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/ Bibel heute

Ein Blick in den Thronsaal

Der Bibeltext Offenbarung 4,1-11 – ausgelegt von Hans-Werner Kalb.

Danach sah ich, und siehe, eine Tür war aufgetan im Himmel, und die erste Stimme, die ich mit mir hatte reden hören wie eine Posaune, die sprach: Steig herauf, ich will dir zeigen, was nach diesem geschehen soll. Alsbald wurde ich vom Geist ergriffen. Und siehe, ein Thron stand im Himmel und auf dem Thron saß einer. Und der da saß, war anzusehen wie der Stein Jaspis und der Sarder; und ein Regenbogen war* um den Thron, anzusehen wie ein Smaragd.[...]

Offenbarung 4,1-11

Gott regiert – Einstimmung auf den Thronsaal

Mit diesem Abschnitt heute beginnen nun die Zukunftsvisionen im letzten Buch der Bibel, der sogenannten Offenbarung. Der Apostel Johannes bekommt einen Einblick in den Himmel, hier in den Thronsaal Gottes. Sie und ich, wir dürfen an diesem Einblick, dieser Offenbarung Gottes, teilhaben.

Ehe Johannes die apokalyptischen Ereignisse der letzten Zeit vor Augen geführt bekommt, erfährt er hier, dass alles, was geschieht, im Plan Gottes vorgesehen ist. Dass Gott regiert. Das erinnert mich an Karl Barth, den Schweizer Theologen. Seine Worte angesichts der Ereignisse der 1968er Jahre lauten: „Es wird regiert.“ Gott regiert, meint Karl Barth. Gott hat alles in der Hand. Es geschieht nichts ohne seinen Willen. Auch, wenn die Mächtigen dieser Welt glauben, sie könnten ohne Gott regieren. Das kann und soll die, die auf Gott vertrauen, trösten. Dieses Vertrauen auf Gott hilft mir immer wieder, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. Auch, weil ich Gott als liebenden Vater kennengelernt und erfahren habe.
 

Der Blick in den Thronsaal: Lichtglanz, Älteste und Meer

Lassen Sie mich jetzt mal in aller Kürze darauf eingehen, was Johannes in diesem Thronsaal alles sieht. Das erste, was er wahrnimmt, ist Gott auf dem Thron. Nicht direkt. Eher über den Lichtglanz mit herrlichen Farben am Thron. Der Thron ist jedenfalls nicht leer. Die Welt ist nicht sich selbst überlassen. Da ist von leuchtenden Farben die Rede. Das erinnert Johannes an den Edelstein Jaspis. Der ist hell und durchsichtig. Bei Gott ist Klarheit, Heiligkeit, Licht. Dann sieht Johannes etwas wie den Stein Sarder, der ist rot. Das mag für die Liebe Gottes stehen und seine Barmherzigkeit. Beide Steine werden im Priesterornat verwendet und sind Grundsteine des „neuen Jerusalem“. Und Johannes erkennt einen Regenbogen. Der ist das Zeichen des Bundes Gottes mit dieser Welt nach der Sintflut. Er ist also ein Hinweis auf die Treue und Güte Gottes. Dafür, dass sich der allmächtige Schöpfer um seine hilfsbedürftigen Geschöpfe kümmert. Das unterstreichen vielleicht auch Farben, wie die des grünen Smaragdes.

Dann sieht Johannes vierundzwanzig Älteste mit Siegeskränzen. Viele Ausleger gehen davon aus, dass es sich hier um die Repräsentanten des alttestamentlichen und des neutestamentlichen Volkes Gottes handelt. Also um Vertreter der Kinder Gottes aus Israel und aus der weltweiten Gemeinde von Jesus Christus. Die weißen Kleider stehen in der Bibel für die von Gott geschenkte Gerechtigkeit. Und sie sind auch Zeichen des priesterlichen Dienstes. Die 24 Ältesten beten Gott an und sie verwenden dabei das vertraute „Du“.

