Navigation überspringen

/ Bibel heute

Prüfung, Läuterung und Neubeginn

Der Bibeltext 5. Mose 10,10-22 – ausgelegt von Berit Merkel.

Ich aber stand auf dem Berge wie das erste Mal, vierzig Tage und vierzig Nächte, und der HERR erhörte mich auch diesmal und wollte dich nicht verderben. Er sprach zu mir: Mach dich auf, geh hin und zieh vor dem Volk her, damit sie hineinkommen und das Land einnehmen, das ich ihnen geben will, wie ich ihren Vätern geschworen habe. Nun, Israel, was fordert der HERR, dein Gott, noch von dir, als dass du den HERRN, deinen Gott, fürchtest, dass du in allen seinen Wegen wandelst und ihn liebst und dem HERRN, deinem Gott, dienst von ganzem Herzen und von ganzer Seele,[...]

5. Mose 10,10-22

Die Zahl 40 – Prüfung und Neuanfang

Unser heutiger Bibeltext beginnt mit einer Zahl, der Zahl 40. Die Zahl 40 steht für „Prüfung, Läuterung und Neubeginn". Biblische Beispiele mit der Zahl 40 sind zum Beispiel die 40 Tage Regen während der Sintflut oder die 40 Jahre Wanderung der Israeliten durch die Wüste zur Vorbereitung auf das Gelobte Land. Nach der Zahl 40 geht es im 5. Buch Mose um den Berg. Der Berg dient Mose als Rückzugsort, um allein und in Ruhe mit Gott zu sprechen. Vielleicht erschreckt der Vers 10 ein wenig, denn dort heißt es, dass Gott erneut davon abließ, Israel zu vernichten. Das klingt gerade so, als wäre Israel wieder einmal knapp der Strafe bzw. sogar dem Tod entronnen. Und dem ist genau so. Heute würde mancher vielleicht sagen: Israel hat wieder einmal Glück gehabt. Es ist dem Zorn Gottes entronnen.

In Vers 11 bestätigt Gott noch einmal die Leiterrolle des Mose, indem er Mose befiehlt, das Volk Israel weiterzuführen. Sie sollen nicht aufgeben, sondern weitergehen. Dieser Satz kommt mir unglaublich bekannt vor. Wie oft stand ich vor Prüfungen, vor Krankheiten und Todesnachrichten, vor Verzweiflung und Wut und wollte am liebsten alles hinwerfen und aufgeben. Ich fühlte mich vom Leben überfordert, Gott nicht. Er sagte: Kind, geh weiter. Und Vers 11 geht noch weiter. Gott erneuert sein Versprechen, das er Israel gegeben hat. Sie werden das Land, das er ihnen versprochen, ja sogar mit einem Eid darauf geschworen hat, einnehmen. Auch später sagt Gott zu Josua, Moses Nachfolger, dass Israel das Land, auf das es tritt, einnehmen wird.
 

Was Gott von seinem Volk verlangt

Und nun in Vers 12 lässt Jahwe Israel über Mose die alles entscheidende Frage ausrichten: Was verlangt dein Gott von dir, Israel? Hier geht es um eine Beziehungsfrage. Ja, um ein Versprechen. Um einen Bund. Gott, Jahwe – ich bin, der ich bin – verspricht Israel das Land und er verlangt von Israel auch etwas, nämlich, dass sie Gott achten, also Respekt vor ihm haben, dass sie nach seinem Willen leben, dass sie ihn lieben und dass sie ihm dienen. Klingt eigentlich gar nicht so schwer, oder doch? Vielleicht ist es manchmal nicht so leicht, Gott zu respektieren, ihn zu achten. Da sind so viele Dinge und Menschen, die einen ablenken wollen. Schau hier hin, schau dort hin…! Und manches Mal passiert es dann, dass Menschen andere Menschen oder Dinge auf ihren Lebensthron setzen und Gott, den Allmächtigen, aus ihrem Leben verdrängen. Gott zu lieben, ist auch nicht immer leicht. Denn wir sollen ja auch unsere Feinde lieben, oder den Bruder und die Schwester, die vielleicht nicht immer so liebenswert erscheinen. Nach Gottes Willen leben, bedeutet zum einen, seine Gebote halten, d. h. im Sinne der Zehn Gebote: du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht stehlen, morden, neidisch sein etc. Zum anderen bedeutet es auch, den Willen Gottes für sein eigenes Leben zu erkennen. Welche Gaben hat Gott mir gegeben? Wie kann ich mit diesen Gaben anderen Menschen dienen? Und dienen heißt nicht herrschen. Dienen heißt nicht, mit seiner Leitungsposition anzugeben oder gar, alles besser zu wissen. Dienen heißt demütig sein, auch einmal von anderen lernen, dazulernen. Diese Seite des Dienens ist dem menschlichen Ego oft unangenehm. Gott möchte von ganzem Herzen, also freiwillig geliebt werden, und er möchte, dass der Mensch ihm mit seiner ganzen Kraft, mit seinem ganzen Leben dient. Das scheint mir eine große Aufgabe, eine Lebensaufgabe zu sein.

