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/ Bibel heute

Der Verfall der Frömmigkeit in der Endzeit

Gerhard Göller über 2. Timotheus 3,1–9.

Das sollst du aber wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten kommen werden. Denn die Menschen werden viel von sich halten, geldgierig sein, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, gottlos, lieblos, unversöhnlich, schändlich, haltlos, zuchtlos, dem Guten feind,[...]

2. Timotheus 3,1–9

„Mach’s gut!", sagen wir manchmal beim Abschied zueinander. Wir meinen damit: Ich wünsche dir, dass es dir gut geht, dass du es gut hast. „Mach’s gut!“ könnte auch bedeuten: Ich bitte dich, dass du deine Sache gut machst, dass du dir Mühe gibst und Erfolg hast. Heute hören wir: So sehr wir es uns auch wünschen, so sehr wir uns auch bemühen, es wird nicht gut. Es kommt sogar noch schlimmer. Diese Welt hat keine Zukunft. Sie wird vergehen. Immer schwerer wird das Leben werden. Das Leid, das sich die Menschen antun, wird immer größer werden.

 

Paulus schreibt Timotheus einen Brief. Paulus ist im Auftrag des Herrn unterwegs. Er möchte Menschen für den Glauben an Jesus Christus begeistern. Timotheus war schon oft sein Reisebegleiter. Außerdem ist er ein treuer Mitarbeiter in den christlichen Gemeinden. Timotheus hat die Erfahrung gemacht, dass auch das Leben in einer christlichen Gemeinschaft schwierig sein kann. Nun eröffnet Paulus seinem Gefährten: das ist noch nicht alles. Da kommt noch mehr. Bevor es mit dieser Welt zu Ende geht, wird viel Böses aufkommen. Und es wird nicht nur dort geschehen, wo Gott keine Bedeutung hat. Unheilvolles wird auch von den Menschen ausgehen, die den Schein der Frömmigkeit haben. Sie geben vor, mit Gott durchs Leben zu gehen. Aber ihr Leben spricht eine andere Sprache. Sie täuschen nur vor, an Jesus zu glauben. Sie tun nicht, was er sagt.

 

Paulus geht nun näher darauf ein, was von den Menschen zu erwarten ist, die ihr Leben nicht wirklich von Jesus bestimmen lassen. Das Ich ist für sie ganz wichtig. Sie ertragen es nicht, übergangen zu werden. Gut verdienen und viel besitzen – sie lieben es. Mit anderen teilen und auch ihnen ihr Glück gönnen, geht gar nicht. Hochmut und Überheblichkeit – davon haben sie jede Menge. Keiner ist so gut wie sie. Sie sind unverzichtbar und unersetzlich. Zimperlich sind sie gar nicht. Sie können ausfällig und sehr verletzend werden. Was die Eltern sagen, ist ihnen egal. Sie danken es keinem, dass sie ein gutes Leben haben. Furcht kennen sie nicht, auch keine Ehrfurcht. Nicht mal vor Gott, über den sie schon mal spotten.

Lieblos und herzlos – so treten sie anderen gegenüber auf. Sie können so hart und erbarmungslos sein, so kalt und unversöhnlich. Grenzen kennen sie nicht. An Regeln halten sie sich nicht. Sie verlieren schnell die Beherrschung. Richtig wild können sie dann werden. Warum auch sollen sie gut zu den anderen sein? Treue ist ihnen fremd. Erst denken und dann reden und handeln – nicht nötig.

Sich zurücknehmen und Rücksicht nehmen – nicht mit ihnen. Gas geben und Spaß haben – das ist Leben. Von Gott lassen sie sich ihr Spiel nicht verderben.

Timotheus, nun hast du eine Vorstellung, was uns noch bevorsteht. Wir werden mit Menschen zu tun haben, die sich zu Gott bekennen, aber in ihren Herzen ist kein Platz für ihn. Ein verbindliches Leben nach den Geboten Gottes und im Vertrauen auf sein Wort kommt für sie nicht infrage. Sie dienen nicht Jesus. Lieber spielen sie mit dem Feuer und lassen sich vom Teufel reiten. Ich, Paulus, gebe dir, Timotheus, den dringenden Rat: von diesem Schlag Mensch halte dich fern! Zu deinem Schutz und um ein deutliches Zeichen zu setzen. Wer es mit Jesus wirklich ernst meint, der lässt auch zu, dass Jesus in ihm wirkt.

Und dann macht Paulus den Timotheus noch auf eine besondere Sorte Mann aufmerksam: Auf fromm machen, geht ja für die Herren noch in Ordnung. Aber echt fromm sein, ist nicht ihr Ding. Sie machen Hausbesuche. Bei Frauen, die ein aufregendes Liebesleben hinter sich haben und bei Gott ziemlich tief in der Kreide stehen. Wie wäre es mit einem Neuanfang? Die Männer, die zu ihnen kommen, können mit dieser Idee gar nichts anfangen. Schluss mit lustig – so ein Unsinn!

Und dann gibt es auch noch die, die gerne suchen und reden, aber nicht wirklich daran interessiert sind, fündig zu werden und Frieden zu haben. Sie können die Wahrheit nicht erkennen, schreibt Paulus. Sie verweigern sich ihr. Sie wollen nicht wirklich auf einem Fundament aufbauen, das trägt. Die Orientierung fehlt, der Halt, das Ziel. Sie können sich nicht entscheiden. Ein klares Ja zu Jesus ohne Wenn und Aber wird es für sie nie geben.

Paulus hat nun dem Timotheus viel zugemutet. Wie seinem Glaubensbruder wohl zumute war? Paulus gibt aber auch zu bedenken: Die Menschen, die nie wirklich bei Gott angekommen sind und ein Leben führen, das nicht gut vor Gott und nicht gut für ihre Umgebung ist, werden damit nicht weit kommen. Ihr Spiel wird durchschaut. Ja, die Zukunft verspricht nichts Gutes. Der Glaube an das Gute im Menschen bleibt eine Illusion. Weil die Gewissheit fehlt, von Gott geliebt zu sein, weil es auch gar nicht mehr wichtig ist, Gott zu kennen und ihn mit ganzem Herzen zu lieben, wird auch die Liebe der Menschen, auch in der christlichen Gemeinde, verloren gehen. Vielleicht machen wir diese Erfahrung schon jetzt.

Trotzdem muss es uns nicht bange werden vor dem, was noch kommen wird. Ganz am Anfang habe ich an Worte erinnert, die wir manchmal sagen, wenn wir auseinandergehen. „Mach’s gut!“ Ich wünsche mir, dass wir es gut machen. Dass wir nicht aufgeben und uns nicht anpassen. Dass wir den Mut haben, uns auf die Seite Jesu zu stellen und uns von ihm die Freude und die Kraft schenken lassen, wie Jesus den Willen des Vaters im Himmel zu erfüllen und den Nächsten zu lieben.

„Mach’s gut!“ Das ist auch mein Wunsch an Jesus: mache es bitte gut mit uns. Mache etwas Gutes aus unserem Leben. Die Güte, die du so großzügig an uns verschenkt hast, soll nicht umsonst gewesen sein. Hilf, Herr, dass wir gut zu anderen und gut für andere sind. In diesem Sinne, liebe Hörerin, lieber Hörer: Mach’s gut. Mit Gottes Hilfe wird es gut werden, sehr gut sogar.

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Kommentare (2)

G.W. /

"Pflichtlektüre" für alle ehren- und hauptamtlichen Gemeindemitarbeiter, im Innen- und Außendienst Danke für die Ausführungen.

Wolf Dieter W. /

Ich liebe Gott und Jesus