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/ Bibel heute

Moses erstes Wunder vor dem Pharao

Friedrich Rößner über 2. Mose 7,1–13.

Der HERR sprach zu Mose: Siehe, ich setze dich zum Gott für den Pharao, und Aaron, dein Bruder, soll dein Prophet sein. Du sollst alles reden, was ich dir gebieten werde; aber Aaron, dein Bruder, soll es vor dem Pharao reden, damit er die Israeliten aus seinem Lande ziehen lasse. Aber ich will das Herz des Pharao verhärten und viele Zeichen und Wunder tun in Ägyptenland.[...]

2. Mose 7,1–13

Im amerikanischen Bundesstaat Kentucky hat der Atheist, Ben Hart, für sein Autokennzeichen den Schriftzug „Ich bin Gott“ gewählt. Er versteht sich selbst, so kann man lesen, durchaus als Gott. Er möchte darauf hinweisen, dass Menschen nicht auf irgendeine Gottesvorstellung angewiesen sind, sondern dass jeder Mensch selbst Gott ist. Aber natürlich möchte er mit diesem Schild auch provozieren.

Ein solches Schild hätte dem Pharao in Ägypten zur Zeit von Mose auch an seinem Streitwagen gefallen. Es hätte damals niemanden provoziert. Denn der Pharao war Gott. Das war allen Ägyptern klar – jedenfalls fast allen. Die sklavenähnlich gehaltene Gruppe der Israeliten im Land wollte und konnte das nicht glauben. Und dann kamen auch noch dieser Mose mit seinem Bruder Aaron und provozierten ihrerseits den göttlichen Pharao.

Das konnte nicht gut gehen. Wer sich selbst als Gott versteht, der muss jede Infragestellung seiner unbeschränkten Macht als unerhörte Anmaßung empfinden. Selbst weltliche Herrscher mit unumschränkter Macht verhalten sich bis heute so.

Mose und Aaron haben sich diesen Job nicht ausgesucht. Mose wurde von Gott dazu berufen, sein Volk in die Freiheit und damit aus Ägypten zu führen. Auf die Einwände, die Mose ins Feld führte, ging Gott ein. Gegen seine angebliche Redeunfähigkeit bekommt Mose seinen Bruder Aaron an die Seite gestellt. Das berichten uns die ersten beiden Verse dieses Abschnitts. Die weiteren Verse gehen auf den Vorwand ein, der Pharao würde ja ohnehin nicht auf Mose hören. Und Gott sagt: Ja, der Pharao wird nicht hören. Darum wird es schreckliche Ereignisse geben, bis er schließlich doch seine Meinung ändern wird.

Die große Erzählung der Auseinandersetzung zwischen dem Gott Israels und dem Pharaonengott beginnt mit diesen Versen. Ich stocke aber schon bei den ersten Worten, wenn Gott dem Mose sagt: „Siehe, ich setzte dich zum Gott für den Pharao“. Mose als Gott? Was hier gemeint ist, macht die Übersetzung in der Basisbibel deutlich: „Du wirst an Gottes Stelle vor dem Pharao stehen.“ Die Rollenverteilung ist dabei klar und deutlich: Mose hört, was Gott ihm sagt. Aaron hat diese Worte dem Pharao zu sagen. Der göttliche Pharao wird dadurch in seinem Selbstverständnis in Frage gestellt.

Man könnte ja meinen, dies wäre eine Geschichte aus ferner Vergangenheit, in der die Menschen ganz anders dachten und handelten als heute. Wenn ich aber Wilhelm Schmid, einem freien Philosophen aus Berlin, Glauben schenke, dann neigen wir immer noch dazu, am liebsten selbst Gott zu sein. Schmid macht das an der Beobachtung fest, dass in unserer Sprache weniger ge-schaffen und statt dessen viel mehr er-schaffen wird. Er schreibt:

„Erschaffen, nicht mehr gedreht, werden Filme. Bauherren erschaffen ein Haus, statt es wie einst einfach zu bauen. Selbst ein Förster im Bayerischen Wald pflanzt nicht etwa einen Wald, sondern erschafft ihn. Touristiker erschaffen Erlebnisse, statt sie zu ermöglichen.“[1]

Auch Gemeinschaft wird nicht mehr gebildet, sondern erschaffen. Und weiter stellt er fest: „Typisch für den modernen Menschen scheint Selbstüberhöhung zu sein. Die Welt als Wille und Vorstellung, das ist seine Welt. Er ist kein Mensch des Seins, sondern einer des Wollens. Niemals akzeptiert er das, was ist, immer hat alles so zu sein, wie er es will, und er will es perfekt.“

Der Glaube, allmächtig zu sein, das war für den ägyptischen Pharao selbstverständlich. Aber irgendwie scheint dieser Virus auch in uns heutigen Menschen zu sein: Technisch ist alles machbar, medizinisch fast alles. Den Rest regeln Versicherungen. Und so steht dann auch schon einmal über der Eingangstüre eines Fitnessstudios „Erschaffe dich neu!“

Dabei stand doch über dem antiken Tempel von Delphi „Erkenne dich selbst“.

Erkenne, dass du kein Gott bist, sondern sterblich, verletzlich, fehlbar. Erkenne, dass du nicht ewig leben wirst, sondern dem Gesetz der Zeit unterliegst.

Solche Gedanken erscheinen heute manchmal so fern, wie sie auch dem Pharao waren. Darum brauchen wir heute einen Mose und einen Aaron, die uns auf die eigene Selbstüberschätzung und Überheblichkeit hinweisen. Für uns heute sind es Jesus und der Heilige Geist. Sie machen mich darauf aufmerksam, wo ich über das Ziel hinausschieße, wo ich mir mehr anmaße als ich bin, wo ich mich gottähnlich verhalte.

Damals war es ein langer und harter Lernprozess, bis der Pharao seine Begrenztheit akzeptieren konnte. Selbst göttliche Wunder und Machterweise rüttelten ihn nicht auf: Als das Stabungeheuer von Aaron die Ungeheuer der ägyptischen Weisen und Zauberer verschlang, blieb das Herz des Pharaos dennoch ungläubig und hart.

Und auch in mir ist es ein fortwährender Prozess, meine Gottesüberheblichkeit abzulegen und mich dem biblischen Gott anzuvertrauen. Christen nennen diesen Lernweg „Heiligung“. Ich kann es als Mensch eben nur schwer ertragen, nicht Gott zu sein.

Bleibt zum Schluss nur noch anzumerken, dass alle Autokennzeichen im Bundesstaat Kentucky mit einem Standardschriftzug versehen sein müssten. Dieser lautet: „In God We Trust“, also übertragen „Auf den biblischen Gott vertrauen wir“. Das weist auch einen ausgewiesenen Atheisten auf den Gott hin, der über alle menschlichen Gotteseinbildungen erhaben ist.

[1] https://www.nzz.ch/feuilleton/der-mensch-will-sein-wie-gott-warum-wir-immer-mehr-erschaffen-ld.1734245, aufgerufen 30.12.23 – Neue Züricher Zeitung

 

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