflikte und Unsicherheiten fast schon an der Tagesordnung sind, ist es umso wichtiger, dass wir uns gegenseitig respektieren. Und nicht zu vergessen: Zuversicht bewahren.

Setzen wir uns doch aktiv für Frieden ein, sowohl in unseren persönlichen Beziehungen als auch in der größeren Gemeinschaft. Das kann zum Beispiel bedeuten, Konflikte bewusst anzusprechen und nach Lösungen zu suchen. Ich habe festgestellt, dass ein offenes Gespräch oft Wunder wirken kann. Gerade vergangene Woche habe ich das mit einem unserer Mitarbeiter erlebt. Es hat uns beiden gutgetan, offen und ehrlich miteinander zu sprechen. Danach war es, als wenn ein kurzer Sommerregen den sehr heißen und stickigen Tag wieder abgekühlt hat. Die Temperatur war wieder erträglich und das Gefühl wieder gut.

Nutzen wir unsere Gaben und Talente dazu, anderen zu dienen. Finden wir Wege, wie wir in unserer Gemeinde, ja auch der Ortsgemeinde und unserer Nachbarschaft einen positiven Beitrag leisten können. Vielleicht, indem wir uns einfach mal wieder Zeit nehmen, mit einem Nachbarn zu plauschen oder ihm dabei helfen, seine schwere Paket-Lieferung ins Haus zu tragen.

Und erinnern wir uns daran, dass jeder Mensch ein Geschöpf Gottes ist. Ein Mensch, der Respekt und Würde verdient. Egal aus welchem Land die Person kommt, egal, welche Sprache sie spricht und egal, welche religiöse Gesinnung sie hat. Praktisch kann das bedeuten, dass wir achtsamer miteinander umgehen, hilfsbereit sind und uns für die Rechte und das Wohl anderer einsetzen. Ich möchte mich in meinem Alltag bemühen, diese Haltung zu leben und anderen Menschen mit Wertschätzung zu begegnen.

Auch wenn es manchmal herausfordernd sein wird. Gott, der die Macher mehr liebt als das, was wir machen, wird uns dabei mit Leidenschaft, Hingabe, Heiligkeit und seiner liebenden Treue helfen.OK, 

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