Vom Thron Gottes gehen Blitze aus, Johannes hört Grollen und Donner. So lese ich es in der Übersetzung der Basisbibel. Sieben Fackeln stehen vor dem Thron. D. h. Gott hat sich nicht zur Ruhe gesetzt. Machtvoll greift er in die Geschichte ein.

Dann sieht Johannes eine Fläche vor dem Thron Gottes, wie ein klares Meer, wie ein Kristall. Vielleicht kann das, was hier aussieht wie ein Meer, in seiner himmlischen Reinheit als Gegenbild zu dem irdischen Meer gedeutet werden. Das stand häufig als Bild für die aufrührerische Völkerwelt. Es liegt hier klar und durchsichtig Gott zu Füßen.
 

Anbetung gebührt allein Gott

Dann sind da vier Gestalten mit vielen Augen und mit Flügeln. Die werden auch beim alttestamentlichen Propheten Hesekiel schon beschrieben. Manche deuten sie als Engel. Andere sehen darin Vertreter der gesamten Schöpfung. In der alten Kirche stehen sie für die vier Evangelisten: Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Jedenfalls sind es Geschöpfe Gottes, die ihn anbeten. In vielen Religionen werden solche Wesen selbst oder deren Abbilder dargestellt und angebetet. Hier beten alle den einen Gott an. Sie tun das zusammen mit den vierundzwanzig Ältesten. Geschöpfen steht keine Anbetung zu. Sie sind Gott untergeordnet und weisen bestenfalls auf ihn hin.

Wie oft lassen sich auch menschliche Herrscher anbeten. Sie suchen Ehrerbietung und Macht – und haben sich doch immer wieder als unwürdig erwiesen. Gerade in unserer Zeit gibt es weltweit immer mehr Herrscher dieser Art, selbst in eigentlich demokratischen Staaten. Da ist es wichtig zu wissen: Anbetungswürdig ist nur Gott, der Schöpfer. Und Jesus Christus, Gottes Sohn, das Lamm Gottes, das die Schuld der Welt trägt. Darüber hören wir morgen mehr im Kapitel 5. Heute darf ich mich freuen, dass ich den kenne, der allein anbetungswürdig ist. Der die Welt immer noch in seinen Händen hält. Der sie zum großen Ziel führt. Zur Vollendung durch schmerzhafte Zeiten hindurch.
 

Gebet als Vorrecht und Einladung zur Anbetung

Ich weiß, das ist eigentlich kaum vorstellbar: Aber ich darf Gott, den Vater von Jesus Christus, den Schöpfer und Herrscher des Universums und der Himmel, anbeten. Ich darf ihn aber auch Vater nennen. Vertrauensvoll. Im Gebet. William MacDonald war ein weltweit bekannter Bibellehrer des 20. Jahrhunderts. Er schreibt in seinem Buch „Nur bis zur Zimmerdecke“ (CLV) über das Gebet: „Im Gebet verlassen wir sozusagen den irdischen, begrenzten Bereich und kommen vor den Thron Gottes. Welch ein gewaltiges Vorrecht!“ Durch Jesus dürfen wir den kennenlernen, der hier auf dem Thron sitzt. Was bedeutet Ihnen dieses Vorrecht, durch Gebet und Anbetung in die direkte Gegenwart Gottes zu gelangen? Auch, wenn Sie und ich nicht, wie Johannes, in den Thronsaal blicken können. Das kommt erst noch.

Ich lade Sie aber heute ein, mit einzustimmen in die Anbetung der vierundzwanzig Ältesten hier im Vers 11:

„Du, Herr, unser Gott, bist würdig, alle Herrlichkeit, Ehre und Macht zu empfangen.
Denn du hast die ganze Welt erschaffen. Weil du wolltest, dass es sie gibt,
ist sie erschaffen worden.“

Amen

Sendetermine auf ERF Plus

Montag, 26. Oktober 2026, 05:45, 11:45, 19:00

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