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/ Bibel heute

Die Wolken- und Feuersäule

Ursula Hecht über 2. Mose 13,17-22.

Als nun der Pharao das Volk hatte ziehen lassen, führte sie Gott nicht den Weg durch das Land der Philister, der am nächsten war; denn Gott dachte, es könnte das Volk gereuen, wenn sie Kämpfe vor sich sähen, und sie könnten wieder nach Ägypten umkehren. Darum ließ er das Volk einen Umweg machen, den Weg durch die Wüste zum Schilfmeer. Und die Israeliten zogen wohlgeordnet aus Ägyptenland. Und Mose nahm mit sich die Gebeine Josefs; denn dieser hatte den Söhnen Israels einen Eid abgenommen und gesprochen: Gott wird sich gewiss euer annehmen; dann führt meine Gebeine von hier mit euch hinauf.[...]

2. Mose 13,17–22

Es muss ein grandioser Anblick gewesen sein: über 500.000 Menschen auf ihrem Marsch in die Freiheit, angeführt von einer gewaltigen Wolkensäule bei Tag oder einer ebenso riesigen Feuersäule bei Nacht!

Dabei ging es nicht nur um bloßes Licht zum Laufen. Die Säulen waren Zeichen der unmittelbaren Gegenwart Gottes. Das Volk Israel, aber auch ihr Anführer Mose brauchten die Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein. Voller zuversichtlicher Gewissheit waren die Israeliten losgezogen, weg aus Ägypten, dem Land der Versklavung, in die Freiheit. Sie waren das Volk des lebendigen Gottes. Hautnah hatten sie erlebt, wie ihr Gott alle Erstgeburt in Ägypten getötet hatte, während sie selbst durch das Blut eines fehlerlosen Lammes verschont geblieben waren.

Ja, der Gott Israels hatte seine Macht gezeigt und sein Volk befreit. Es gehört ihm tatsächlich, denn er hat es sich erwählt. Er hatte die Stammväter Abraham, Isaak und Jakob berufen. Gott hat Verheißungen gegeben und erfüllt. Er hat die Entwicklungsgeschichte seines Volkes vorbereitet und begleitet. Selbst der Name „Israel“ ist von Gott gegeben.

Zunächst einmal war „Israel“ der Name, den Gott Jakob gab, nachdem der mit Gott gerungen hatte und ihn nicht überwinden konnte. Es lohnt sich, diese Begebenheit noch mal im 1. Buch Mose ab Kapitel 32 nachzulesen. Von diesem Zeitpunkt an wird Jakob in der Bibel nur noch „Israel“ genannt. Seine Kinder und weiteren Nachkommen heißen nun die „Kinder oder Söhne Israels“, die „Israeliten“ oder eben auch „Volk Israel“.

Es gibt keine andere Nation, die solch eine persönliche Geschichte mit Gott hat. Es gibt keine andere Nation, von der Gott in dieser Form als sein Eigentum spricht. Gott sorgt für sie. Er bestimmt, was geschieht. Niemand, weder aus dem Volk Israel noch aus anderen Nationen, kann ihn hindern zu tun, was er beschlossen hat.

Dazu gehörte auch, dass Jakobs Großfamilie wegen einer schweren Hungersnot viele Jahre zuvor nach Ägypten gekommen war. Nur dort gab es Getreide und Nahrung. Gott hatte Josef, Jakobs zweitjüngsten Sohn, unter dramatischen Umständen vorausgeschickt, um als Verwalter die Menschen vorm Verhungern zu bewahren. Jakob hatte nicht gern seine Heimat in Kanaan verlassen, war es doch das Land, das Gott seiner Familie geschenkt hatte. Aber er vertraute auf Gottes Zusage, ihn und seine Nachkommen irgendwann wieder zurückzubringen.

Auch Josef hatte fest daran geglaubt. Deshalb gab er seiner Familie den ausdrücklichen Befehl, seine Gebeine in Kanaan zu bestatten, wenn Gott sie heimführen würde. Er war sich vollkommen sicher, dass Gott hält, was er verspricht.  

