/ Bibel heute
Mehr als eine Randnotiz
Der Bibeltext Psalm 51 – ausgelegt von Dajka Krentz.
Ein Psalm Davids, vorzusingen, als der Prophet Nathan zu ihm kam, nachdem er zu Batseba eingegangen war. Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.
Ein Blick zurück: Davids Geschichte und Schuld
Seit ich die Bibel lese, pflege ich handschriftlich Bemerkungen hineinzuschreiben. Ich halte Gedanken, Hinweise oder auch Fragen fest, die mich beim Lesen bewegen.
Ganz zu Anfang meiner Zeit als Christ schrieb ich mir den Tag auf, wann ich einen Abschnitt gelesen habe. Beim Psalm 51 steht der 20.11.1974. Ich habe dieses Gebet also als 20-Jährige zum ersten Mal bewusst gelesen. Das ist mehr als 50 Jahre her! Es steht in meiner Bibel auch der Hinweis auf das 11. und 12. Kapitel im 2. Samuelbuch im Alten Testament. Heute weiß ich sofort, warum David hier Buße tut. Damals, als Anfänger beim Bibellesen, musste ich es nachlesen.
Ich blättere zu den besagten Kapiteln zurück und sehe, dass ich hier sehr viel dazu vermerkt habe. Es sind nicht meine Gedanken, sondern Gehörtes aus den zahlreichen Freizeiten, Kurzbibelschulen oder sonstigen Predigten, die ich besuchte oder hörte.
David lässt seine Soldaten auf dem Feld gegen die Ammoniter kämpfen, während er selbst in Jerusalem bleibt und den Tag verschläft. Dazu habe ich vermerkt: Müßiggang ist aller Laster Anfang! Das trifft hier so sehr zu! David geht auf dem Flachdach seines Hauses, wie sie damals eben gebaut wurden, spazieren, und was kommt ihm vor die Augen? Im Hof eines Nachbarhauses badet eine schöne Frau. Batseba. David ist ein Mann, und so ist es wohl normal, dass ihn dieses Bild nicht kalt lässt. Ist also die Frau schuld an dem, was dann alles folgt? Auch dazu habe ich mir am Rand etwas vermerkt: Entblößung zweckmäßig – kein Anstoß. Das bedeutet, ihre Nacktheit ist notwendig – sie badet, weil es nach ihrer Periode gesetzlich so vorgeschrieben ist. Trotzdem frage ich mich bis heute – musste sie nicht damit rechnen, dass sie jemand beobachtet? Diese Frage bleibt unbeantwortet. Aber für David löst es eine Sündenlawine aus, die ungeahnte Folgen mit sich bringt! Mein Randvermerk sind nicht meine Worte, aber sie stehen da: Anstatt zu danken für die Schönheit, zu bitten um Bewahrung der Frau oder zu segnen, begehrt David sie – Anfang des Fallens!
Bestimmt nahm derjenige, von dem ich die Worte hörte, Bezug auf den Vers 28 aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 5: „Doch ich sage euch: Schon wer eine Frau mit begehrlichen Blicken ansieht, der hat im Herzen mit ihr die Ehe gebrochen.“
Schuld erkennen: Der Prophet Nathan und Davids Einsicht
Die Sünde Davids fing also hier bereits an. Ich frage mich aber – wer kann von sich sagen, dass er, oder im umgekehrten Fall sie, nicht begehren würde? Ich möchte dieses Fass hier nicht aufmachen, aber der Blick zurück in das 2. Buch Samuel ist notwendig, wenn ich Davids Psalm betrachten möchte. David wurde seine Schuld erst richtig bewusst, nachdem ihm der Prophet Nathan mit einer Vergleichsgeschichte darauf gestoßen hat. Es war ja nicht nur der Ehebruch mit Folgen, es war auch das Vertuschen-Wollen und letztendlich der Mord an Uria, dem Mann von Batseba. Jedenfalls erkannte David hier äußerst nachdrücklich seine Schuld, die er nicht mehr gutmachen konnte.
