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Entzweiungen um Jesu willen

Hanna Exner über Matthäus 10,34–39.

Vorschaubild: Matthäus 10

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Matthäus 10

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Gerade eben hat der Sohn des höchsten Königs seine ersten Außendienst-Mitarbeiter eingestellt. Sie werden Teil einer großen und weltumfassenden Mission sein. Viele weitere werden ihnen folgen. Die Brisanz und Einmaligkeit ihrer Mission erfordert eine umfassende Einweisung. Der Sohn persönlich leitet das Briefing an.

Zum frisch eingestellten Außendienstler-Team gehören zwölf junge Männer. Unterschiedlichste Charaktere.

Ihr Auftrag? – Geht zu den Menschen, erzählt die gute Nachricht vom Reich des Königs, heilt Kranke, erweckt Tote zum Leben, integriert Ausgestoßene, treibt böse Geister aus. Übrigens: nicht gegen Bezahlung – sondern gratis. Ihr habt es geschenkt bekommen. Deshalb schenkt es weiter.

Und wer soll die gute Nachricht zu hören bekommen? – Zuerst die verlorenen Schafe Israels. Beginnt mit den naheliegenden Personen.

Was soll auf der Packliste für die Reise der Außendienstler stehen? – Nichts weiter. Geht unbeschwert; schlicht, mit dem, was ihr am Leib und im Herzen tragt.

Wie sollen sie sich verhalten? – Geht auf Menschen zu, lernt sie kennen; seid zugewandt, aber nicht aufdringlich. Zieht weiter, wenn ihr nicht erwünscht seid. Versteht euch als Schafe unter Wölfen. Will meinen: gut möglich, dass ihr wegen eures Auftrags vor Gericht gestellt werdet. Lasst euch deshalb nicht ängstigen. Denkt daran: ihr seid im Dienst des höchsten Königs unterwegs. Er steht hinter euch. Darum bekennt euch mutig zu ihm.

Ich stelle mir vor, wie die 12 Jünger diese Worte im Matthäusevangelium, Kapitel 10 aufnehmen. In ihren Köpfen arbeitet es. Als Schafe unter Wölfen? Gehasst, verfolgt? Keine einladende Aussicht für neu eingestellte, motivierte Mitarbeiter! Da setzt Jesus in der heutigen Tageslese noch eins drauf:

Seid euch bewusst, ich bin nicht gekommen, um euch politischen Frieden zu verschaffen. Ganz im Gegenteil: mein Kommen ist eine Provokation. Eine Kampfansage an eine Welt, die sich von dem lebendigen Gott und dem Leben abgewandt hat. Da prallen buchstäblich Welten aufeinander. Bis hinein in engste Familienbeziehungen. Wundert euch nicht darüber. Denn bevor äußerlich Frieden werden kann, muss der innere Zustand, das eigene Herz, Frieden erfahren. Und das geht nicht ohne Widerstand. Des Widerstands des unsichtbaren Herrschers dieser Welt. Satan, der Lügner und Mörder von Anfang an, gibt seine Beute ungern frei.

Ich stelle mir vor, wie den Jüngern der Atem stockt. Jesus, der lang erhoffte und ersehnte Messias Israels ist endlich da. Und bringt das Schwert? Gefährdet, ja zerstört engste Beziehungen in Verwandtschaft und Familie? Ratlos sehen sich die Jünger an. Das hält doch kein Mensch aus. Gibt es Schmerzlicheres, als Feindschaften in engsten, vertrautesten und langjährigsten Beziehungen? Dazu noch in einem Kulturkreis, in dem Familie und Beziehungen alles bedeuten? Wohl kaum. Wohlgemerkt ist hier nicht die Rede von Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten aus Rechthaberei, Eifersucht oder anderen Charakterschwächen heraus. Als Ursache der Anfeindungen ist hier allein der Glaube an Jesus benannt. Denn an ihm scheiden sich die Geister. Zwangsläufig. Seine Person erfordert eine Entscheidung – für oder gegen ihn.

Wie soll man da standhalten? Wie damit umgehen?

