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/ Bibel heute

Das Leben in der Welt

Martin Schlue über Titus 3,1–7.

Erinnere sie daran, dass sie sich den Obrigkeiten*, die die Macht haben, unterordnen, dass sie gehorsam seien und zu allem guten Werk bereit, niemanden verleumden, nicht streiten, freundlich seien und alle Sanftmut beweisen gegen alle Menschen. Denn auch wir waren früher unverständig, ungehorsam, gingen in die Irre, waren mancherlei Begierden und Gelüsten dienstbar und lebten in Bosheit und Neid, waren verhasst und hassten uns untereinander.[...]

Titus 3,1–7

Vor ein paar Tagen las ich den Satz von Hans-Joachim Eckstein: „Gott erwartet in seiner Liebe nichts von uns, was er uns in seiner Gnade nicht selbst schenken würde.“ Genau dieses „Voraus-Schenken“ leuchtet heute in diesem Bibeltext auf. Ich entdecke drei Schwerpunkte: zuerst lese ich von christlichem Verhalten (Vv.1-2). Dann gibt es einen kurzen Rückblick auf ihr früheres Verhalten (V.3). Bevor Christen auf Kreta Jesus Christus kennenlernten, waren sie auch nicht besser. Zum Schluss richten sich alle Scheinwerfer auf die überwältigende Liebe Gottes (Vv. 4-7). Ich fange einfach mal hinten an.

Hier wird ein Haufen starker Geschenke aufgezählt, die Gott den Christen gemacht hat. Es beginnt mit der Erscheinung der Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes! Gott ist ein Philanthrop! Ein Menschen-Liebhaber. So lese ich es hier nach dem griechischen Grundtext. Damit steht und fällt so vieles im Glaubensleben: Nämlich wie wir Gott sehen. Wer ist Gott für Sie und welches Bild haben Sie in Ihrem Inneren von ihm abgespeichert? Hier zeigt der Apostel, dass Gott ein Retter-Gott ist! Ein Heiland-Gott, wie Luther übersetzt! Und dazu begegnet uns seine freundliche Menschenliebe! Die Bibel wird nicht müde, uns immer wieder zu zeigen, dass die Sendung von Jesus, dem Sohn Gottes, ein Akt der Liebe ist. Gott kommt als Mensch, um uns Menschen zu retten. Sein Antrieb ist Liebe! Selbstlose, aufopfernde, hingebungsvolle Liebe.

Hierbei ist interessant, was Paulus über das Vorleben der Christen auf Kreta schreibt. Und er bezieht sich selber voll mit ein: (3 Hfa) „Auch wir waren früher unverständig und Gott ungehorsam. Wir gingen in die Irre und wurden von allen möglichen Wünschen und Leidenschaften beherrscht. Bosheit und Neid bestimmten unser Leben. Wir hassten andere, und andere hassten uns.

Ich schätze mal, die wenigsten von uns würden sich jetzt so eins zu eins mit dieser Einschätzung identifizieren. Aber hier wird das Leben ohne Gott so krass beschrieben. Umso erstaunlicher, dass Gott diese ungehorsamen, verhassten und boshaften Menschen so sehr liebt.

Vielleicht, weil Gott weiß, warum wir so geworden sind? Nämlich, weil wir die Gemeinschaft mit ihm verloren haben. Verloren – so bezeichnet die Bibel den Zustand des Menschen ohne Gott. Verloren sagt nichts über den Wert aus, sondern nur darüber, dass derjenige nicht dort ist, wohin er eigentlich gehört. Wenn ich meinen Hausschlüssel verliere, behält er denselben Wert. Aber er ist nicht mehr dort, wo er hingehört, nämlich in meine Manteltasche. – Gott liebt verlorene Menschen. Das ist seine Leidenschaft. Sie wiederzufinden und zu sich zu nehmen, bedeutet retten. Menschen sind dann gerettet, wenn sie wieder in eine Beziehung zu Gott gekommen sind. Und dafür hat Gott Jesus geschickt.

Hier werden lauter Geschenke Gottes aufgezählt, die all denen gemacht sind, die an Jesus glauben. Ich zähle sie mal in einer persönlichen Note auf und wenn Sie wollen, können Sie sich diese Sätze aus den Versen 4-7 so zu eigen machen:

  1. Gott liebt mich und ist freundlich zu mir.*
  2. Gott ist mein Retter. Sie könnten auch sagen: Gott ist mein Heiland – wenn Ihnen das wohltuender klingt.
  3. Gott ist barmherzig mit mir.
  4. In meiner Taufe hat Gott mir bestätigt, dass ich zu einem neuen Leben wiedergeboren bin.
  5. Ich werde ständig erneuert durch den Heiligen Geist.
  6. Ich habe die Kraft des Heiligen Geistes durch Jesus Christus in reichem Maß empfangen.
  7. Ich bin durch Gottes Gnade von aller Schuld befreit. Das meint es nämlich, wenn es hier heißt, dass wir gerecht geworden sind durch seine Gnade (7). Ich bin durch Gottes Gnade von aller Schuld befreit.
  8. Ich bin zum Erben für das ewige Leben eingesetzt – das ist eine starke Hoffnung.

Es wird noch mal ausdrücklich betont, dass Gott uns ohne eigene Verdienste gerettet hat. Das bedeutet, auch unser Glaube, unsere Taufe, unser Gehorsam usw. sind keine frommen Werke, die ein Anrecht auf die Gnade erwerben. Denn Gnade gibt es nur gratis.

Nun habe ich diese „Geschenke“ alle in der persönlichen Ich-Form aufgezählt. Es sind immerhin 8 geworden. Allerdings sollten wir nicht vergessen, dass Paulus sie hier in der 1. Person Plural formuliert. Heißt: Die anderen Christen haben die gleichen Geschenke wie ich. Ich bin nicht herausgestellt, sondern hineingestellt in eine große Gemeinschaft von Christen, denen Jesus genauso seine Liebe und seinen Heiligen Geist geschenkt hat.

Ich finde, das sind ziemlich gewichtige Zusagen, die unser Leben total reich machen. Damit können wir Selbstzweifel, Angriffe des Teufels und Glaubensschwierigkeiten bekämpfen. Wenn wir uns dieser ständigen Erneuerung durch den Heiligen Geist bewusstmachen, gehen wir sehr aufrecht, mutig und selbstbewusst unseren Alltag an.

Und damit sind wir bei den ersten Sätzen unseres Abschnittes. Da ist von Unterordnung und Gehorsam gegenüber den staatlichen Behörden die Rede. Titus soll die Christen in Kreta erinnern, dass sie bereit seien, Gutes zu tun und über andere nicht schlecht zu reden. Gutes tun ist eine logische Konsequenz, um die Freundlichkeit Gottes an andere weiterzugeben.

Jetzt wirken diese „Ermahnungen“ gar nicht mehr wie eine moralische Last, sondern eher wie eine freundliche Lust. Weil Gott mich so liebt, brauche ich mich gar nicht mehr mit anderen zu streiten. Ich muss nicht mehr Recht kriegen. Ich muss mich nicht durchsetzen und von allen anerkannt sein. Weil ich so überaus reich beschenkt bin durch Jesus Christus, kann ich ab und zu geben, kann freundlich bleiben und sogar Streit schlichten, statt Öl ins Feuer zu gießen. Von hier aus entwickelt das NT eine wirksame Sozialethik, die einer ganzen Gesellschaft dient. So bleibt der Glaube an Jesus nicht eine selbstverkrümmte Frömmigkeit, sondern wird zu einer lebensverändernden Kraft, von der andere um mich herum etwas haben.

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