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/ Bibel heute

Das warnende Beispiel Israels

Lutz Günther über 1. Korinther 10,1-13.

Ich will euch aber, Brüder und Schwestern, nicht in Unwissenheit darüber lassen, dass unsre Väter alle unter der Wolke gewesen und alle durchs Meer gegangen sind; und sind alle auf Mose getauft worden in der Wolke und im Meer, und haben alle dieselbe geistliche Speise gegessen[...]

1. Korinther 10,1–13

Die Geschichte könnte aus unseren Tagen stammen: In einer pulsierenden Hafenstadt kommen Menschen zum Glauben und treffen sich fortan in einer neuen christlichen Gemeinde: Arme und Reiche, Junge und Alte, Leute mit ganz unterschiedlicher Herkunft. Vollmächtige Verkündiger werden von weit her in die Gottesdienste eingeladen. Gottes Geistesgaben werden wirkungsvoll eingesetzt. Eigentlich fehlt nichts – eigentlich ...

Denn zur Beschreibung dieser Gemeinde gehört ebenso eine lange Liste von Fehlentwicklungen. z.B.

  • In der Gemeinde gibt es Streit. Das geht so weit, dass sich verschiedene „Lager“ bilden, die die jeweils anders Denkenden bekämpfen.
  • Höher gebildete Leute umgeben sich gern mit ihresgleichen. Mit leichter Arroganz wird auf die offensichtlich weniger mit Weisheit ausgestatteten Menschen in der Gemeinde  - und auch außerhalb - herabgesehen. Ihr Glaubensfundament erscheint ihnen aufgrund ihres hohen Intellekts besonders solide. 

Die Geschichte könnte aus unseren Tagen stammen ... 

Sie beschreibt aber in Kurzform die Zustände in der ersten christlichen Gemeinde in Korinth! Solches Chaos gab es also schon bei den ersten Christen und das war Anlass für Paulus, mehrere Briefe dorthin zu schreiben, von denen zwei in der Bibel gelandet sind.

Paulus stellt den Christen in Korinth vor Augen, wie wichtig gelebte Einheit, Liebe und Versöhnung, der Glaube an die Auferstehung und der schriftgemäße Einsatz der Geistesgaben für christliche Gemeinschaft sind. Er macht unmissverständlich klar, was die unverzichtbare Grundlage allen Christseins ist: das „Wort vom Kreuz“ - die Botschaft, dass für alle Menschen durch Jesus am Kreuz die Rettung vollbracht ist.

Im heutigen Abschnitt spricht er ein Thema an, das für neu Hinzugekommene vielleicht seltsam klingt; für Menschen, die schon länger zu einer christlichen Gemeinde gehören, umso herausfordernder. Kurz gesagt lautet die Botschaft: Es reicht nicht aus, „dabei“ gewesen zu sein, um am Ende zu den Geretteten zu gehören. Am Ende entscheidet, wem ich in meinem Leben mein Vertrauen geschenkt habe und wie sich das auf mein alltägliches Leben auswirkte.

Zur Verdeutlichung vergleicht Paulus die Christen in Korinth mit dem Volk Israel. Auf dem Weg in die Freiheit aus der ägyptischen Sklaverei erfuhren viele letztlich, dass „Dabeigewesensein“ nicht ausreicht. Fünfmal steht in den wenigen Sätzen unseres Textes das Wort „alle“: Alle unsere Väter sind unter der Wolke gewesen - alle durchs Meer gegangen - alle auf Mose getauft worden in der Wolke und im Meer, alle haben dieselbe geistliche Speise gegessen - alle denselben geistlichen Trank getrunken ...

Ohne jetzt aus Zeitgründen auf die Einzelheiten detailliert einzugehen: Alle Israeliten ohne Ausnahme wurden damals dank Gottes Einsatz aus der ägyptischen Sklaverei befreit und bekamen Gottes „All inclusive“-Versorgungsservice auf dem Weg in die neue Heimat Kanaan. Das haben sie alle live miterlebt! Trotzdem erreichte fast die ganze Erwachsenen-Generation das Ziel nicht! Was führte dazu? Drei Stichworte nennt Paulus: „Götzendienst“, „Unzucht“ und „Murren“. Das klingt ziemlich antiquiert. Eine moderne Übertragung[1] formuliert: „Verehrung falscher Götter“, „sexuelle Ausschweifung“, „unablässige Nörgelei gegenüber Gott“!