Wie Schuppen fiel es ihm von den Augen – so kann er niemals vor dem Heiligen Gott bestehen! David kann es nicht gutmachen. Aber Gott kann! Gott kann vergeben, weil Er weiß, dass kein Mensch ohne Sünde leben kann. Das lese ich im Alten Testament bei Prediger, Kapitel 7, Vers 20:
„Denn es ist kein Mensch so gerecht auf Erden, dass er nur Gutes tue und nicht sündige.“
Und im Neuen Testament im 1. Johannesbrief, Kapitel 1, Vers 8 steht:
„Wenn wir sagen, wir haben keine Sünde, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns.“
Bekenntnis und Vergebung: Davids Weg vor Gott
David tut das einzig Richtige. Er geht vor Gott auf die Knie und beichtet. Er redet sich alles von der Seele. Das allein würde aber nicht helfen ohne das Wissen, dass Gott alles vergeben kann, wenn man ihn darum ernsthaft bittet! Die Schuld löschen, das Vergehen abwaschen – darum bittet David. Blut schneweiß machen! Es geht ihm nicht nur um das, was er Uria angetan hat, sondern im gleichen Zug wird ihm bewusst, dass er seit seiner Geburt ein sündiger Mensch ist! Jeder Mensch ist es – seit dem Sündenfall von Adam und Eva im Paradies. Jede Schuld muss gesühnt werden, aber David ist der Meinung, seine Schuld ist viel zu groß und kann nicht vergeben werden. Ein wenig tut er mir leid. Ich weiß, dass es keine große oder kleine Sünde gibt. Jedes Vergehen trennt mich von Gott und bedarf einer Brücke, die mir den Zugang zu Ihm wieder ermöglicht!
David lebt lange vor Jesus und dessen Tod am Kreuz. Und doch denke ich, dass dieses Wissen in David schon angelegt war. Er kannte die Opfervorschriften, die in dem Fall gefragt waren. Schließlich ist er ein Vorfahre Jesu! Nur das Bekennen der Schuld vor Jesus, meine Buße vor Gott, kann meine Sünden auf Nimmerwiedersehen verschwinden lassen! Das tut hier David. Kein Blut von Tieren hilft ihm letztlich, sondern sein Herz voller Reue, das ihn unruhig macht (V. 19), und die Vergebung des lebendigen Gottes. Ohne Buße hilft kein Opfer. Aber weil David hier ernsthaft bekennt, spürt er plötzlich, dass Gott wieder für die Opferung der Tiere offen ist. Gott vergibt, indem nach der Buße Blut fließt. Früher der Tiere, die immer wieder geopfert werden mussten – heute durch Jesu Blut, das ein für alle Mal für unsere Sünden geflossen ist.
Gottes Treue und unser Trost: Hoffnung durch Christus
Gott vergibt 100-prozentig! Aber manchmal ergeben sich unangenehme Folgen aus unserem falschen Handeln, die nicht einfach verschwinden. Diese hilft Gott dann aber auch zu tragen. Beim David war die Konsequenz der Tod des mit Batseba gemeinsamen Sohnes. Es war eine schreckliche Konsequenz, sie half David aber, mit der ganzen Situation fertigzuwerden. David regierte als König weiter, aber glauben Sie, dass er ab da nicht mehr sündigte? O doch! Weil er eben ein Mensch war. Aber er tat immer wieder Buße, und so manches Mal verhinderte sein Glaube sogar noch schlimmere Vergehen!
Der Psalm 51 fängt mit einem sehr zerknirschten David an. Er endet aber mit einem zuversichtlichen David, weil ihm Gottes Treue, Geduld und Liebe bewusst werden. Dass es auch Ihnen und mir so ergehen kann, verdanken wir dem gekreuzigten und von den Toten auferstandenen Christus. Durch seine Wunden sind wir geheilt.
© Ruth Schneider / ERF
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