Und nun war es soweit, 400 Jahre nach Josefs Ankunft in Ägypten erfüllte sich Gottes Zusage. Die Israeliten waren auf dem Weg in das Verheißene Land – zurück nach Kanaan. Und Mose sorgte persönlich dafür, dass Josefs Gebeine mitgenommen wurden.

Jakobs Nachkommenschaft hatte sich unterdessen sehr vergrößert. So sehr, dass die anfangs so freundlichen Ägypter über die Jahrhunderte hinweg zu grausamen Sklaventreibern geworden waren. Aber Gott hatte die Not seines Volkes gesehen und machtvoll eingegriffen.

Und er fährt fort, seine Macht zu zeigen, jetzt mit Zeichen der Führung und des Schutzes. Dafür zeigt er sich dem Volk in strahlendem Licht und loderndem Feuer als der heilige Gott. Er hüllt sich in unnahbares Licht – und ist doch seinem Volk ganz nah. Aus Fürsorge lässt Gott sie nicht einfach aus Ägypten weglaufen, sondern führt sie in seinem Licht auf seinen Wegen. 

Denn in ihm ist keine Finsternis – so wird es später der Evangelist Johannes schreiben: Gott ist Licht und wer ihm nachfolgt, wird im Licht wandeln. Schon hier, am Beginn der Geschichte Israels, blitzt das Evangelium vom Licht der Welt durch, denn Gottes Sichtweise ändert sich nicht. Noch ist das Volk ganz am Anfang seines Weges ins Gelobte Land, noch vertrauen sie ihrem Gott und wandern in seinem Licht. Doch das wird sich ändern im Laufe der Geschichte. Dann werden sie woanders Licht und Erleuchtung suchen – und entdecken, wie die Abkehr von Gott buchstäblich in die Irre führt: auf falsche Wege und zu falschen Entscheidungen. Denn nur bei Gott ist die Quelle des Lebens, und nur in seinem Licht ist der rechte Weg zu sehen.

Gott will nicht nur Retter und Licht seines Volkes sein, sondern auch sein Hirte. Wie jeder gute Hirte geht er voran und sucht den besten Weg für seine Herde aus. Wie jeder gute Hirte hat er drei Ziele: die Herde versorgen, vor Gefahren beschützen und sicher nach Hause bringen. Und in der Tat, Gott versorgt sie mit allem, was sie zum Leben brauchen. Er beschützt sie gleich am Anfang der Reise vor einer kriegerischen Konfrontation, die sie erschrecken könnte. Deshalb führt er sie einen anderen Weg. Denn er will auf keinen Fall, dass sie umkehren und zurücklaufen nach Ägypten – und damit in die Sklaverei. Gott hat sein Volk errettet, um es nach Hause zu bringen, nach Kanaan, ins Land ihrer Vorfahren.

Die Geschichte des Volkes Israel zeugt von der Macht und Treue Gottes. Die Geschichte des Volkes Israel ist aber nicht nur auf die direkten Nachkommen von Jakob begrenzt. Sie ist die Geschichte des Volkes Gottes, und Gott selbst schließt darin alle mit ein, die durch Jesus Christus an ihn glauben. Denn die alttestamentliche Geschichte des Gottesvolkes beinhaltet neben der historischen Wahrheit auch zugleich eine geistliche Vorausschau auf Gottes großen Errettungsplan für alle Menschen. Der bereits erwähnte Evangelist Johannes nennt Jesus das Lamm Gottes, durch das die Menschen errettet werden können. So, wie die Israeliten vor dem Gericht Gottes über Ägypten bewahrt wurden, so rettet der Glaube an den Sohn Gottes vor dem Gericht Gottes über die Menschheit. So, wie Gott sein Volk damals gerettet, beschützt und ins Gelobte Land gebracht hat, tut er es heute auch mit jedem, der sein Vertrauen auf ihn setzt. 

Damals wie heute ist die Geschichte Gottes mit den Menschen ein Zeugnis seiner Wahrhaftigkeit. Denn was er zusagt, wird gewiss geschehen! Damals wie heute erleben Menschen die Macht Gottes hautnah und sie staunen über seine Hilfe. Damals wie heute schreibt Gott Geschichte mit Menschen, die an ihn glauben.

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