Navigation überspringen

/ Bibel heute

Gegen falsche Gesetzeslehrer

Markus Springer über 1. Timotheus 1,1-11.

Paulus, Apostel Christi Jesu nach dem Befehl Gottes, unseres Heilands, und Christi Jesu, der unsere Hoffnung ist, an Timotheus, mein rechtes Kind im Glauben: Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater, und unserm Herrn Christus Jesus! Wie habe ich dich ermahnt, in Ephesus zu bleiben, als ich nach Makedonien zog, damit du einigen gebietest, dass sie nicht anders lehren,[...]

1. Timotheus 1,1-11

E: „Ach soo, … dort bin ich langgelaufen. Viel zu früh abgebogen. Das war nicht das erste Mal, dass das GPS-Signal auf meinem Smartphone ausfiel und ich nicht dort ankam, wo ich hinwollte. Das Ziel wurde nicht erreicht. Dann musste ich – wie vor Zeiten – erstmal die Karte studieren… Und nicht nur das – ich musste erst einmal feststellen, wo ich mich selbst befinde …“

Der Auftrag der Gemeinde

Dass Menschen, ja sogar ganze Gemeinden dort ankommen, wo ihre Bestimmung liegt, das war Paulus Auftrag und Anliegen. Nicht anders als damals muss zuerst die Frage geklärt werden: An welchem Punkt befinde ich mich selbst – oder wo stehen wir als ganze Gemeinschaft oder Gemeinde? Womit beschäftigen wir uns, was ist uns wichtig? … Gegenwärtig gibt es ganze Kirchen und Gemeinden, die ihren eigentlichen Auftrag aus den Augen verloren haben. Da stellt sich die Frage: Was ist der eigentliche Auftrag und das Ziel einer christlichen Gemeinde?

H: Im ersten Timotheusbrief gibt uns Paulus dazu wichtige Hinweise. Zunächst einmal macht Paulus klar, dass er nicht aus eigener Unternehmung heraus handelt. Er, Timotheus und alle, die sich – wo auch immer – für die Gemeinde Gottes einsetzen, sind Berufene nach dem Befehl Gottes. Gemeinde ist Gottes Unternehmung, nicht unsere. Er trägt die Verantwortung. Wir wollen dabei seine Diener sein.

Wir erfahren auch, dass Gott Heiland und Retter ist. Das ist sein ureigenstes Wesen, schon im Alten Testament. Jesus Christus ist unsere zukünftige Hoffnung, denn er hat uns durch seinen Tod für immer von den Folgen von Schuld und Sünde gerettet. – Sehen wir, wie untrennbar diese beiden zusammenwirken? Wer vom allmächtigen Gott redet, kommt an Jesus, unserer Hoffnung, unserem Retter und Heiland nicht vorbei …

Paulus und Timotheus

Zwischen Paulus und dem Briefempfänger, dem jüngeren Timotheus, lässt sich eine tiefe Herzensverbindung erahnen. Er ist sein „rechter Sohn, sein echtes Kind“ im Glauben. Zweifellos führte Paulus Timotheus während seines früheren Wirkens auf seiner ersten Missionsreise zu Christus (1,2.18; 1. Kor 4,17; 2. Tim 1,2). Später erwählte Paulus ihn zu seinem Begleiter (Apg. 16,1-3). Timotheus war sein Schüler, Freund und Mitarbeiter. Sie haben vieles gemeinsam erlebt und durchgestanden. Der Glaube an Jesus verbindet sie wie ein unzertrennliches Band.

Die Christengemeinde in Ephesus, eine Stadt in der heutigen Türkei, hatte Paulus auf seiner dritten Missionsreise gefestigt und auferbaut (Apg. 19). Drei Jahre lang hatte Paulus sie als Hirte betreut. Bei einem seiner letzten Aufenthalte hatte er die Gemeinde davor gewarnt, dass reißende Wölfe aus den eigenen Reihen der Gemeinde aufstehen werden (Apg. 20,29-30). Männer, die verkehrte Dinge reden und die die Jünger für ihre eigenen Zwecke missbrauchen – und so war es auch.

Denn jetzt – einige Jahre später, nach seiner ersten Entlassung aus einem Gefängnis in Rom, besucht er die Ephesergemeinde erneut. Er lässt dort seinen hochgeschätzten Mitarbeiter Timotheus zurück. Dort soll Timotheus bestimmte Dinge in Ordnung bringen. Er soll helfen, die Gemeinde wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zuzuführen, denn irgendetwas läuft dort verkehrt. Der Gemeinde-Kompass muss wieder auf die Karte abgestimmt werden, um das Ziel wieder zu sehen und zu erreichen …

Gnade, Barmherzigkeit und Frieden?

