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/ Bibel heute

Das Wort vom Kreuz als Weisheit und Kraft Gottes (1)

Christiane Stock über 1. Korinther 1,18-25.

Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft. Denn es steht geschrieben: »Ich will zunichtemachen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.« Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?[...]

1. Korinther 1,18–25

Paulus schreibt diesen Brief wohl 54 n.Chr. an die Gemeinde in Korinth. In dieser Großstadt waren viele intellektuelle Menschen unterwegs. Immer wieder gab es neue Erkenntnisse. Paulus war klar, dass der Reiz des Neuen auch in die Gemeinde hineinwirken würde. Er hat das Ziel, die christliche Gemeinde zu einem einfachen Leben, das Gott gehorsam ist, zurückzuführen. Er spricht offen über Überheblichkeit und mahnt vor Trennungen. Die Einheit der Gemeinde in Christus und die Auferstehungshoffnung sind seine Themen, die in diesem Brief an erster Stelle stehen.

In den heutigen Versen geht es um die göttliche und menschliche Weisheit. Es sind zwei sehr unterschiedliche Verortungen, in denen sich unser Leben abspielt. Wir werden herausgefordert, uns zu positionieren. Paulus beschreibt zuerst die Menschen, die verloren gehen. Es sind Menschen, die sich nicht mit Gottes Worten beschäftigen. Sie lehnen Gott ab und sind davon überzeugt, dass sie selbst weise genug sind, gute Entscheidungen für ihr Leben zu treffen.  Gott brauchen sie nicht. Sie können mit dem Kreuz, an dem Jesus starb, nichts anfangen. Es ist für sie eine Torheit. Paulus sagt, dass sie verloren gehen. Das ist ein ernstes Wort.  Verlorenheit bedeutet eine dauerhafte Trennung von Gott.

Dem gegenüber stellt Paulus die Rettung und göttliche Weisheit. Wir werden eingeladen, auf die Worte Gottes zu hören, sie in uns wirken zu lassen und ihnen zu glauben. Jesus hat am Kreuz den Tod besiegt und den Weg in den Himmel zu seinem Vater für immer und für jeden freigemacht. Durch unsere Sünde war das unmöglich. Ja, diese Botschaft klingt töricht. Töricht bedeutet unklug, unvernünftig und auch dümmlich und einfältig. Stellen Sie sich innerlich einen Moment zu den am Kreuz hängenden Jesus. Er ist so schwach. Mir fällt es schwer, ihn so leiden zu sehen. Da kann ich doch nicht von einer Rettung der Menschheit sprechen. Und doch kann ich im Bleiben und Verweilen Göttliches erkennen. Am Kreuz zeigt sich Jesu Leidensbereitschaft bis aufs Blut. Der einzige Grund, weshalb er diesen Weg gegangen ist, ist seine Liebe zu uns. Er wollte nichts mehr als unsere Rettung. Diese Botschaft vom Kreuz ist bis heute eine Kraft für die Menschen, die das für sich persönlich annehmen. Sie sind die Geretteten und werden in die göttliche Weisheit geführt. V.21 redet davon, dass unsere menschliche Weisheit den Blick auf Gottes Weisheit verstellt. Der Schlüssel zur Rettung und der göttlichen Weisheit ist der Glaube.

Allen wird Christus gepredigt. Den Juden, wie den Griechen. Für uns heute gilt diese Christuspredigt ebenso. Wir unterscheiden uns in unseren Grundbedürfnissen nicht so sehr von den Menschen, die damals lebten. Ich habe 3 Dinge entdeckt, die uns wohl alle betreffen:

Weisheit

Das Erste: Viele suchen nach Weisheit. In V. 22 lesen wir davon, dass die Juden Zeichen forderten und die Griechen nach Weisheit fragten. Wer möchte nicht wissen, wie die nächsten Schritte im eigenen Leben aussehen? Wie frustrierend kann es immer wieder sein, wenn sich erhoffte Pläne nicht erfüllen? Ich denke an viele Termine, die plötzlich doch nicht stattfinden, weil sie eben nicht passen. Die Vorfreude hat sich nicht gelohnt. Statt Energie zu bekommen, bleibt ein enttäuschtes „Dann eben nicht“. Ich merke wie mir der Blick auf das Ganze fehlt. Die Fragen unserer Zeit und die Herausforderungen, denen ich mich stellen muss, suchen nach Weisheit. Das beginnt bei den Kriegen, dem Klimaschutz, dem Antisemitismus, unserer bedrohten Demokratie und reicht bis hin in meine alltäglichen Beziehungsgeflechte und Nöte, die keiner sieht. Mir fehlt bei aller Anstrengung der Durchblick.