Das waren die Fehler beim alten Volk Israel? Mancher denkt da schnell: „Wie kann man nur so dumm sein?!“ Aber Paulus stellt klar, dass diese „Dummheiten“ nur ein Muster für die Fehlentwicklungen der Gemeinde in Korinth zeigen. Zur Erinnerung: Es waren ja keine Menschen, die den Gott der Bibel nicht kannten. Hier ist von denen die Rede, die eigentlich wissen konnten, was sie an ihrem Gott haben. Sie hatten ihn als machtvollen Befreier und Retter erlebt! Trotzdem führte das nicht automatisch zu einem alternativen Lebenswandel.

So investierten sie zumindest ergänzend noch in andere „Lebensabsicherungen“ – Götter, denen man mutmaßlich mit Opfern ein gutes Leben „abkaufen“ konnte. Doch irgendwann werden diese zum eigentlichen Lebenshalt. „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott“, hatte später Martin Luther formuliert und damit klargestellt, dass „Götzendienst“ auch ganz anders aussehen kann. In welche Absicherungen investiert der Mensch im 21. Jahrhundert?

Ungebremste sexuelle Ausschweifung führt zu ernsthaften Problemen. Das ist längst nicht nur ein Thema von konservativen Moralaposteln. Den Christen in Korinth war es damals offensichtlich noch nicht so klar. In der Gesellschaft galt ja schließlich z. B. häufiger Partnerwechsel als normal. Sollte man ausgerechnet hier die Bibel allzu streng auslegen? Und damit Menschen verprellen? Es ist immer eine Versuchung, die biblischen Regeln dem aktuellen Gesellschaftskonsens anzupassen, um nicht unattraktiv zu werden.

Und was ist mit der „Nörgelei“ gegen Gott? Hiermit ist ganz sicher nicht die Klage über schwere Lebenssituationen wie bei Hiob gemeint. Es geht vielmehr darum, sich verbal oder durch die eigene Lebensführung gegen Gottes Führung aufzulehnen. In der Wüste regten sich beispielsweise viele Israeliten über den eintönigen Speiseplan der Volksversorgung auf. Sie sehnten die „Fleischtöpfe Ägyptens“ zurück. Gott hatte nichts gegen Fleischgenuss – die „Motzer“ bekamen schließlich so viel Wachtelfleisch, dass ihnen davon schlecht wurde! Sie waren aber bereit, für das fehlende Fleisch ihre neue, von Gott geschenkte Freiheit gegen die frühere ägyptische Sklaverei einzutauschen! Ähnliches wiederholte sich mehrfach! Grundmuster: Ich bin nicht zufrieden damit, wie Gott mir meine neue Freiheit schenkt, ich will das anders haben. Ich motze oder ich laufe einfach nur noch mit, anstatt mit dem Herzen dabei zu sein ...  Vielleicht sind Ihnen solche Gedanken fremd. Vielleicht denken Sie insgeheim: Solche Dinge können mir nicht passieren.

Dann lesen Sie bitte mit mir das Ende unseres Abschnittes besonders aufmerksam. Denn Paulus schreibt:

„All diese Ereignisse, die ihnen [dem Volk Israel] widerfuhren, dienen uns als Beispiel. Sie wurden für uns, die wir am Ende der Zeiten leben, als Warnung aufgeschrieben. Wer sich für standhaft hält, soll aufpassen, dass er nicht auf die gleiche Weise sündige.“[2]

Paulus warnt eindringlich - wovor? Er spricht das an, was keiner gern hört, aber zu unserem christlichen Leben dazugehört: dass unser Glauben geprüft wird! Paulus schreibt weiter:

„Bisher hat euch nur menschliche Versuchung getroffen. Aber Gott ist treu, der euch nicht versuchen lässt über eure Kraft, sondern macht, dass die Versuchung so ein Ende nimmt, dass ihr’s ertragen könnt.“

Damit macht er zweierlei deutlich:

  1. Unser Vertrauen auf Gott wird in unterschiedlicher Weise immer wieder auf die Probe gestellt werden.
  2. Niemand ist diesen Prüfungen chancenlos ausgesetzt. Der Weg, sie zu überstehen, besteht darin, sich an Gottes Zusage festzuhalten, dass er uns hält.

In diesem Sinne: Dabei gewesen sein ist nicht alles – entscheidend ist, Gott in seinem Leben dabei zu haben in guten und in schweren Zeiten.

[1] Nach: Das Buch. Neues Testament, Psalmen, Sprichwörter – übersetzt von Roland Werner

[2] V.11+12 nach Neues Leben. Die Bibel

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