Paulus weiß, wie schwierig es ist, eingefahrene Dinge wieder zurechtzurücken. Er betet für Timotheus um Gnade, Barmherzigkeit und Frieden. In einer Gemeindesituation, wo diese Dinge offensichtlich fehlen. In dieser prekären Lage kann sich Timotheus, zwar ermutigt von seinem Mentor Paulus, nur auf seinen himmlischen Herrn verlassen …

Innerhalb der Ephesergemeinde lehrten leitende Mitarbeiter mittlerweile etwas anderes als Paulus. Sie achteten auf Fabeln und Geschlechtsregister und diskutierten heftig darüber. Offensichtlich waren es jüdische Gesetzeslehrer, die lehrten, das Gesetz genau einzuhalten. Sie lehrten nicht mehr die Gnade und den Glauben an Jesus Christus, wie ihn die Apostel und Paulus verkündeten.

Paulus bezeichnet sie als „abgeirrt“, beschäftigt mit „unnützen Dingen“. Sie machen in der Gemeinde das Unwichtige zum Wichtigsten und sagen: „Wir sind recht, wir sind besser, folgt uns nach. Wir halten die Gebote Gottes vollständig ein.“ Paulus schreibt über sie, dass sie selber nicht verstehen, was sie so fest behaupten und anderen beibringen wollen.

Anlass für ihn, uns einen Einblick in den Sinn des Gesetzes zu geben: Das Gesetz ist uns zur Erkenntnis der Sünde gegeben. Es soll uns zur Umkehr zu Gott bewegen, denn es zeigt uns, wie weit wir alle vom heiligen Gott entfernt sind. Es zeigt uns, dass wir aus eigener Kraft niemals vor Gott bestehen können. „Da ist keiner, der gerecht ist, auch nicht einer,“ zitiert Paulus im Römerbrief.

Gerecht durch Jesus

Übrigens: Haben Sie sich schon in dieser Liste der Gesetzlosen entdeckt? Es ist Gott, der uns bedingungslos liebt, Er macht uns gerecht – und zwar ohne das Einhalten des Gesetzes. Deshalb ist Jesus Christus auf diese Erde gekommen. Er starb für unser Unvermögen und unsere Sünde am Kreuz. Wer an Jesus glaubt, der hat seine Gerechtigkeit angezogen. Gott sieht in uns seinen geliebten Sohn. Jesus sagt zu seinen Jüngern: „Meine Weisung an euch lautet: Liebt einander so, wie ich euch geliebt habe! Die größte Liebe beweist der, der sein Leben für seine Freunde hingibt (Joh. 15,12-13).“

Und das hat Jesus am Kreuz getan: Er hat sein Leben für mich – für Sie – hingegeben. Bei dem, der das für sich erkannt hat, ist alles andere, was darauffolgt, nur noch eine Antwort auf seine große Liebe. Der Apostel Johannes schreibt: „Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat (1Joh 4,19).“ Das ist das Evangelium, die gute Nachricht für alle Menschen, das ist die heilsame Lehre. Diese Liebe zu erkennen und zu leben, das ist das Ziel aller Unterweisung in einer christlichen Gemeinde. Sie kommt aus einem ungefärbten Glauben. Ein Glaube, der keine falschen Tatsachen vortäuscht. Ein Glaube, der zu sich selbst ehrlich ist und zugibt: Ich kann die Gebote Gottes gar nicht einhalten. – Deshalb vertraue ich Jesus, der mir durch seinen Tod seine Gerechtigkeit geschenkt hat.

Wo stehe ich?

S: Es ist gut, eine eigene Standortbestimmung zu machen, gerade dann, wenn das eigene GPS, der Kompass ausfällt. Wo stehe ich, mit was beschäftige ich mich, was ist mir wichtig? Was ist uns als Gemeinschaft oder Gemeinde wichtig? Führt unser Glaube, die Unterweisung in der Gemeinde, zu Jesus, zur Liebe, die er uns gezeigt hat? Welchen Stellenwert haben die guten Gebote Gottes in unserer Gemeinde und aus welchen Gründen lehren wir sie? Richten Sie Ihren persönlichen Kompass wieder am Ziel aus! – Und helfen Sie mit, den Gemeindekompass wieder auf die Karte, die Bibel, die gesunde und heilsame Lehre auszurichten! Wenn wir Jesus als Retter in unserem persönlichen Leben kennenlernen, dann verlieren wir uns nicht mehr in unnützem Kleinkrieg, dann entsteht Liebe in unserer Gemeinschaft.

Ihr Kommentar

Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Alle Kommentare werden redaktionell geprüft. Wir behalten uns das Kürzen von Kommentaren vor. Ein Recht auf Veröffentlichung besteht nicht.

Kommentare (1)

Gerhard S. /

In einer Einführung zum Timotheusbrief auf einem Kalenderzettel stand, dass die Briefe an Timotheus und Titus nach Meinung vieler Ausleger nicht von Paulus stammen. Der Sachverhalt deutet doch mehr