Der Mensch soll den guten Geboten und Vorschriften Gottes gehorchen. Das bedeutet für mich, dass Gottes Gebote gut sind. Sie wollen uns nicht beschränken und einengen, oder gar die Lust am Leben verderben. Im Gegenteil, die Gebote Gottes setzen Grenzen, um vor Gefahren zu schützen und sich frei entfalten zu können. Gefahren heute könnten sein: Burnout – Mediziner nennen es Erschöpfungsdepression – ein Mensch hat zu viel gearbeitet, jetzt muss sein Körper und seine Seele mindestens 6 Monate ruhen, bevor wieder an Aktion zu denken ist. Gott kennt den Menschen. Er hat ihn geschaffen und deshalb weiß Gott auch, was gut für den Menschen ist. Deshalb setzt er ihm Grenzen.

Gott hat Israel erwählt, d. h. er hat sein Volk ausgewählt. So hat Gott auch uns, die wir uns zu Jesus bekennen, für sich ausgewählt. Das ist ein absolutes Privileg. Darum ist es für den Menschen nicht gut, gegen Gott zu rebellieren. Das Volk Israel sollte nicht bockig und engstirnig sein. Auch wir Christen heute dürfen Gott fragen, wie sein Lebensplan mit uns und für uns aussieht. Für mich ist es das Schönste, wenn ich weiß, ich darf meine Gaben, die Gott mir gegeben hat, für ihn einsetzen, um Menschen zu helfen, um Kranke zu versorgen, um Arbeitslose zu ermutigen, um Menschen aus anderen Ländern zu dienen, um Kindern und Jugendlichen in ihrer Entwicklung zu helfen. Es gibt dafür unendlich viele Möglichkeiten.
 

Der allmächtige und barmherzige Gott

Die Verse 17 und 18 begeistern mich. Jahwe ist der allmächtige Gott. Und der allmächtige Gott liebt mich, mich kleinen und unbedeutenden Menschen. Er schickte seinen Sohn Jesus, um für mich zu sterben und aufzuerstehen. Um meine Schuld zu bezahlen. Einen gnädigeren Gott kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Jahwe ist der König aller Könige. Er ist ehrfurchtgebietend; das bedeutet Gott verdient Respekt, er ist kein Hampelmann, den man um etwas bittet, wenn es mal brennt und Not am Mann ist. Nein. Jahwe gebührt die Ehre, die Achtung und der Respekt. Warum? Weil er allmächtig ist. Weil er die Welt und den Menschen geschaffen hat. Und weil er den Menschen, obwohl dieser nur ein Geschöpf ist, unendlich und bedingungslos liebt.

Jahwe ist unparteiisch und unbestechlich. Gott ist in keiner politischen Partei, Gott ist in keinem Verein. Er rührt nicht die Werbetrommel, er betreibt kein Marketing. Das hat er nicht nötig. Er ist allmächtig und ihm untersteht alles, im Himmel, auf der Erde und unter der Erde, im Meer. Das begeistert mich. Gott begeistert mich!

Bei Gott gilt kein Ansehen der Person. Er nimmt keine Geschenke, d. h. er ist nicht erpressbar. Vor Gott ist jeder Mensch gleich. Auch, was seine Schuld angeht. Stehlen, die Ehe brechen, morden, falsch Zeugnis reden. Vor Gott ist all das Schuld, ohne Unterschied.

Mich berührt besonders Vers 18, in dem steht, dass Jahwe den Witwen und Waisen zu ihrem Recht verhilft, dass er Ausländern Nahrung und Kleidung gibt. Niemand sucht sich aus, in welchem Land er oder sie geboren wird. Das heißt Jahwe liebt jeden Menschen in jedem Land. Er liebt Arme und Reiche. Er liebt Alte und Junge. Er liebt Intellektuelle und handwerklich Begabte. Er liebt Gesunde und Kranke. Und vor allem liebt er Menschen, die sich selbst nicht mehr helfen können. Er liebt Kranke, Arme, Geflüchtete, Kriegsgebeutelte, Alleinerziehende besonders. Warum? Weil Jahwe barmherzig ist. Niemand ist so barmherzig wie Er.
 

Liebe zum Nächsten – Gemeinde leben

Meine Gemeinde liebt Ausländer – wir nennen sie liebevoll Internationale. Meine Gemeinde liebt Geflüchtete und Kranke und kümmert sich um sie. Meine Gemeinde liebt Arme und Alleinerziehende und unterstützt sie. So ist Gemeinde Jesu. Nicht aufeinander herabschauen und sich miteinander vergleichen; nicht der eine herrscht in einer Leitungsposition über den anderen. Nein.

Israel soll die Ausländer lieben, denn die Israeliten waren selbst Ausländer in Ägypten. Und wie wurden sie dort behandelt? Sehr schlecht. Sie mussten Ziegel für die Ägypter brennen und wurden von ihnen geschlagen.

Sollen sie dieselbe Behandlungsweise mit den Ausländern in Israel fortsetzen? Nein. Sondern sie sollen diese von ganzem Herzen lieben und ihnen dienen. Denn sie wissen ja, was es heißt, schlecht behandelt und sogar geschlagen zu werden. Böses mit Gutem zu vergelten, ist Gottes Leitsatz. Das klingt schwer umzusetzen und das ist es auch! Aber Gott steht uns bei. Er steht hinter uns, wenn wir seinen Willen in unserem Leben tun möchten.

Gott ist unser Ruhm (5. Mose 10,21).

 

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht. Bitte beachten Sie beim Schreiben Ihres Kommentars unsere Netiquette.