Jesus Christus

Meine zweite Entdeckung habe ich in V. 23 gemacht. Allen wird Christus der Gekreuzigte gepredigt. Die Juden ärgern sich darüber - die Griechen halten es für eine große Dummheit. Unabhängig von der eigenen Meinung wird uns in V. 24 gesagt, dass wir Berufene sind.

Berufung

Das ist die dritte Entdeckung die uns allen gilt. Wir sind berufen. Wer sich von Gott berufen lässt, erlebt Christus, Gottes Kraft und seine göttliche Weisheit. Ich habe in meiner Suche nach einer Definition, die einen Tor beschreiben soll, folgendes gelesen: „Ein Tor ist eine Person, die etwas nicht nachvollziehen kann, solange sie es nicht selbst erlebt hat.“

Es geht um einen Blickwechsel von der Torheit weg hin zu Gott. Da stellt sich nun die Frage, ob es möglich ist an etwas Größeres - einem Größeren zu glauben, als uns selbst? Gott bietet uns die Freundschaft an. Im Gebet haben wir die Möglichkeit, ihm alles zu erzählen was uns auf dem Herzen liegt. Lese ich seine Worte, erlebe ich, wie er meine Gedanken sortiert und wie er mich leitet. Ich fühle mich damit sehr beschenkt. Es gibt Situationen, in denen ich noch nie war. Da kenne ich mich selbst noch nicht. Da brauche ich Orientierung, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Immer wieder tauchen bei mir Fragen auf, die ich vor Gott ausbreite und auf seine Lösungen hoffe. Manchmal muss ich eine Zeit lang auf Antwort warten. Doch dann lichtet sich der Nebel und seine göttliche Weisheit dringt zu mir durch. Manchmal hatte ich falsche Vorstellungen oder lag mit meinen Erwartungen falsch. Er löst mich davon ohne einen bleibenden bitteren Nachgeschmack. Das gilt auch für Dinge, die nicht gut gelaufen sind. Ich muss das nicht verdrängen, sondern kann mich dem stellen. Gott weiß, dass ich gerne besser gewesen wäre, als ich war. Ich glaube seinen Worten, mit denen er mir vergibt und treu bleibt. Seine Worte sind so lehrreich und vertrauenswürdig. Er hat es verdient und ist der beste Lehrer, den es geben kann. In einer Beziehung zu ihm kann ich in meiner Persönlichkeit wachsen und reifen.

 V .25 klingt wie ein Fazit:

Das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen.

Die Schwachheit Gottes, damit ist das Kreuz gemeint, ist stärker als die Menschen.

Die menschliche Weisheit ist begrenzt. Ich habe meine Sicht der Dinge. Die Wahrheit ist, dass wir Menschen nicht alles überblicken können. Ich vermute, dass Gott das für unseren Schutz so eingerichtet hat. Meine Wahrnehmung ist subjektiv und von meinem  Umfeld abhängig. Mein sicheres Wissen ist begrenzt. Überall stoße ich an meine Grenzen.

Mein Leben ist begrenzt. Das wird besonders spürbar, wenn ich einen sterbenden Menschen begleitet. Die Dinge nehmen ihren Lauf. Die unterstützenden Hilfen, die für Erleichterung sorgen sollen, sind irgendwann auch begrenzt. Ich muss meine Begrenzungen akzeptieren. Viele Hintergründe, warum etwas ist, wie es ist, werden verborgen bleiben.

Meine Seele braucht Ermutigung. Wenn sie Gott das Vertrauen ausspricht, kann eine sanfte Vorstellung wachsen, dass Göttliches in die Begrenzung hineinwirkt. Das sprengt die Grenzen. Ich ahne, dass in jeder Situation bedeutungsvolles geschehen kann. Es ist der Glaube, dass Gott trotz meiner vielfältigen Begrenzungen im verborgenen Gutes wirkt. Der Glaube freut sich zwar über sichtbare Zeichen, ist aber nicht abhängig davon.

Paulus schreibt in einem Brief an die Galater in Kap. 5,1: „Zur Freiheit hat euch Christus befreit.“ Diese Freiheit kann Ihr und mein Leben kraftvoll gestalten.

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Kommentare (1)

Susann R. /

Sehr sehr gute Auslegung. Emotional und persönlich, lebendig und tröstlich und hoffnungsvoll. Vielen Dank Frau Stock.