Kürzlich sprach ich mit einer iranischen Frau. Sie lebt seit 4 Jahren in Deutschland. In dieser Zeit hat sie Jesus kennengelernt. Bisher ist sie die einzige Jesus-Gläubige aus ihrer Familie, von der sie viele tausend Kilometer trennen. Wie sie das aushält, frage ich sie. „Ich liebe Jesus so, so sehr!“, sagt sie voller Leidenschaft. „Ich bete für meine Familie. Und sage ihnen immer wieder, dass sie unbedingt diesen Jesus kennenlernen müssen!“ – Dabei strahlen ihre Augen eine tiefe Freude aus. Dann fügt sie hinzu: „Wichtig ist nur, gut auf Jesus zu hören. Und zu tun, wenn er mir etwas sagt!“

Die Liebe zu Jesus scheint der Schlüssel zu sein. Jesus will mehr geliebt werden. Mehr als Vater, Mutter, Sohn oder Tochter. Im 5. Buch Mose, Kapitel 33, Vers 9 erhält Levi den Segen zum Priesterdienst. Über ihn wird gesagt: du sprichst von deinem Vater und von deiner Mutter: „Ich sehe dich nicht“, und von deinem Bruder: „Ich kenne dich nicht“, und von deinem Sohn: „Ich weiß nichts von dir“. Das bedeutet: die Leviten sollen in ihrem Dienst allein auf den Gott Israels fokussiert sein. Er hat erste Priorität und steht über allen familiären Beziehungen. Nur Gott allein darf einen solchen Anspruch erheben. Wenn sich nun Jesus diesen Anspruch zu eigen macht, zeigt er: ICH BIN Gott! Er beansprucht damit den ersten Platz im Leben seiner Nachfolger. Weniger geht nicht.

Nachdenkliches Schweigen der Jünger. Sie sollen also – wie sie es aus den Geboten kennen – weiterhin Vater und Mutter ehren. Aber die Liebe zu Jesus hat Vorrang. Vor die Wahl gestellt gilt also: Gott mehr zu gehorchen als den Menschen!

Was aber bedeutet, das Kreuz auf sich zu nehmen? – Diese Redewendung entstand wohl wenige Jahrzehnte zuvor: der Hasmonäer-König Alexander Janai (103-76 v. Chr.) hatte unzählige bekennende Pharisäer ans Kreuz schlagen lassen. Dabei musste der zum Tode Verurteilte den Querbalken, an dem er zur Hinrichtung befestigt wurde, selbst aufheben und zur Kreuzigung tragen. Hier stellte sich also ganz praktisch die Frage: sein Kreuz auf sich nehmen – oder dem Bekenntnis absagen?!

Gewiss hat Jesus mit diesen Worten auch bereits sein eigenes Schicksal vor Augen. Er wird bald selbst sein Kreuz auf sich nehmen und seinen Nachfolgern vorangehen. Wie sollte er seinen Jüngern etwas zumuten, das ihm fremd wäre?!

Inzwischen ist das Briefing der neu eingestellten Außendienstmitarbeiter fast beendet. Praktische, ermutigende, aber auch inhaltsschwere Worte wurden gesagt. Worte, die ja bis heute relevant sind. Stehen wir doch als Nachfolger und Außendienstmitarbeiter des 21. Jahrhunderts im selben Auftrag. Ist es nicht großartig, dass Jesus – damals, wie heute – seine Leute nicht einfach ins Blaue hinein schickt? In aller Klarheit und Ausführlichkeit liegt auch das Kleingedruckte auf dem Tisch. Verbunden mit der Einladung, uns IHM ganz hinzugeben. IHN mehr zu lieben, als alles andere.

Wer dieser Einladung folgt, dem gelten die Worte, die Paulus im Galaterbrief, Kapitel 2, Vers 20 sagt:

Ich lebe, aber nicht mehr ich selbst, sondern Christus lebt in mir. Ich lebe also mein Leben in diesem irdischen Körper im Glauben an den (auferstandenen) Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich geopfert hat.

Ihr Kommentar

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Kommentare (2)

Silke /

Danke für die tolle Zusammenfassung

christa C. /

Wunderbar dieser Bogen, den Frau Exner geschlagen hat. Super!!! Danke!!!!