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/ Bibel heute

Die Zukunft des Onesimus

Waldemar Berscheminski über Philemon 1-25.

Paulus, Gefangener Christi Jesu, und Timotheus, der Bruder, an den lieben Philemon, unsern Mitarbeiter, und an Aphia, die Schwester, und Archippus, unsern Mitstreiter, und an die Gemeinde in deinem Hause: Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus![...]

Philemon 1-25

Bob Hoover war ein berühmter amerikanischer Testpilot, der häufig bei Flugshows auftrat. Als er einmal von einer Flugshow in San Diego zu seinem Haus in Los Angeles zurückflog, blieben plötzlich beide Motoren seines Propellerflugzeugs aus dem Zweiten Weltkrieg stehen. Mit Geschick und viel Glück gelang es ihm, das Flugzeug sicher zu landen, ohne dass er oder die beiden anderen Passagiere verletzt wurden. Nach der Notlandung überprüfte er den Treibstoff des Flugzeugs. Wie er vermutete, war das Flugzeug falsch betankt worden. Er bat dann darum, den Mechaniker zu sehen, der sein Flugzeug gewartet hatte. Der Mechaniker war entsetzt über die Aussicht, den Mann zu sehen, den er fast getötet hatte, und rechnete mit einem Zornesausbruch des Piloten. Doch der Pilot legte seinen Arm um den Mechaniker und sagte: "Um Ihnen zu zeigen, dass ich sicher bin, dass Sie so etwas nie wieder tun werden, möchte ich, dass Sie morgen mein Jagdflugzeug warten.“ Was für ein Beispiel für praktische Vergebung! Wie hätten Sie sich da verhalten?

Vergebung

Im Brief des Apostel Paulus an Philemon finde ich auch ein starkes Beispiel für Vergebung.

Paulus schrieb diesen Brief vermutlich während seiner Gefangenschaft in Rom. Philemon war ein Christ in Kolossä und zugleich Herr des Sklaven Onesimus. Dieser war seinem Besitzer fortgelaufen und irgendwie in Rom mit Paulus zusammengetroffen. Unter dessen Verkündigung ist er auch Christ geworden. Jetzt schreibt Paulus an Philemon und an die Gemeinde in seinem Haus und bittet ihn, seinen entlaufenden Sklaven nicht nur wieder aufzunehmen, sondern ihn auch als Bruder in Christus zu betrachten. Dies war eine gewaltige Bitte. Damals wurden Sklaven als persönliches Eigentum des Herrn betrachtet. Dieser konnte mit seinem Sklaven machen, was er wollte. Wir wissen nicht, was Onesimus seinem Herrn angetan hatte.  Philemon hatte wahrscheinlich einige Gründe, um auf seinen entlassenen Sklaven sauer zu sein. Jetzt kommt Paulus und bittet Philemon, dass er seinem ehemaligen Sklaven verzeiht und ihn wieder aufnimmt.

Der irische Autor und Literaturwissenschaftler C. S. Lewis sagte einmal: „Jeder sagt, Vergebung sei eine schöne Idee, bis er etwas zu vergeben hat." Das stimmt. Ich kann ganz einfach über Vergebung predigen, bis ich selber mal ganz praktisch betroffen bin.

Aber wenn ich ehrlich zu mir bin, wie oft hat Christus mir vergeben? Er kam auf diese Welt, um mich Sünder zu retten. Er starb einen schrecklichen Tod am Kreuz, um für Ihre und meine Schuld zu bezahlen. Die gute Nachricht ist, dass Jesus wieder auferstanden ist und lebt. Durch seinen Tod erfahre ich Vergebung und genau diese Vergebung soll ich an andere Personen weitergeben.

Heilende Vergebung

John Stott, ein bereits verstorbener britische Theologe zitierte den Verwalter des größten psychiatrischen Krankenhauses in London, der sagte: „Wenn die Menschen hier nur wüssten, was es bedeutet, dass ihnen vergeben wird, könnte ich die Hälfte von ihnen sofort entlassen. So viele Menschen auf dieser Welt sehnen sich nach Vergebung. Viele Menschen in Gefängnissen wünschen Vergebung und würden gerne wissen, ob ihnen vergeben worden ist.“

Auf der anderen Seite haben wir dann auch Personen, die nicht vergeben können und dann dadurch selber leiden. Billy Graham, ein amerikanischer Evangelist, sagte, er glaube, dass 75 Prozent der Patienten in Krankenhäusern geheilt werden könnten, wenn sie vergeben würden. So viele Ehen, so viele Familien sind zerrüttet, weil nicht vergeben wird. Nicht-Vergeben bedeutet, ich trinke das Gift selbst, welches ich eigentlich der anderen Person verabreichen möchte.

Am 14. November 1940 bombardierte die deutsche Luftwaffe die Stadt Coventry in England. Es war der längste Luftangriff auf Großbritannien während des Zweiten Weltkriegs. Als die Bombardierung beendet war, sahen die Einwohner, dass ihre schöne Kathedrale zerstört worden war. Doch zumindest einige der Einwohner ließen die tragische, sinnlose Zerstörung ihres Gotteshauses nicht als Vorwand für Racheakte gelten. Am nächsten Tag nahmen Mitglieder dieser Gemeinde zwei verkohlte Balken vom Dach, banden sie zusammen und stellten sie am östlichen Ende der Ruinen auf, wo der Altar gestanden hatte. Die Balken bildeten ein Kreuz. Die Gemeindemitglieder schrieben diese zwei Worte auf ein Schild: "Vater, verzeih“. Sie sehnten sich nach Vergebung und waren auch bereit, ihren Feinden zu vergeben.

Jesus als Beispiel für Vergebung

Jesus ist das beste Beispiel für Vergebung. Er hatte viele Gründe, auf die Pharisäer, die ihn nicht annahmen und auf die römischen Soldaten, die ihn quälten, sauer zu sein. Am Kreuz bat er seinen Vater um Vergebung für seine Peiniger. Wenn wir wie Jesus vergeben können, dann können wir auch Vergebung von Gott erwarten, denn im „Vater unser“-Gebet heißt es: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“

Vielleicht sehnen Sie sich genauso wie Onesimus nach Vergebung. Vielleicht haben Sie etwas getan, was andere Menschen sehr verletzt hat. Dieses Ereignis quält Sie und lässt Ihnen keine Ruhe. Dann ist es wirklich Zeit, um Vergebung zu bitten. Tun Sie den ersten Schritt und gehen Sie auf die Person zu und bitten um Vergebung. Sie werden sehen, wie Gott Ihnen in dieser Situation helfen wird.

Vielleicht müssen Sie aber genauso wie Philemon auch anderen Personen vergeben. Ihnen wurde etwas Schlechtes angetan und der Stachel der Verletzung sitzt sehr tief. Wenn Sie bereit sind, Vergebung auszusprechen, werden Sie sehen, wie Ihnen Jesus den Stachel der Verletzung herausziehen und die Wunden heilen wird.

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Kommentare (1)

Tanja /

Wunderbare Auslegung des Textes. Toll gesprochen. Mich wundert, dass keine Kommentare vorhanden sind.